Serie: Blick ins alte Emden

In Emden eröffnete einst Ostfrieslands erstes Krankenhaus

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 07.03.2022 17:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Auf dieser Postkarte ist unten das erste Emder Krankenhaus abgebildet. Darüber sieht man das „neue“ Krankenhaus, das in der Großen Straßen entstand. Foto: Bildarchiv der Johannes-a-Lasco-Bibliothek
Auf dieser Postkarte ist unten das erste Emder Krankenhaus abgebildet. Darüber sieht man das „neue“ Krankenhaus, das in der Großen Straßen entstand. Foto: Bildarchiv der Johannes-a-Lasco-Bibliothek
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Fast 70 Jahre ist es her, dass in Emden das Krankenhaus am heutigen Standort eröffnete. Davor gab es noch eine andere Einrichtung. Bald steht ein großer Wandel bevor.

Emden - „Emden erhält ein neues Krankenhaus“: Das war die Schlagzeile dieser Zeitung am 16. November 1973. Damals war allerdings nur besiegelt worden, dass die vorhandene medizinische Einrichtung um eine Neurologie und Psychiatrie ergänzt werden sollte, für die eine überörtliche Bedeutung für Ostfriesland angedacht war. 1981 eröffnete der damalige Oberbürgermeister Jan Klinkenborg den 106 Millionen D-Mark teuren Neubau. Da war auch längst klar, dass das „neue“ Krankenhaus nach Hans Susemihl benannt werden sollte. Dieser war nach dem Zweiten Weltkrieg Rathauschef Emdens und hatte einen Großteil des Wiederaufbaus der Stadt mitzuleiten.

2019 wurde diese Luftaufnahme vom Emder Klinikum in Barenburg gemacht. Foto: T. Bruns/Archiv
2019 wurde diese Luftaufnahme vom Emder Klinikum in Barenburg gemacht. Foto: T. Bruns/Archiv

Das erste Emder Krankenhaus entstand bereits 1861 am Burgplatz. Es war auch das erste in Ostfriesland erbaute Gesundheitshaus. Dort gab es 30 Betten und eine Übernachtung kostete die Patienten 1,25 bis 4 Mark. 1883 schon zog die Einrichtung in die Große Straße um, wo sie im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört wurde. Bis 1953 mussten Emderinnen und Emder in Sandhorst bei Aurich in einem Notkrankenhaus oder in Baracken versorgt werden. Dann eröffnete das neue Krankenhaus im Emder Stadtteil Barenburg, wo es sich noch heute befindet. Hans Susemihl hatte den Bau maßgeblich mit vorangetrieben.

Viel Konkurrenz aus Leer

Zahlreiche Umbauten und Anbauten entstanden über die Jahre. Es gab aber auch immer wieder Rückschläge: Ein dickes Minus in der Haushaltskasse führte unter anderem 1993 zur Diskussion rund um die Kardiologie. Die Konkurrenz zu Leer war zu groß. Nach zwei Jahren Verhandlungen wurde ein teures Großgerät für Herzuntersuchungen schließlich nach Bremen verkauft. Die Neurologie aber wurde immer weiter ausgebaut. Mit der Schlaganfall-Spezialstation hatte das Emder Haus bislang ein Alleinstellungsmerkmal in der Region. Jetzt will Leer nachrüsten.

Die Demonstrationen (hier im Jahr 2017) halfen nicht: Die Zentralklinik soll kommen, das Emder Krankenhaus schließen. Foto: Ortgies/Archiv
Die Demonstrationen (hier im Jahr 2017) halfen nicht: Die Zentralklinik soll kommen, das Emder Krankenhaus schließen. Foto: Ortgies/Archiv

Weil der finanzielle Druck immer größer wurde, kam 2013 schließlich die Idee auf, die Krankenhäuser in Emden, Aurich und Norden zu einer Zentralklinik zusammenzulegen. Vergleichbare Projekte, die vom Land unterstützt würden, lägen bei 240 Millionen Euro, hieß es damals. Heute - zwei Bürgerentscheide allein in Emden später - steht die Summe vorläufig fest: 720 Millionen Euro. Ab kommendem Jahr soll der Komplex auf einer Fläche von der Größe von rund 50 Fußballfeldern in der Gemeinde Südbrookmerland entstehen.

Frühestens 2028 könnte die Zentralklinik in Betrieb genommen werden. Bis dahin sollen die jetzigen Krankenhaus-Standorte aufgegeben beziehungsweise zu regionalen Gesundheitszentren für die ambulante Versorgung und fachärztliche Behandlungen umgestaltet werden. Geschlossen ist schon jetzt die Geburtsstation und Kinderklinik in Emden. In Aurich könnte die Geburtsstation ebenfalls schließen - allerdings erst nach Eröffnung der Zentralklinik. Dazu läuft die Debatte noch.

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