Bildung

Schule nach der Pandemie: Zurück in die Kreidezeit?

Tobias Rümmele
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Von Tobias Rümmele
| 20.03.2022 16:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Einige Lehrerinnen und Lehrer wünschen sich für die Zeit nach Corona eine Rückkehr zum klassischen Unterricht. Foto: Gollnow/DPA
Einige Lehrerinnen und Lehrer wünschen sich für die Zeit nach Corona eine Rückkehr zum klassischen Unterricht. Foto: Gollnow/DPA
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Corona brachte an ostfriesischen Schulen einen Digitalisierungsschub. Noch ist unklar, was davon bleibt. Ein Forscher warnt: An den Schulen herrscht eine digitale Spaltung – zulasten der Schüler.

Landkreis Leer - Wechselunterricht, Home-Schooling und digitale Lernplattformen: Die Pandemie zwang Schulen dazu, digital aufzurüsten. Der Landkreis schaffte Hunderte mobile Endgeräte an und verband die Schulen mit dem Hochgeschwindigkeitsinternet. Was aber bleibt von diesem Modernisierungsschub übrig, wenn das Coronavirus nicht mehr unseren Alltag bestimmt? „Die Gefahr eines Rückschritts zum ursprünglichen Zustand ist definitiv gegeben“, sagt Dr. Frank Mußmann vom Institut der Soziologie an der Universität Göttingen. Unter seiner Führung entstand im vergangenen Jahr eine umfangreiche Studie zur Digitalisierung im deutschen Schulsystem.

Was und warum

Darum geht es: In der Pandemie rüsteten die Schulen digital auf. Doch noch ist offen, was davon bleibt.

Vor allem interessant für: Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, sowie Schüler

Deshalb berichten wir: Im Landkreis Leer wurde kräftig in digitale Ausrüstung der Schulen investiert. Wir wollen wissen, wie es weitergeht.

Den Autor erreichen Sie unter: t.ruemmele@zgo.de

Auch wenn es inzwischen vielerorts eine modernisierte Ausstattung gebe, scheitere der digitale Unterricht noch immer oftmals im Detail, erklärt Mußmann. Das könnten etwa Probleme mit Lizenzen für Computer-Programme sein oder die Wartung von Geräten. „In der Pandemie gab es eine ad-hoc-Digitalisierung. Die riesige Lücke im internationalen Vergleich konnte teilweise geschlossen werden“, so Mußmann. „Es gibt aber unter den Lehrkräften und teilweise auch den Schulleitungen ein Bedürfnis, ins ‚Kreidezeitalter’ zurückzukehren. Da muss jetzt in der nächsten Zeit dagegengehalten werden.“

Keine Rolle rückwärts

Auch am Leeraner Ubbo-Emmius-Gymnasium wurde die Pandemie zum Antrieb eines Moderniesierungsschubs. „Wir haben eine digitale Verwandlung durchlebt“, sagt Schulleiterin Ute Wieligmann. Dieser Prozess sei allerdings noch keineswegs abgeschlossen. „Es wird permanent nachgebessert“, sagt Wieligmann. Noch immer funktioniere das Wlan nicht im ganzen Schulgebäude einwandfrei und es gebe auch noch immer Klassenräume, die mit interaktiven Tafeln ausgestattet werden sollen. Trotzdem zieht die Schulleiterin eine positive Bilanz. „Es hat gut geklappt. Was wir uns aber alle zurückwünschen ist die persönliche Kommunikation“, sagt sie. Zwar böten digitale Wege die Möglichkeit einfach und schnell Kontakt zu Schülern und Eltern aufzunehmen, doch dies könne ein echtes Gespräch ohne Bildschirm und Maske nicht ersetzen.

Der Landkreis Leer stattete in der Pandemie die Schulen mit interaktiven Tafeln aus. Foto: Bark/DPA
Der Landkreis Leer stattete in der Pandemie die Schulen mit interaktiven Tafeln aus. Foto: Bark/DPA

An der Berufsbildenden Schule 2 (BBS 2) in Leer sieht sich die Schulleitung für die Zukunft gut aufgestellt. „Das waren wir auch vor Corona schon“, sagt Schulleiter Torsten Janßen. In der Zeit des Home-Schoolings habe die Schule auf das Software-Angebot von Microsoft Teams gesetzt und damit den Unterricht vollständig digital übertragen. Die Möglichkeiten, die dieses Programm bietet, wolle man auch weiterhin nutzen. „Eine Rolle rückwärts wird es bei uns nicht geben“, betont der Schulleiter. „Wir haben einen Digitalisierungsstand auf der Höhe der Zeit erreicht.“ Entscheidend sei hierfür gerade auch die interne Weiterbildung der Lehrkräfte gewesen. So seien in der Pandemie wöchentliche Schulungsangebote entstanden.

Frank Mußmann von der Universität Göttingen sieht die Potenziale der Digitalisierung im Bildungswesen noch nicht ausgeschöpft. Zwar gebe es Vorreiter-Schulen, die bereits einen hohen Standard erreicht hätten, doch gerade in der Breite gebe eine Digitalisierungskluft. „Zwischen den Schulen in Deutschland existiert eine digitale Spaltung, die die Chancengleichheit von Schülerinnen und Schülern gefährdet“, heißt es in seiner Studie. Es gehe künftig darum, die digitalen Potenziale auszuschöpfen, die sich durch die verbesserte Ausstattung ergeben. „Schulen werden niemals vollständig digital unterrichten“, so Mußmann. Doch der pädagogische Nutzen der digitalen Welt könne enorm sein. Beispiele seien etwa interaktive Arbeitsblätter, digitale Simulationen im naturwissenschaftlichen Unterricht, bis hin zu digitalen Experimenten.

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