Kolumne: Intern
Der Sinn und der Unsinn der Daten auf unseren Onlineseiten
„Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast.“ Winston Churchill, wie stets behauptet, hat das wohl nie gesagt, trotzdem ist der Auftrag, misstrauisch zu sein, richtig. Das merken wir auch selber.
Mit Statistiken ist das so eine Sache. Auf unseren digitalen Plattformen können wir nicht mehr ohne: Welcher Artikel wurde wie oft von Lesern geklickt? Wie viel Zeit verbrachten unsere Leser mit welchem Artikel? Und welche Artikel lösen Online-Probeabos aus? War es früher eher Bauchgefühl des Journalisten, sind es heute Daten und deren Auswertungen, die über Erfolg und Misserfolg bestimmen. Das mag man bedauern, Tatsache ist, je präziser und umfassender solche Zahlen erfasst und und bewertet werden, umso mehr wissen wir über die Bedürfnisse unserer Leser. Und manchmal ist es eben nicht so einfach, wie es scheint.
Zur Person
Joachim Braun (56) ist Chefredakteur der Ostfriesen-Zeitung, des General-Anzeigers und der Borkumer Zeitung. Davor leitete er die Redaktionen der Frankfurter Neuen Presse und des Nordbayerischen Kurier in Bayreuth. 2012 wurde er von einer Fachjury zu Deutschlands „Regional-Chefredakteur des Jahres“gewählt.
Am Dienstagmorgen, in unserem wöchentlichen Führungskreis, schlug unser Geschäftsführer Alarm. Die Reichweite, also die Zahler der Nutzer auf unserer Webseite sei bedrohlich abgesunken. Und tatsächlich, die Grafik, die er zeigte, schien dies zu bestätigen. Natürlich fühlte sich der Chefredakteur ertappt und suchte nach Erklärungen. Schuld sei der Ukraine-Krieg, der Leser eher auf überregionale Nachrichtenseite lotse, von Medien also, die im Unterschied zu uns, mit eigenen Korrespondenten aus dem Kriegsgebiet berichteten. Auch schneide der Februar stets schlechter ab, weil im Vergleich zu Januar und Dezember drei Tage fehlten.
Am Ende aber gab es eine neue Auswertung und Entwarnung. Die Reichweite ist gar nicht gesunken, im Gegenteil. Sie geht leicht nach oben. Auch die Medien-Zeit, also die Zeit, die unsere Leser mit Artikeln auf der Onlineseite verbringen, steigt. Noch prägnanter sind zwei andere Auswertungen: Die Zahl der täglich auf der Webseite eingeloggten Abonnenten - das sind also Sie, die diesen Text lesen - hat sich im Tagesvergleich seit Juni 2021 ungefähr verdoppelt, was sich auch im Zuwachs der Medien-Zeit widerspiegelt. Von einem Reichweiten-Rückgang kann also zum Glück nicht die Rede sein. Allerdings gibt es weiterhin viele Leser, die täglich auf unsere Seite kommen, ohne ein Abo zu haben. Die würden wir gerne zu zahlenden Kunden machen. Es bleibt also viel zu tun.
Kontakt: j.braun@zgo.de
Ukraine-Krieg: Was wahr ist und was nicht, wissen wir nicht
Liveticker sind ein Fest für Journalisten
Was sollen wir mit anonymen Briefen machen?
Die Reichweite im Internet steigt weiter