Ukrainekrise

Spritpreise: Greetsieler Fischer bleiben zu Hause

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 13.03.2022 15:39 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Am Sonnabend lagen laut Gerold Conradi 21 Kutter im Greetsieler Hafen. Das Foto entstand am Sonntag. Fotos: Wagenaar
Am Sonnabend lagen laut Gerold Conradi 21 Kutter im Greetsieler Hafen. Das Foto entstand am Sonntag. Fotos: Wagenaar
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Wegen der hohen Spritpreise haben die Greetsieler Fischer den Betrieb eingestellt. Sie befürchten die ersten Insolvenzen, da schon die Vorjahre hart waren. Gibt es bald keine Krabbenbrötchen mehr?

Greetsiel - Als Folge des Ukraine-Konflikts mit Russland ist der Treibstoff gerade besonders teuer und verschiedene Berufsbranchen klagen über die Mehrbelastung. Dazu zählen auch die Greetsieler Fischer, die jetzt im Hafen bleiben werden. Einen entsprechenden Bericht der NDR-Fernsehsendung „Hallo Niedersachsen“ bestätigen jetzt auf Nachfrage Fischer Jann-Tjado Gosselaar und Gerold Conradi, der der stellvertretende Vorsitzende des Landesfischereiverbands Weser-Ems ist. Laut diesem lagen am Sonnabend 21 der 27 Greetsieler Kutter im Hafen, die anderen befinden sich gerade beispielsweise in Norddeich oder Cuxhaven.

Was und warum

Darum geht es: Die Krabbenfischer und ihre historischen Kutter sind ein Aushängeschild Ostfrieslands. Nun ist unklar, wie es mit ihnen weitergeht.

Vor allem interessant für: Menschen, die sich selbst über die Spritpreise ärgern; Freunde von Meeresfrüchten

Deshalb berichten wir: Wir sind auf einen NDR-Bericht aufmerksam geworden, in dem es um die Lage der Greetsieler Fischer ging.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Gosselaar zufolge kostete die Fischer der Diesel vor einem Jahr noch 50 Cent pro Liter, da sie ihn steuer- und zollfrei bekommen. Das entspreche 20 bis 30 Prozent aller seiner Ausgaben. Zuletzt habe er nun für 1,35 Euro nachgetankt und damit lohne sich das Geschäft gar nicht mehr. Zwar seien die Verkaufspreise derzeit relativ gut, aber man könne nicht genug fangen, um die Mehrausgaben für den Treibstoff auszugleichen. Gerade die jungen Kollegen bringe das in Bedrängnis, weiß der Greetsieler, der normalerweise mit dem Kutter Gre 19 (Beiname „Flamingo“) rausfährt und schon seit dem Jahr 1987 als Fischer arbeitet.

Probleme mit dem Arbeitslosengeld

Seiner Einschätzung nach müssen die ersten seiner Kollegen spätestens Ende nächsten Monats Insolvenz anmelden, wenn es so weitergeht wie jetzt. Daran ändere auch die Tatsache nichts, dass die Sozialversicherungen nun die Beiträge stunden wollen. Das sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein, zumal die Fischer das Geld zu einem späteren Zeitpunkt zurückzahlen müssten.

Jann-Tjado Gosselaar und seine Kollegen schlagen Alarm.
Jann-Tjado Gosselaar und seine Kollegen schlagen Alarm.

In der Branche sei es üblich, dass es keine festen Stundenlöhne gebe, sondern dass man am Gewinn der Fänge beteiligt werde. Das sei auch schon während der Corona-Shutdowns zum Problem geworden, als es um die Auszahlung des Kurzarbeitergelds ging. Dazu komme noch, dass das Personal zum Ende der Fangsaison entlassen werde und die Mitarbeiter in der dann folgenden Saison erst einmal wieder einen Puffer aufbauen müssen, bevor sie erneut Anspruch auf Arbeitslosengeld haben. „Da fällt man schnell auf Hartz IV runter.“ Umso mehr hoffe man daher nun darauf, dass den Fischern zusätzliche Tage eingeräumt werden, an denen sie Anspruch auf Arbeitslosengeld haben.

„Preise können nicht immer weiter steigen“

Conradi vom Landesfischereiverband sagt unterdessen, dass sein Verband sowie die Erzeugergemeinschaft der deutschen Krabbenfischer an einer Lösung arbeiten würden, damit die Greetsieler ihr Personal bezahlen und ihre Kutter betreiben und in Schuss halten können. Es sei allerdings nicht damit getan, dass die Supermärkte den Fischern einen höheren Preis zahlen. Irgendwann wären Conradis Meinung nach die Kunden nämlich nicht mehr bereit, die Mehrkosten zu tragen, die durch den Zwischenhandel auch an anderen Stellen nochmals steigen würden. Der Grund: Egal wie beliebt das Krabbenbrötchen ist, es sei nichts, was die Bevölkerung zum Überleben brauche.

Wann und ob damit zu rechnen ist, dass es keinen Granat mehr zu kaufen gibt, konnte Conradi zwar nicht sagen. Er bestätigt aber, dass alle Fischer von den derzeitigen Problemen betroffen sind und es „sehr schlecht“ um ihre Zukunft aussehe. Immerhin steckten ihnen auch noch die vergangenen drei Jahre in den Knochen. 2018 waren die Fangmengen so groß, dass es im Folgejahr einen Preisverfall gab. In den Pandemiejahren 2020 und 2021 brachen dann in Marokko die Schälkapazitäten weg, weil die dortigen Angestellten Gefahr liefen, sich in den Fabriken mit dem Virus anzustecken. Nun gebe es die hohen Dieselpreise und man leide zudem noch unter den Folgen der jüngsten Stürme. Diese hätten die Nordsee durchgewirbelt, wodurch jetzt die Fänge kleiner ausfallen, erklärt er.

Weitere Supermarktregale könnten leer bleiben

Wie eingangs erwähnt, ist die Fischereibranche nur eine von vielen, deren Geschäft durch die Spritpreise stark beeinträchtigt wird. So warnte zuletzt unter anderem auch der Logistikverband BGL davor, dass demnächst ohne Unterstützung der Politik die Regale in den Supermärkten leer bleiben könnten. Taxibetriebe haben zudem eine Tariferhöhung für ganz Ostfriesland beantragt und auch das Verhalten der Privatkunden an den Zapfsäulen ändert sich: Sie tankten zuletzt ihre Autos häufiger voll, aus Angst, dass die Treibstoffpreise noch weiter steigen könnten. Gleichzeitig wurde immer häufiger Sprit gestohlen.

In den Niederlanden hat man nun auf die aktuellen Entwicklungen reagiert. Zum Wochenende hieß es von dort, dass die Regierung die Abgaben auf Benzin und Diesel um 21 Prozent senken wird. Außerdem bekommen Menschen mit geringem Einkommen Beihilfen, weil auch die Strom- und Gaspreise kriegsbedingt angestiegen sind.

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