Erneuerbare Energie

Diskussion um Ausbau von Photovoltaik nimmt Fahrt auf

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 16.03.2022 17:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Um unabhängig von fossilen Brennstoffen zu werden, müssen erneuerbare Energien ausgebaut werden. In Emden überlegt man nun, wo Photovoltaik-Anlagen gebaut werden könnten. Foto: Philipp Schulze/dpa
Um unabhängig von fossilen Brennstoffen zu werden, müssen erneuerbare Energien ausgebaut werden. In Emden überlegt man nun, wo Photovoltaik-Anlagen gebaut werden könnten. Foto: Philipp Schulze/dpa
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In Emden wird über verschiedene Möglichkeiten diskutiert, Photovoltaik in der Stadt auszubauen. Ein Start-up in der Stadt denkt dabei schon in anderen Dimensionen.

Emden - Der Plan der Stadtwerke Emden, auf landwirtschaftlichen Flächen beiderseits der Autobahn 31 im Osten der Stadt einen großen Photovoltaik-Park zu installieren, hat eine Diskussion über den Ausbau der Solarenergie in Emden ausgelöst. Die Fraktionen von CDU und FDP haben alternative Vorschläge gemacht. Demnach soll die Stadt prüfen, ob beispielsweise auch auf größeren Parkplätzen Photovoltaik-Anlagen quasi als Überdachung installiert werden können. Fachleute sprechen von Solar-Carports, für die es bereits Beispiele gibt.

Was und warum

Darum geht es: den Ausbau von Photovoltaik in Emden

Vor allem interessant für: diejenigen, die sich für die Herausforderungen der Energiewende interessieren

Deshalb berichten wir: In Emden wird gegenwärtig viel über den Ausbau von Photovoltaik gesprochen. Unsere Redaktion fasst den Stand der Diskussion zusammen.

Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de

Die Stadtwerke wollen im Bereich entlang der A 31 in dem Gebiet zwischen dem Bansmeer und der Anschlussstelle Emden-Ost einen Solarpark errichten, der bis zu 55 Hektar groß werden könnte. Das würde der Fläche von etwa 77 Fußballfeldern entsprechen. Der Standort wurde im Zuge einer Potenzialstudie ermittelt. Auf Widerstand stößt das Projekt in der Landwirtschaft. Sie befürchtet, dass ihnen hochwertige Flächen verloren gehen, die in Emden ohnehin knapp geworden seien.

Bauchschmerzen wegen des Flächenverlusts

Der Ausschuss des Emder Rates für Stadtentwicklung und Umwelt hatte in der vergangenen Woche zwar grünes Licht dafür gegeben, die Planung des Projekts der Stadtwerke im Stadtosten fortzuführen. Das Gremium wollte damit auch ein politisches Signal für den Ausbau von erneuerbaren Energien in Emden geben, will aber eine endgültige Entscheidung vom weiteren Verlauf des Verfahrens abhängig machen.

Bauchschmerzen bereitet das Projekt offenbar vor allem den Christdemokraten. Deren Ratsfraktion bekennt sich nach Angaben ihres Vorsitzenden Gerold Verlee zwar „grundsätzlich“ zum Ausbau der Photovoltaik (PV) und sieht - wie alle anderen Parteien auch - die Notwendigkeit, bei der Energieversorgung unabhängiger zu werden. Zugleich setzt sie aber auch auf eine stärkere regionale Produktion von Nahrungsmitteln. „Dafür gibt es zahlreiche Gründe, die allen bekannt sind“, so Verlee.

Neuer Vorstoß der CDU-Fraktion

Vor diesem Hintergrund hat die CDU wenige Tage nach der Entscheidung des Stadtentwicklungsausschusses einen neuen Vorstoß unternommen. Demnach soll die Stadt prüfen, inwieweit mittel- oder großflächige PV-Anlagen auf versiegelten Flächen möglich sind.

In einem Schreiben an die Chefetage der Stadtverwaltung verweist der Fraktionschef auf ein Beispiel aus Schweinfurt. Dort hat die ZF Friedrichshafen AG, ein großer Zulieferer der Automobilindustrie, vor zwei Jahren auf dem Werksgelände in Schweinfurt einen Solar-Carport errichtet - aus 8000 Solarmodule mit einer Gesamtspitzenleistung von 2,5 Megawatt auf eine 14.000 Quadratmeter großen Flächen.

PV auf öffentlichen Parkplätzen?

In die gleiche Richtung stößt die FDP-Fraktion. Sie hatte sich schon im Februar mit dem Vorschlag an die Verwaltungsspitze der Stadt gewandt, sogenannte PV-Carports auf großen öffentlichen Parkplätzen zu errichten. „Die Parkplätze der BBS I und der Friesentherme eignen sich unseres Erachten ganz besonders dafür“, schreibt FDP-Fraktionsvorsitzender Erich Bolinius.

Zugleich haben die Liberalen die Stadt um Auskunft darüber gebeten, ob es für die nächsten Jahre weitere Pläne zur Installation von PV-Anlagen auf städtischen Gebäuden gibt. Das Pilotprojekt auf dem Dach des Max-Windmüller-Gymnasiums und der BBS I, das das Gebäudemanagement und die Stadtwerke jüngst umgesetzt haben, könne dafür „nur ein Anfang“ sein, meint Bolinius.

Junges Unternehmen forscht an Projekten

In ganz anderen Dimensionen denken bereits die Verantwortlichen des erst vor etwa einem halben Jahr gegründeten Emder Unternehmens Noonis GmbH, an der auch die Emder Weets-Gruppe beteiligt ist. Dieses Start-up forscht nach Angaben von Mitinhaber Andrea Aikens an mehreren Projekten für den Ausbau von PV in der Region. Die Experten kombinieren dabei E-Mobilität und PV. Das heißt: Sie arbeiten bereits einem Parkhaus-Prototypen, bei dem die Batterien von E-Fahrzeugen als eine Art Pufferspeicher für den über PV erzeugten Strom dienen.

Noonis projektiert auch neuartigen sogenannte Agri-PV-Anlagen, die sowohl eine landwirtschaftliche als auch eine energetische Nutzung derselben Flächen ermöglichen. Kostengünstiger sind nach Angaben von Aikens sogenannte Floating-PV-Anlagen, die auf Binnengewässern installiert werden. Bei diesem Projekt ist Noonis schon in konkreten Verhandlungen mit einem Autozulieferer in Ostfriesland, der statt Tanks für Verbrenner-Autos in Zukunft Schwimmkörper für PV-Anlagen auf dem Wasser bauen könnte.

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