Osnabrück

Karin Schmidt-Friderichs: Kein Stand Russlands auf der Frankfurter Buchmesse

Stefan Lüddemann
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Von Stefan Lüddemann
| 11.03.2022 13:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Karin Schmidt-Friderichs Foto: dpa
Karin Schmidt-Friderichs Foto: dpa
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Boykott Russlands, aber nicht der russischen Autoren: Karin Schmidt-Friderichs vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels gibt für die Frankfurter Buchmesse ein klares Signal. Das Gespräch will sie aber offen halten.

Auf der Frankfurter Buchmesse 2022 wird es keinen offiziellen Stand Russlands geben. Damit reagiere die Buchmesse auf den Überfall Russlands auf die Ukraine, sagte Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. „Die Autorinnen und Autoren Russlands meinen wir damit nicht“, stellte Schmidt-Friderichs im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung klar und ergänzte, dass „unabhängige russische Verlage“ auf der Buchmesse willkommen seien. „Die sollen ihre Botschaft in die Welt tragen dürfen“, sagte die Vorsteherin des Börsenvereins. Vertreter russischer Verlage, die an der Buchmesse teilnähmen, würden allein mit ihrem Erscheinen schon viel riskieren, unterstrich Schmidt-Friderichs im Hinblick auf die jüngsten weiteren Einschränkungen der Meinungsfreiheit im Russland Wladimir Putins.

Autorinnen und Autoren aus Russland nimmt sie gleichzeitig in Schutz. „Zwei unserer Autorinnen, eine Ukrainerin und eine Russin, sind inzwischen in Berlin“, berichtete Schmidt-Friderichs, Verlegerin des Verlages Hermann Schmidt in Mainz. Es sei bedrückend, zu hören, dass die russische Autorin dort offenen Anfeindungen ausgesetzt sei. „Beide Frauen weinen, die eine wegen der Anfeindungen, die andere aus Angst um ihre Eltern, die noch in der Ukraine sind“, brachte Schmidt-Friderichs im Gespräch die bedrückende Situation der Autorinnen auf den Punkt. Zugleich wandte sie sich gegen den Boykottaufruf ukrainischer Buchverbände gegen russische Autoren. Schmidt-Friderichs: „Aus der Sicht der Ukrainer mag das verständlich sein, aus der einer übergeordneten Sicht ist das aber komplett falsch“, sprach sich die Vorsteherin gegen den Boykott von Autoren und für weiteren Dialog aus.

„Das, was gerade in der Ukraine geschieht, verschlägt einem eigentlich die Sprache“, sagte Schmidt-Friderichs weiter, die im Rahmen der Verleihung des Leipziger Buchpreises zur europäischen Verständigung am 16. März 2022 in der Leipziger Nikolaikirche an österreichischen Schriftsteller Karl-Markus Gauß sprechen wird. Es sei gerade jetzt wichtig, sich für die Freiheit des Wortes einzusetzen. Schmidt-Friderichs kündigte an, die Schlussworte ihrer Rede in ukrainischer und russischer Sprache sprechen zu wollen und betonte: „Wir sind die Branche des Wortes. Worte haben immer zur Veränderung der Welt beigetragen“.

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