Bestattungen

Ein Haustierfriedhof für Friedeburg

Susanne Ullrich
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Von Susanne Ullrich
| 11.03.2022 12:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Bestattung von Haustieren ist nicht neu. Durch die veränderte Rolle des Haustieres in der heutigen Gesellschaft rückt das Thema vermehrt in den Fokus.   Symbolfoto: pixabay
Die Bestattung von Haustieren ist nicht neu. Durch die veränderte Rolle des Haustieres in der heutigen Gesellschaft rückt das Thema vermehrt in den Fokus. Symbolfoto: pixabay
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In Friedeburg will ein Unternehmen in seinem Privatforst einen Bestattungswald realisieren. Auch für Haustiere. Die Regeln dafür sind die gleichen wie bei Menschen: Ohne Urne geht es nicht.

Friedeburg - Wohin mit dem geliebten Haustier, wenn es stirbt? Diese Frage stellen sich wohl viele Halter. Wolfgang Buhr vom Planungsbüro Buhr in Leer zumindest sei es vor einiger Zeit bei einem Besuch beim Tierarzt so ergangen. Die prägende Erfahrung teilte er diese Woche mit den Mitgliedern des Friedeburger Fachausschusses für Planung und Umwelt. Der Vierbeiner wurde eingeschläfert. Was jetzt: Entsorgen oder mitnehmen? Aber was dann? Es ist ein Thema, das auch bei Waldführungen im Gedächtniswald Logabirum regelmäßig aufgeworfen wird, sagt Christoph Cordes, Assistent des Generalbevollmächtigten auf Schloss Gödens. Aus diesem Grund hat die Gräflich von Wedel`sche Verwaltung reagiert – und will im zukünftigen Friedeburger Gedächtniswald einen Bereich für Tiere schaffen. Buhr plant dieses Areal.

Was und warum

Darum geht es: In Friedeburg soll ein Tierfriedhof entstehen.

Vor allem interessant für: Haustierbesitzer und Anhänger alternativer Bestattungsformen

Deshalb berichten wir: Die Planungsphase läuft. Die Gesellschaft ist im Wandel: Der Wunsch nach letzten Ruhestätten im Wald und dem würdigen Abschied für Haustiere soll berücksichtigt werden.

Die Autorin erreichen Sie unter: s.ullrich@zgo.de

In einer ersten Planung Ende 2021 stellte sich das noch anders dar. Im Besitz der Familie von Wedel befinden sich rund 400 Hektar Mischwald in der Gemeinde Friedeburg. Seit Monaten läuft dort ein aus der Politik angestoßener Prozess, in dem ein geeigneter Standort für einen Friedhofswald gesucht wird. Das Gödenser Unternehmen hatte sich daraufhin mit dem Vorschlag gemeldet, einen nördlichen Ausläufer ihres Carl-Georgs-Forstes zu einem Gedächtniswald umzuwidmen und selbst zu betreiben. Vorbild ist der Gedächtniswald in Logabirum, den es seit Jahren erfolgreich führt.

Hund und Herrchen zusammen, aber doch getrennt

Im Gegensatz zum Vorbild in Leer soll hier aber ein Tierfriedhof mit eingebunden werden. Weil konstant Nachfragen kommen, begründet Cordes die Entscheidung auf Nachfrage. „Man merkt einfach, dass das Interesse daran groß ist.“ Die Möglichkeiten für die Bestattung von Haustieren sind in Ostfriesland noch vergleichsweise gering: Auf Norderney gibt es einen Haustierfriedhof in den Dünen. Der Kleintierfriedhof Südbrookmerland in Victorbur hält auf einer Fläche von 5000 Quadratmetern verschiedene Bestattungsmöglichkeiten vor.

