Mobilfunk

Müllautos sollen Funklöcher aufspüren

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 17.03.2022 14:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Müllautos können viel mehr als nur Müll entsorgen. Foto: Archiv/Ortgies
Müllautos können viel mehr als nur Müll entsorgen. Foto: Archiv/Ortgies
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Was hat die Müllabfuhr mit Funklöchern zu tun? Eine ganze Menge, wie sich im Landkreis Aurich zeigt. Ganz nebenbei sollen die Müllwerker helfen, Löcher im Netz aufzuspüren. Damit die Schönfärberei ein Ende hat.

Aurich - Das Mobilfunknetz im Landkreis Aurich ist löchrig wie ein Schweizer Käse. Das weiß jeder, der auf dem Weg von Großefehn nach Norddeich oder von Greetsiel nach Plaggenburg ein längeres Telefongespräch führen will. Die gefühlte Lage ist eindeutig. Doch wie schlecht ist es um die Netzabdeckung tatsächlich bestellt?

Um das herauszufinden, will die Kreisverwaltung eine Karte erstellen lassen, die die Funklöcher ungeschönt aufzeigt. Dabei sollen Müllautos zum Einsatz kommen. Sie werden mit Technik ausgestattet, die die Mobilfunkleistung kontinuierlich misst. Das geht aus einer Beschlussvorlage für den Wirtschaftsausschuss des Kreistags hervor, der am kommenden Montag tagt (Beginn um 15 Uhr im Bürgerhaus am Ihler Meer).

Die Müllabfuhr ist überall

Um die Kosten für die Datenerfassung möglichst gering zu halten, will der Landkreis in Eigenregie messen. Er will für ein Jahr ein Messsystem mit zwei Datenerfassungsgeräten mieten, die in den Müllautos des Abfallwirtschaftsbetriebs mitgeführt werden. „Eine technische Umrüstung der Fahrzeuge ist nicht erforderlich und die Messung als solche erfolgt vollautomatisch“, heißt es in der Vorlage. Das bedeutet: Die Mitarbeiter entsorgen nicht nur den Müll, sondern spüren nebenbei ohne Mehraufwand Funklöcher auf. Da die Müllfahrzeuge jeden Haushalt anfahren, wird das Kreisgebiet automatisch flächendeckend untersucht – mit Ausnahme der Vogelinsel Memmert, doch das dürfte den Vögeln egal sein.

Der Handyempfang ist in abgelegenen Gebieten oft schlecht. Symbolfoto: DPA/Stratenschulte
Der Handyempfang ist in abgelegenen Gebieten oft schlecht. Symbolfoto: DPA/Stratenschulte

Die Vogelinsel ist laut dem Mobilfunkatlas des Breitbandzentrums Niedersachsen-Bremen tatsächlich eines der wenigen Funklöcher im Landkreis Aurich. Ansonsten seien im Kreisgebiet nur die südliche Krummhörn, Pfalzdorf, der Ihlower Forst und Juist unterversorgt. Mit dieser Aussage hatte vor einem halben Jahr ein Referent des Breitbandzentrums bei Kreistagspolitikern für Kopfschütteln gesorgt.

Daten kommen nicht von Nutzern

Das Problem: Als weiße Flecken gelten nach der Definition des Breitbandzentrums nur Gebiete, die von keinem der drei großen Mobilfunknetzbetreiber Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland versorgt werden. Wenn aber nur eines der drei Netze funktioniert, stecken die Kunden der anderen Anbieter in der Regel trotzdem im Funkloch. Erschwerend kommt hinzu, dass das Breitbandzentrum Daten verwendet, die von den Anbietern selbst kommen, nicht von Nutzern oder Kommunen. Die Angaben sind also womöglich geschönt.

Eben das soll nun durch eine eigene Abdeckungskarte des Landkreises geändert werden. Eine solche Karte werde „als Basis für eine bedarfsgerechte und wirtschaftlich vertretbare Anpassung der Mobilinfrastruktur“ benötigt, schreibt die Kreisverwaltung. Sie diene als „zentrale Argumentationsgrundlage gegenüber Netzbetreibern, Fördermittelgebern und Bürgern“. Behauptungen von Netzbetreibern, ihr Netz habe keine Löcher, können somit mühelos widerlegt werden.

Das Netz soll ausgebaut werden

Die erfassten Daten werden mithilfe eines Geoinformationssystems verarbeitet. Auf die Ergebnisse könnten Mobilfunkanbieter auf der Suche nach geeigneten Standorten für Funkmasten zugreifen, heißt es. Der Landkreis rechnet mit Gesamtkosten von 15.000 bis 20.000 Euro.

Ziel des Ganzen ist eine bessere Mobilfunkversorgung auch in dünn besiedelten Gebieten wie Ostfriesland. Wo sich der Ausbau für die Netzbetreiber wirtschaftlich nicht lohnt, soll mit staatlichen Fördermitteln nachgeholfen werden – wie beim Breitbandausbau.

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