Osnabrück

Teures Benzin: So viel Geld ließe sich durch ein Tempolimit sparen

Uwe Westdörp
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Von Uwe Westdörp
| 15.03.2022 16:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Autofahren ist im Moment extrem teuer. Um Benzin und Geld zu sparen, empfiehlt das Umweltbundesamt: Runter vom Gas! Auch Tempolimits sind wieder im Gespräch.

Bei Spritpreisen von mehr als zwei Euro pro Liter bereitet die Bundesregierung Entlastungen für Autofahrer vor. Naheliegend ist es aber natürlich auch, langsamer zu fahren und so Geld und Energie zu sparen – auch um die Abhängigkeit von Russland zu verringern. Was brächte da ein Tempolimit?

„Die beste Energie ist die, die gar nicht verbraucht wird. Das war schon immer richtig – und ist in der aktuellen Energiekrise noch wichtiger geworden“, mahnt Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamtes (UBA). Sein Ratschlag an die Verbraucher: „Die Heizung etwas runter drehen, einen wassersparenden Duschkopf einbauen und weniger und vor allem langsamer mit dem Auto fahren.“

Was brächte ein Tempolimit beim Verbrauch? Reduzierten die Autofahrer die Geschwindigkeit auf Autobahnen auf maximal 100 km/h und außerhalb von Ortschaften ansonsten auf 80 km/h, würden rund 2,1 Milliarden Liter fossiler Kraftstoff weniger verbraucht, so das UBA. „Das spart immerhin sofort rund 3,8 Prozent des im Verkehrssektor verbrauchten Kraftstoffs.“ Die Experten berücksichtigen dabei, dass sich „wie auch heute“ nicht alle an das Tempolimit halten und einzelne schneller unterwegs sind.

Würde man es schaffen, dass sich alle an die Tempolimits halten, würde die Einsparung dem Umweltbundesamt zufolge noch einmal rund 20 Prozent höher ausfallen. Die Kosteneinsparung läge laut Messner zwischen 3,5 Milliarden und 4,2 Milliarden Euro.

Was spart der einzelne Autofahrer? Das UBA hat bei seinen Berechnungen die Jahresgesamtfahrleistung zugrunde gelegt und teilt auf Anfrage mit: „Wenn man das auf den Fahrzeugbestand umlegt, kommen pro Jahr und Auto ca. 43 Liter Einsparung raus, beim heutigen Dieselpreis knapp 100 Euro.“

Bisher drosseln die Autofahrer in Deutschland trotz des Preissprungs bei den Spritkosten nicht das Tempo. Auf Autobahnen ist bisher kein Rückgang der Geschwindigkeiten festzustellen, wie Auswertungen der Verkehrsdatenanbieter Inrix und TomTom für die Deutsche Presse-Agentur ergaben.

Was bringt es, die Raumtemperatur zu senken? Laut ⁠UBA⁠ würden rund 10 Terawattstunden (TWh) Gas weniger benötigt, wenn alle Haushalte in Deutschland die Temperatur in den Wohnungen um ein Grad reduzierten. Bei einer Absenkung um zwei Grad wären es demnach sogar rund 21 TWh. „Das sind etwa fünf Prozent des derzeit aus Russland importierten Erdgases“, rechnen die Experten vor.

Würden auch Hotels, Gaststätten und andere Gewerbebetriebe die Raumtemperatur um zwei Grad senken, ließen sich weitere 10 TWh Gas sparen, so das UBA. „In allen Wohn- und Nichtwohngebäuden zusammen könnten so über 7 Prozent der Erdgasimporte vermieden werden.“ Das entspreche bei 10 Cent pro Kilowattstunde drei Milliarden Euro Energiekosten.

Wieviel Heizkosten kann der einzelne Haushalt sparen? Das UBA geht von sechs Prozent Einsparung pro Grad Raumtemperaturabsenkung aus. Für eine  70 Quadratmeter große Wohnung mit im Mittel 128 kWh/m² Heizenergieverbrauch ließen sich demnach pro Jahr 540 kWh einsparen. Bei einem Preis von 10 ct/kWh wären das 54 Euro. Bei einem 125 Quadratmeter großen Haus mit einem Verbrauch von durchschnittlich 148 kWh/m² wären laut Umweltbundesamt 110 Euro Ersparnis möglich.

Wo kann man im Haushalt außerdem sparen? Antwort des UBA: beim Baden und Duschen. „Ein Spar-Duschkopf senkt den Energieverbrauch fürs Duschen um rund 30 Prozent. Wenn das alle Menschen in Deutschland nutzen, spart das rund 11,3 TWh Erdgas.“ Das entspreche 2,6 Prozent der Erdgasimporte aus Russland und  bedeute 1,1 Milliarden Euro Energiekosten weniger.

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