Anders als bei diesen beiden Beispielen soll in Friedeburg ein Friedhofswald für Mensch und Tier entstehen. Allerdings auf separaten Flächen, unterstreicht Cordes: „Uns ist wichtig, dass es eine Trennung gibt.“ Haustierfriedhöfe sind längst keine Seltenheit mehr, sagt Elke Herrnberger vom Bundesverband Deutscher Bestatter. Das Haustier wird von vielen Deutschen heute als Familienmitglied geschätzt, das sei früher nicht ganz so gewesen: „Die Bindung ist viel enger.“ Das führt teilweise dazu, dass sich Halter ein Grab als Anlaufpunkt für die Trauer um ihren Liebling wünschen, weiß die Pressesprecherin. Oder auch eine gemeinsame Ruhestätte. „Das Grab für Mensch und Tier“ sei zunehmend ein Thema.

Haustiere bestatten

Selbst dafür gibt es bereits Lösungen: Wer das geliebte Haustier nach dem Tod bei sich haben möchte, kann es als sogenannte Grabbeigabe mit ins Grab nehmen, erklärt Herrnberger. „Das ist durchaus nicht mehr ungewöhnlich“. Versterben Hund oder Katze, wird das Tier kremiert und die Urne mit der Asche darin bis zum Tod des Halters verwahrt. In Friedeburg aber soll es einen gesonderten Haustierbereich geben, in dem nur die Tiere liegen: Im Zuge dieser Idee wurden aus zunächst angepeilten acht Hektar nördlich der Bundesstraße 436 mittlerweile 13,5 Hektar für das Projekt Gedächtniswald.

Viele Menschen sind gern im Wald und wünschen sich auch für ihre letzte Ruhestätte einen sonnigen Ort am Fuß eines Baumes. Foto: Ullrich
Viele Menschen sind gern im Wald und wünschen sich auch für ihre letzte Ruhestätte einen sonnigen Ort am Fuß eines Baumes. Foto: Ullrich

Auf der gesamten Fläche, unabhängig ob für Mensch oder Tier, sollen dort einmal die gleichen Regeln für die Bestattungen gelten. Grundlage dafür ist eine biologisch abbaubare Urne, in der der Verstorbene oder das Haustier beigesetzt werden. Einige Krematorien haben sich laut Herrnberger auf das Verbrennen von Tieren spezialisiert. Grabschmuck oder Grabsteine gibt es in einem Bestattungswald nicht, weder für Zwei- noch für Vierbeiner. Das Grab befindet sich am Fuß eines Baumes, an dem auf Wunsch eine kleine Plakette mit den Daten angebracht werden kann.

Bedenken gegen Bestattungswald

Je konkreter die Pläne in Friedeburg nun werden, desto mehr Gegenwind gibt es für den Gedächtniswald. Die geplante Anfahrt über die Heseler Straße und den Wieseder Grenzweg gefällt vor allem Anwohnern nicht. Zuvor hatte es Überlegungen gegeben, die Zufahrt über das Gewerbegebiet Rußland zu planen. Das wiederum wurde von Vielen als unpassend für Trauernde empfunden. Die jetzt gewählte Zuwegung hat aber noch eine weitere Besonderheit: Sie führt direkt am Friedhof Wiesede vorbei. Und der, so fürchten einige Ratsmitglieder vorrangig seitens der CDU, könnte ebenso wie andere kommunale und kirchliche Friedhöfe künftig unter dem Friedhofswald leiden.

Die Kirchengemeinden beispielsweise äußerten bereits Bedenken, dass es in der Gemeinde ein Überangebot an Gräbern geben wird. „Die Resonanz ist hier sehr unterschiedlich“, bringt es der Friedeburger Bürgermeister Helfried Goetz auf den Punkt. Von dem beschrittenen Weg wolle man sich nicht abbringen lassen: „Der Wunsch unserer Bürgerinnen und Bürger ist da.“ Gleiches gilt für den Tierfriedhof, meint er: „Es trifft die Emotionen der heutigen Bevölkerung.“

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