Natur

Bedrohte Tiere: Artensterben vor der Haustür

Nora Kraft
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Von Nora Kraft
| 10.03.2022 19:47 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Uferschnepfe ist in Ostfriesland vom Aussterben bedroht. Foto: Giddens/PA, Wire/DPA
Die Uferschnepfe ist in Ostfriesland vom Aussterben bedroht. Foto: Giddens/PA, Wire/DPA
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In Ostfriesland sind zahlreiche Tier- und Pflanzenarten bedroht. Ist der Lebensraum einer einzigen Art zerstört, hat das weitreichende Folgen – nicht nur für die Tiere.

Ostfriesland - Elfenbein, Kaviar, Schildpatt oder präparierte Tiere: Der Handel mit Produkten aus geschützten Tieren ist streng reglementiert bis gänzlich verboten. Anfang März machte der Tag des Artenschutzes auf das Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten aufmerksam. Auf der Roten Liste stehen auch einige Arten in Ostfriesland.

Was und warum

Darum geht es: Der Tag des Artenschutzes macht weltweit auf bedrohte Tier- und Pflanzenarten aufmerksam. Die gibt es auch in Ostfriesland.

Vor allem interessant für: alle, die gerne Zeit in der Natur verbringen und die Tier- und Pflanzenwelt in Ostfriesland erhalten möchten

Deshalb berichten wir: Sterben bestimmte Arten aus, können ganze Ökosysteme verschwinden. Das hat weitreichende Folgen für den Menschen.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.kraft@zgo.de

Am 3. März 1973 wurde das sogenannte Washingtoner Artenschutzübereinkommen unterzeichnet, das den Handel mit geschützten Tier- und Pflanzenarten einschränken will. Unter anderem stand die Zerstörung des Lebensraums bedrohter Gattungen im Vordergrund. „Grundsätzlich sind fast alle Arten bedroht, weil ihre natürlichen Lebensgrundlagen eingeschränkt oder zerstört werden“, sagt Rolf Runge, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vom Regionalverband Ostfriesland. Bestimmte Arten sollten besonders geschützt werden, weil sich ihr Aussterben direkt auf den Mensch auswirken kann. „Ökosysteme liefern den Menschen viele kostenlose ‚Dienstleistungen‘, unter anderem Nahrungsmittel, CO2-Speicherung, saubere Luft oder den Grundwasseraufbau“, sagt Jan Schürings, Leiter der Nabu-Regionalgeschäftsstelle in Ostfriesland. In Deutschland stellt das Grundwasser mit einem Anteil von rund 70 Prozent das wichtigste Reservoir für die Trinkwassergewinnung dar. Daher ist dessen Schutz besonders wichtig. „Wenn die Arten, aus denen die verschiedenen Ökosysteme bestehen, aussterben, funktionieren die natürlichen Dienstleistungen nicht mehr“, so Schürings weiter. In Ostfriesland steht es schlecht um die folgenden Tiere und Pflanzen:

Säugetiere

Um den Bestand von Rehen oder Wildschweinen müsse man sich keine Sorgen machen, sagt Runge vom BUND Ostfriesland. Um Igel hingegen schon. Das liege unter anderem an den vielen Gärten, die hauptsächlich aus Rasenflächen bestehen. Der Igel brauche einen möglichst naturbelassenen Garten, da er sich hauptsächlich von Würmern und Insekten ernähre. Runges Empfehlung: Im Garten eine „unaufgeräumte Ecke“ lassen, um den Tieren Schutz zu bieten. Eine großes Problem stellen außerdem Mähroboter dar. Sie werden nicht nur zur Lebensgefahr für die Igel, sondern zerstören auch Insekten, also deren Nahrungsgrundlage. Durch die intensive Landwirtschaft und die vielen monotonen Rasenflächen in Gärten gebe es zu wenige Insekten.

