Osnabrück
Polnische Kampfjets an Kiew zu liefern, wäre jetzt das falsche Signal
Die ukrainische Regierung fordert von der Nato eine schnelle Entscheidung für die Lieferung von MiG29-Jets aus Polen. Ein solcher Schritt wäre zum jetzigen Zeitpunkt gefährlich für Europa.
Nicht alles, was machbar ist, ist auch sinnvoll. Das gilt für den Wunsch Polens, alte MiG29-Jets auszurangieren und über die USA an die Ukraine zur Verteidigung gegen den russischen Einmarsch zu liefern. Das Interesse der Polen liegt auf der Hand: Sie sehen eine Chance, in die Jahre gekommene Flugzeuge günstig gegen F16-Kampfjets aus US-Beständen einzutauschen und gleichzeitig ein Zeichen zur militärischen Stärkung der Ukraine zu setzen.
Doch Vorsicht, Washington tut sich nicht umsonst schwer mit dem Deal. Würden die USA die MiGs über ihren deutschen Stützpunkt ins Kriegsgebiet liefern, könnte Moskau das als feindlichen Akt eines Nato-Staates verstehen.
Wer sagt denn, dass Russlands Präsident Wladimir Putin es nicht als Kriegseintritt Deutschlands wertete, wenn MiG29-Jets in Ramstein aufsteigen und nach einer Zwischenlandung in der Ukraine russische Truppen aus der Luftbeschießen? Will man Russlands Präsident Wladimir Putin tatsächlich einen solchen Anlass zur Eskalation liefern? Nicht von ungefähr haben die USA erst vor wenigen Tagen einen seit Jahren geplanten turnusgemäßen Test einer Interkontinentalrakete aus dem Nukleararsenal verschoben.
Das Risiko einer direkten militärischen Konfrontation zwischen Russland und der Nato stiege mit der Weitergabe der MiGs an Kiew massiv. Mit der Lieferung von Kampfflugzeugen würde ein neues Kapitel aufgeschlagen, schließlich handelt es sich um Offensivwaffen. Die Nato ist gut beraten, an ihrer bislang besonnenen Haltung angesichts des Ukraine-Kriegs festzuhalten.
Um keine Ausweitung des Krieges auf ganz Europa zu riskieren, sollte das Verteidigungsbündnis alles unterlassen, was Putin als unfreundlichen Akt und sogar als Aufforderung zur Gegenwehr deuten könnte.