Verkehr

„Radfahrer können nicht mal aufs Klo gehen“

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 09.03.2022 16:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Zwei Radfahrer auf dem Georgswall: In Aurich wird am 15. Mai der 1. Ostfriesische Fahrradtag ausgerichtet. Foto: Archiv/Ortgies
Zwei Radfahrer auf dem Georgswall: In Aurich wird am 15. Mai der 1. Ostfriesische Fahrradtag ausgerichtet. Foto: Archiv/Ortgies
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In Ostfriesland liegt einiges im Argen, wenn es um das Thema Radverkehr geht. Das findet der Verein „Ostfriesland fährt Rad“. Es gebe zwar tolle Routen, aber unterwegs nicht mal ein Klo. Nun plant der Verein ein Event in Aurich.

Aurich - 2,22 Euro für einen Liter Sprit: Solche Zahlen treiben manchen Pendler vielleicht doch noch vom Auto aufs Fahrrad. Das Thema Radfahren gewinnt an Bedeutung. Antje Gronewold aus Holtrop hat im vergangenen Jahr mit Fahrradaktivisten aus Aurich und Umgebung den Verein „Ostfriesland fährt Rad“ gegründet. Und sie spart nicht mit Kritik. Für Sonntag, 15. Mai, plant der Verein den 1. Ostfriesischen Fahrradtag mit rund 30 Ausstellern auf dem Auricher Marktplatz. Schirmherr und Talkgast ist der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies (SPD).

Antje Gronewold aus Holtrop ist Vorsitzende des Vereins „Ostfriesland fährt Rad“. Foto: Luppen
Antje Gronewold aus Holtrop ist Vorsitzende des Vereins „Ostfriesland fährt Rad“. Foto: Luppen

„Wir hatten das Gefühl, wir müssen für Ostfriesland noch mal die Kräfte bündeln“, sagt Gronewold, „mit dem ostfriesischen Blick auf das Ganze.“ Der Verein beklagt zum Beispiel den über weite Strecken schlechten Zustand des Ostfriesland-Wanderwegs, „der doch ein Aushängeschild für Ostfriesland sein könnte“, so Gronewold. Der knapp 100 Kilometer lange Wanderweg, der über eine ehemalige Kleinbahn-Trasse verläuft, führt von Rhauderfehn über Aurich nach Bensersiel. Mit einem Film auf seiner Homepage dokumentiert der Verein den holprigen Zustand. Doch wegen eines Flickenteppichs an Zuständigkeiten müsse man „ein ganz dickes Brett bohren“, sagt Gronewold.

„Wir dürfen nicht lockerlassen“

Nach Ansicht der Vereins-Vorsitzenden fehlt im ostfriesischen Binnenland die touristische Infrastruktur für Fahrradfahrer. „Sie kriegen nichts zu essen, nichts zu trinken, und sie können nicht mal aufs Klo gehen.“ Es gebe zwar gute Radrouten, doch die würden teilweise nicht gepflegt. Viele Wege seien in einem schlechten Zustand und viel zu schmal. Die Ostfriesland Tourismus GmbH (OTG) mit Sitz in Leer gibt Gronewold teilweise recht.

Mit fünf großen Touren (Ammerlandroute, Deutsche Fehnroute, Friesenroute, Rad up Pad und Internationale Dollard-Route) sei die Region „top aufgestellt“, sagt OTG-Geschäftsführerin Imke Wemken. Der Zustand der Wege sei jedoch stellenweise tatsächlich nicht gut. Da seien die Gemeinden gefordert. „Wir dürfen nicht lockerlassen.“ Fehlende Einkehrmöglichkeiten würden von Fahrradhotels durch Lunchpakete ausgeglichen.

Nachfrage ist so groß wie nie zuvor

Insgesamt sieht Wemken Ostfriesland jedoch auf einem guten Weg. Durch die Corona-Pandemie habe der Radtourismus noch mal einen Schub bekommen. „Radfahren liegt voll im Trend.“ Im Januar und Februar seien so viele Prospekte bestellt worden wie nie zuvor. Den Ostfriesischen Fahrradtag soll es alle zwei Jahre an wechselnden Orten in Ostfriesland geben.

Jeweils im Jahr dazwischen ist ein Fahrradkongress an der Hochschule Emden/Leer geplant, wo Gronewold unterrichtet. „Ostfriesland muss klären, wie es mit dem Thema umgeht“, sagt die Diplom-Pädagogin. „Da ist ganz viel Luft im Karton.“ Allein der Dschungel an Förderprogrammen sei eine Herausforderung. „Ich weiß nicht, ob da noch jemand durchblickt.“

„Setzt euch aufs Rad und kommt“

Etwas mehr Durchblick wird womöglich die Veranstaltung am 15. Mai in Aurich bringen. „Setzt euch aufs Rad und kommt“, sagt Gronewold. Dank des Elektroantriebs legten die Leute inzwischen auch weitere Strecken mit dem Rad zurück. Da fahre dann ein älteres Ehepaar mal eben zum Eisessen mit dem Rad von Pewsum nach Aurich.

So soll es auch beim 1. Ostfriesischen Fahrradtag laufen. Von 11 bis 17 Uhr gibt es auf dem Marktplatz Programm mit Infoständen, Livemusik, Podiumsdiskussionen und Praxistipps. Die Besucher können Lastenräder ausprobieren und sich Sicherheitstipps holen. Zu den Ausstellern gehören Händler, Hersteller, Touristiker, Vereine und Verbände. Von der Atmosphäre her soll das Ganze an das Erntefest erinnern, das jeweils im September gefeiert wird. Auch hier kümmern sich die Landfrauen um die Verpflegung. Für die Organisation hat der Verein einen Profi engagiert: Karin Thies von der Firma ME Management (Wittmund). „Das wäre sonst eine Nummer zu groß für uns“, sagt Gronewold.

Die beiden Frauen bedanken sich bei der Stadt Aurich, die sie mit offenen Armen aufgenommen habe. Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) gibt das Kompliment zurück: Er freue sich über die Entscheidung des Vereins, den 1. Ostfriesischen Fahrradtag in Aurich auszurichten. „Wir wollen das nach Kräften unterstützen, um das Thema in Aurich weiter zu pushen.“

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