Vögel

Aber nicht nur Igel, sondern auch Vögel sind auf Insekten als Nahrung und Futter für ihren Nachwuchs angewiesen. „Die Zahl der Singvögel ist dramatisch zurückgegangen“, sagt Runge vom BUND. Die Uferschnepfe, ein Wiesenvogel, wird auf der deutschen Roten Liste als „vom Aussterben bedroht“ gelistet. „Die Bestände sind in den letzten Jahren stark eingebrochen“, sagt Jan Schürings. Der „Charaktervogel Ostfrieslands“ brauche weite und feuchte Grünländer, wie sie es früher häufig in der Region gegeben habe, erklärt Schürings vom Nabu Ostfriesland.

Die Uferschnepfe ist ein vom Aussterben bedrohter Wiesenvogel. Foto: Arbeitskreis Feuchtwiesenschutz Westniedersachsen/DPA
Die Uferschnepfe ist ein vom Aussterben bedrohter Wiesenvogel. Foto: Arbeitskreis Feuchtwiesenschutz Westniedersachsen/DPA

Zudem profitiere die Art von einer extensiven Landwirtschaft, also von einer Landwirtschaft mit geringem Eingriff in die Natur. Für den kontinuierlichen Rückgang der Vogelart sind laut Schürings unter anderem eine intensivere Landwirtschaft, eine stärkere Entwässerung und der Rückgang der Weidehaltung verantwortlich. Durch den Kauf von biologischer Weidemilch und der Entfernung von Gehölz in Wiesenvogelgebieten könne man die Art schützen, so Schürings.

Amphibien

„Durch den Klimawandel erleben wir derzeit viele trockene Sommer“, sagt Rolf Runge. Von der zunehmenden Trockenheit seien insbesondere Amphibien betroffen. Sie benötigten Gewässer für die Fortpflanzung, indem sie dort ihre Eier ablegen. Aber nicht nur das heißere Klima trocknet die Gewässer aus. „Viele Wasserstellen wurden im Laufe trocken gelegt, weil sie in der Landschaft störten“, erklärt Runge.

Insekten und Pflanzen

Nicht nur verschiedene Tierarten sind voneinander abhängig. Drohen bestimmte Pflanzen auszusterben, hat das beispielsweise schwerwiegende Folgen für manche Insekten. Normalerweise leben Libellen räuberisch, das heißt, sie fressen Insekten. Damit sind sie in der Regel nicht an bestimmte Pflanzenarten gebunden wie zum Beispiel Schmetterlinge. Eine Ausnahme macht jedoch eine besondere Libellenart. „Die grüne Mosaikjungfer lebt nur in stehenden Gewässern mit einem großen Anteil an Krebsscheren, einer Wasserpflanze“, sagt Rolf Runge. Allerdings ist die Wasserpflanze gefährdet und das bunte Insekt stehe daher auf der Roten Liste als „vom Aussterben bedroht“, sagt Jan Schürings vom Nabu Ostfriesland. Die Weibchen legten ihre Eier fast ausschließlich auf den Blättern der Wasserpflanze ab. In Ostfriesland kommt die Krebsschere in Gräben und Wieken vor. „Sie ist unter anderem gefährdet durch die Reinigung von Gräben und durch manche Angler, die die Pflanzen illegal entfernen“, sagt Schürings.

Um den Sonnentau, eine Moorpflanze, steht es noch schlechter als um die Krebsschere.

Der Sonnentau braucht feuchte und sonnige Gebiete. Brandstädter/dpa
Der Sonnentau braucht feuchte und sonnige Gebiete. Brandstädter/dpa

„Die fleischfressende Pflanze wächst in Mooren und Heiden, an sonnigen und feuchten Standorten“, erklärt Schürings. Unter anderem sei die Art mit der Trockenlegung der Moore selten geworden. Um gegen die Zerstörung der Moore anzugehen, solle man beispielsweise nur torffreie Gartenerde verwenden.

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