Kundgebung
Krieg in der Ukraine: Hunderte demonstrieren in Aurich
Rund 600 Menschen haben am Sonnabendnachmittag auf dem Auricher Marktplatz gegen den Krieg in der Ukraine demonstriert. Mehrere Redner ergriffen das Wort.
Nach Polizeiangaben kamen am Sonnabendnachmittag rund 600 Menschen auf dem Marktplatz zusammen, um gegen den Krieg in der Ukraine und für Freiheit, Demokratie und Solidarität mit den Ukrainern zu demonstrieren.
Landkreis Aurich soll zu einem „sicheren Hafen“ werden
Mehrere Redner waren angekündigt, darunter Landrat Olaf Meinen (parteilos). „Dieser Krieg ist nicht nur ein Angriff auf ein souveränes Land, er ist auch ein Angriff auf die europäischen Werte, den Frieden, die Freiheit und die Demokratie.“ Es seien diese Werte, für die die Menschen in der Ukraine unter Einsatz ihres Lebens kämpften. Meinen: „Sie kämpfen für uns alle.“
Er versprach: „Der Landkreis Aurich wird zu einem sicheren Hafen für Flüchtlinge aus der Ukraine werden.“ Schon am ersten Tag des Krieges habe der Landkreis damit begonnen, Unterkünfte vorzubereiten. Die Flüchtlingsunterkunft Utlandshörn in Norden, die man nun Willkommenszentrum nenne, sei nur der erste Schritt.
„Wir sagen laut und deutlich Nein zu Hass“
Auch Aurichs Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) reihte sich in die Rednerliste ein: „Wir sagen laut und deutlich Nein zu Hass und verurteilen den Krieg auf das Schärfste.“
Der Bundestagsabgeordnete Johann Saathoff (SPD), der bis 2021 Russland-Beauftragter der Bundesregierung war, verurteilte ebenfalls Putins „brutalen Angriffskrieg, der eiskalt geplant und durch Lügen vorbereitet“ worden sei. Der Krieg mache einen fassungslos und sprachlos, aber nicht hilflos, so Saathoff.
Russische Bevölkerung nicht verurteilen
Er werde in diesen Tagen oft von der Presse gefragt, ob man naiv gegenüber dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gewesen sei. Seine Antwort: „Nein. Wir haben nur auf Verhandlungen gesetzt, mit denen wir jedoch leider gescheitert sind.“ Der Dialog sei aber das Wesen der Demokratie – und ihre Stärke. Man könne Krieg nicht mit Krieg bekämpfen, so seine Überzeugung. Saathoff fordert weitere Sanktionen gegen Russland, gleichzeitig müsse man aber dialogbereit bleiben.
Alle Redner betonten, dass man nicht nur an der Seite der Menschen in der Ukraine stehe, sondern auch an der Seite der Menschen in Russland und Belarus, die diesen Krieg verurteilen und bei Demonstrationen Haftstrafen riskierten. Man dürfe auch in Ostfriesland lebende russischstämmige Menschen nicht verurteilen, so der Tenor. Es sei Putins Krieg, nicht der Krieg der russischen Bevölkerung.
Klare Botschaft an die Querdenker
Vor dem Hintergrund zahlreicher Festnahmen bei Demonstrationen in Russland hatte Tomke Juilfs von den Jusos sich zu Beginn der Demo an die Querdenker gewandt: „Wer unsere freiheitliche demokratische Ordnung als Diktatur bezeichnet, sollte sich in dieser Zeit in Grund und Boden schämen.“ Für diese Worte gab es lange Applaus.
Zu den Demonstranten gehörte Melanie Frerichs aus Aurich. Der Krieg in der Ukraine beschäftige sie sehr, weil sie jemanden kenne, der die Ukraine jetzt nicht verlassen dürfe, weil er ein Mann und zwischen 18 und 60 Jahre alt sei, so die junge Frau im Gespräch mit unserer Redaktion. Und: „Ich glaube nicht, dass sich Putin mit der Ukraine zufriedengeben wird. Das muss gestoppt werden.“
Aktionstag an der Realschule
Auch einige Schüler waren auf den Marktplatz gekommen, darunter der elfjährige Paul. „Ich finde nicht gut, was Putin da macht“, sagte er. Der Krieg in der Ukraine sei auch Thema in der Schule. „Wir hatten am Freitag keinen normalen Unterricht, sondern haben nur über den Krieg gesprochen.“ Er besucht die Realschule in Aurich, an der am Freitag ein Aktionstag veranstaltet worden war.
Nach gut einer Stunde war die Demonstration auf dem Auricher Marktplatz beendet.