Serie: Blick ins alte Emden

Parken war und ist in Emden ein leidiges Thema

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 14.03.2022 17:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Bevor das Parkhaus am Wasserturm gebaut wurde, konnten Autos auf einer Freifläche auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofs parken. Fotos: Archiv
Bevor das Parkhaus am Wasserturm gebaut wurde, konnten Autos auf einer Freifläche auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofs parken. Fotos: Archiv
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In Emden ist das Innenstadt-Parken immer wieder ein leidiges Thema. Vor 20 Jahren wollte man eine große Lösung mit einem ersten Parkhaus. So richtig gegriffen hat das nie. Es sollen mehr folgen.

Emden - Wenig wird in Emden so emotional diskutiert wie das Parken und entsprechend Autofahren in der Innenstadt. Das ist nicht nur heute so, sondern war es vermutlich seit es Autos in der Seehafenstadt gibt. Zehn Jahre lang wurde darüber debattiert und diskutiert, bis im Mai 2002 - also vor knapp 20 Jahren - schließlich das erste Parkhaus der Stadt am Wasserturm eröffnete, das von den Stadtwerken bewirtschaftet wird. Man wollte weg von den überall im Zentrum verstreuten Parkmöglichkeiten und hin zu einer zentralen Anfahrtstelle mit 460 Parkbuchten.

Etwas düster wirkt es: das Emder Parkhaus am Wasserturm. Seit Eröffnung im Mai 2002 waren die Auslastungszahlen nie wirklich überragend.
Etwas düster wirkt es: das Emder Parkhaus am Wasserturm. Seit Eröffnung im Mai 2002 waren die Auslastungszahlen nie wirklich überragend.

Hatte man zu Beginn noch darüber nachgedacht, auf dem Gelände, wo heute Parkhaus und Kino sind und wo sich früher ein Schlachthof befunden hatte, auch ein Einkaufszentrum mit Bummelmeile einzurichten, zerschlugen sich diese Pläne schnell. Für das „Wasserturm-Center“ fehlte schlicht das zielführende Konzept. Auf das Parkhaus aber setzte man große Hoffnungen. Bei der feierlichen Eröffnung waren Redner sich sicher, dass das Gebäude mit den drei Parkdecks schnell von Touristen und Einheimischen genutzt werden würde.

Ostfriese fährt nicht ins Parkhaus

Doch der Ostfriese fährt nur ungern ins Parkhaus, wie diese Zeitung ein paar Monate nach Inbetriebnahme titelte. Nur wenige Autofahrer wurden dabei beobachtet, wie sie sich in das Gebäude „trauten“. Das Phänomen ist auch bei anderen Parkhäusern in Ostfriesland seit jeher bekannt, hieß es damals. Am Wochenende war und ist das Parken auf den öffentlichen „normalen“ Parkbuchten in der Innenstadt kostenlos, eine Fahrt ins kostenpflichtige Parkhaus unattraktiv, war eine Erklärung.

Nach den Anlaufschwierigkeiten besserte sich die Lage aber für das Parkhaus. 2004 wurden bereits insgesamt 110 860 Einfahrten in das Parkhaus registriert. Das waren 29 207 mehr als im Vorjahr. Der Anstieg entspricht knapp 36 Prozent. Die ursprüngliche angepeilte Auslastung mit rund 1000 Autos pro Tag war damit aber noch lange nicht erreicht. 2007 waren es durchschnittlich immerhin schon knapp 500 Einfahrten ins Parkhaus pro Tag. Als ein Jahr später schließlich das Parkleitsystem in der Stadt installiert wurde und auf elektronischen Schildern bei den Innenstadtzufahrten auf den Parkring und die Auslastung hingewiesen wurde, war die Freude groß. Doch allzu große Auswirkungen auf das Parken am Wasserturm hatte das schließlich nicht. Als eine wirkliche Alternative zum Parken in der Innenstadt wurde es insbesondere von den Emderinnen und Emdern nicht gesehen - auch nicht als die Parkplätze auf dem Neuen Markt im Zuge dessen Sanierung wichen. Die aktuellen Zahlen müssen aber mit Vorsicht genossen werden, da die Pandemie ab 2020 die Verkehrsströme verändert hat. Gab es 2019 noch rund 152.000 Parkvorgänge, waren es im ersten Corona-Jahr nur noch 110.000.

Weitere Parkhäuser sollen kommen

Auf dem Weg zu einer autofreieren Innenstadt plant die Verwaltung indes den Bau von vier weiteren Parkhäusern im engeren Randgebiet des Zentrums. Allerdings: Auf einer Fläche neben den Neutor-Arkaden, auf der ein Parkhaus entstehen sollte, werden jetzt im Frühjahr zunächst die ebenerdigen 66 Buchten wieder für PKW hergerichtet. Die Parkhaus-Pläne liegen wegen fehlender Investorenbegeisterung und damit mangelnder Finanzierung auf Eis. Aber: Langfristig hält man an dem Projekt fest.

In der Ringstraße im Behördenviertel, an der Lookvenne (bei Aldi) und in der Osterstraße sind die anderen Projekte angedacht. Als erstes soll ein Parkhaus in der Ringstraße entstehen. Die Planungen dafür laufen bereits. Der Neubau an der Kreuzung zur Medmannstraße ist in erster Linie für Mitarbeiter in den umliegenden Behörden und Verwaltungen gedacht. Aus Mangel an nahegelegenen Alternativen parken viele derzeit mehr oder weniger wild auf einem Mittelstreifen der Ringstraße.

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