Busfahren
Azubi-Ticket nicht so einfach zu kriegen wie erhofft
Es gibt nicht so viel Geld vom Land Niedersachsen wie angenommen, das Ticket lässt ohnehin schon eine Weile auf sich warten. Aber es gibt Neuigkeiten, was das sogenannte Azubi-Ticket angeht.
Landkreis Leer - Für Studierende in Niedersachsen gibt es das schon länger: Mit ihrem Semesterticket können sie vergünstigt Bus und Bahn benutzen. Auszubildende, Schüler und Schülerinnen und Freiwilligendienstleistende haben nicht unbedingt mehr Geld. Auch sie sollen bald in den Genuss kommen, die öffentlichen Verkehrsmittel günstiger zu nutzen. Die Ankündigung Anfang 2020 hörte sich optimistisch und konkret an: Bis Mai wolle die Landesregierung ein Konzept für ein Bus- und Bahnticket für Schüler und Auszubildende vorlegen, kündigte Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) an. Einen Euro pro Tag solle es kosten und aufgrund der komplexen Tarifstruktur in Niedersachsen nur in der Region gelten.
Was und warum
Darum geht es: Studierende fahren in Niedersachsen schon lange vergünstigt mit ihrem Semesterticket. Azubis und Schülerinnen und Schüler haben in vielen Fällen nicht viel mehr Geld zur Verfügung und sollen auch in den Genuss kommen. Es geht voran, es ist aber komplizierter als erhofft.
Vor allem interessant für: Familien mit Kindern
Deshalb berichten wir: Es gibt Neuigkeiten, was das sogenannte Azubi-Ticket betrifft. Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de
Es dauerte. „Ab dem 1. Januar 2022 können die kommunalen Träger des öffentlichen Personennahverkehrs Schülerinnen und Schülern sowie Auszubildenden und Freiwilligendienstleistenden, unabhängig von ihrem Alter, ein regionales Ticket für monatlich 30 Euro im Jahresabonnement anbieten“, teilte das Niedersächsische Wirtschaftsministerium dann mit. Nun rechnet man allerdings mit August.
Wie viel kostet das den Anbieter?
Im Kreis Leer hatte die CDU einen Antrag gestellt, für die Einführung des Tickets, die Osterferien ins Auge zu fassen. Dieser Plan wurde verworfen. „Die CDU-Fraktion hat im Kreistag ihren Antrag zu einer früheren Einführung eines Schüler- und Azubi-Tickets zurückgezogen“, teilt Kreissprecher Philipp Koenen mit. Es wurde vereinbart, im Haushalt 2022 dafür eine Haushaltsstelle einzurichten und zunächst 50.000 Euro einzuplanen – die tatsächlichen Kosten sind noch nicht genau absehbar. Vorgesehen sei weiterhin, das Ticket zum Beginn des neuen Schuljahres einzuführen. Zunächst geht es allerdings nur um Busfahrten, nicht um Bahnfahrten, die zum Beispiel beim Semesterticket für Studierende mit dabei sind.
Nicht nur der Zeitpunkt auch die Kosten erhitzten die Gemüter. Das Land Niedersachsen unterstütze die Landkreise, kreisfreien Städte und Verkehrsverbunde mit insgesamt 25 Millionen Euro im Jahr 2022 und 30 Millionen Euro ab 2023, heißt es in einer Mitteilung des Wirtschaftsministeriums im Januar. Die Entrüstung im Ausschuss für allgemein- und berufsbildende Schulen und ÖPNV rund zwei Monate später war groß. Es wurde deutlich, dass nur 290.000 Euro Landes-Gelder im Kreis Leer ankommen. Je nach dem, wer das Ticket nutzen können wird, könnten weitere Hundertausende oder Millionen-Kosten auf den Kreis zukommen.
Wie geht es weiter?
Außerdem ist es so, sagt Koenen, dass eine Landes-Förderung für den Landkreis Leer daran gebunden ist, dass dieses Ticket nicht nur beschränkt aufs Kreisgebiet eingeführt wird, „sondern im gesamten Tarifgebiet.“ Also im Gebiet des Verbundes der Verkehrsregion Ems-Jade (VEJ). Sprich: In den Landkreisen Aurich, Friesland, Leer und Wittmund sowie die Städte Emden, Leer und Wilhelmshaven. Und es muss zunächst auch von den beteiligten Verkehrsunternehmen beantragt werden, da sie im VEJ-Gebiet hauptsächlich eigenwirtschaftlich tätig sind. „Wir sind derzeit mit unseren Verkehrsunternehmen im Gespräch, die durch die Einführung des Tickets hohe Einnahmeverluste hätten“, so Koenen. Diese Verluste würde der Kreis ausgleichen.
Sollen alle Schülerinnen und Schüler, also aus der Sekundarstufe eins und zwei, Anrecht auf das Ticket haben? Sollen alle Auszubildenden damit fahren können – oder alle jungen Menschen? Und was kostet das am Ende die Verkehrsunternehmen? „Es gibt noch keine Festlegung auf ein bestimmtes Szenario, genauere Ergebnisse könnten im Mai vorliegen“, sagt Koenen. Dann wolle man entscheiden, wer das Ticket nutzen darf. Davon hängt ab, wie viele Einnahmen den Busunternehmen fehlen. Diese müssen erstattet werden. Insgesamt müssen die Interessen von 15 Busunternehmen unter einen Hut bekommen werden. „Damit sind alle Unternehmen gemeint, die Linienkonzessionen innerhalb des VEJ-Gebietes besitzen“, so Koenen.
Anmerkung der Redaktion: In der ersten Version war die Rede von Entrüstung in einer Kreissausschusssitzung. Das war eine Verkürzung, die falsche Assoziationen mit der nicht-öffentlich tagenden Kreisausschuss wecken könnte. Gemeint war eine öffentliche Fachausschusssitzung des Landkreises Leer – genauer gesagt des Ausschusses für allgemein- und berufsbildende Schulen und ÖPNV.