Pädagogik

Schule ohne Noten will nach Moordorf

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 04.03.2022 17:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Haupt- und Realschule Moordorf läuft zum Ende dieses Schuljahres aus. Foto: Archiv/Singer
Die Haupt- und Realschule Moordorf läuft zum Ende dieses Schuljahres aus. Foto: Archiv/Singer
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Die Freie Christliche Schule Ostfriesland will eine Zweigstelle in Moordorf eröffnen. Doch nun kommt ihr eine andere Schule in die Quere, die so ähnlich heißt, aber ganz anders ist.

Südbrookmerland - Die Freie Christliche Schule Ostfriesland (FCSO) bekommt Konkurrenz: Bei der Gemeinde Südbrookmerland hat eine weitere Privatschule angeklopft und Interesse am Gebäude der bald leerstehenden Haupt- und Realschule in Moordorf angemeldet. Die Freie Schule Ostfriesland mit Sitz in Großheide möchte dort Räume für rund 100 Schüler anmieten. Das gab Bürgermeister Thomas Erdwiens (FWG) am Donnerstagabend in der Sitzung des Gemeinderates bekannt.

Eigentlich sollte in der Ratssitzung über das Ansinnen der FCSO entschieden werden, im Sommer 2023 in Moordorf eine Zweigstelle für mehr als 500 Schüler einzurichten. Es hätten schon viele Eltern von Viertklässlern aus Südbrookmerland angefragt, hatte Schulleiter Christian Hunsmann kürzlich berichtet. Daher solle schon zum kommenden Schuljahr am Stammsitz Veenhusen (Landkreis Leer) eine 5. Klasse speziell für Kinder aus Südbrookmerland eingerichtet werden, die dann ein Jahr darauf nach Moordorf umziehen.

Keine Klassen, keine Stundenpläne

Die Entscheidung darüber verzögert sich nun. Denn auch die andere interessierte Schule soll Gelegenheit bekommen, sich der Politik vorzustellen. Schulleiterin Nina Korneli hat ihr Anliegen vergangene Woche dem Bürgermeister vorgetragen. Nun will die Gemeinde nach Angaben von Fachbereichsleiter Joachim Betten kurzfristig eine Sitzung des Schulausschusses einberufen, damit die Schule sich der Öffentlichkeit präsentieren kann.

Die Freie Schule Ostfriesland, eine Grund- und Oberschule, unterscheidet sich grundlegend von anderen Schulen. Es gibt dort keine Klassen, keine Stundenpläne, keine Hausaufgaben und keine Noten. Die Schüler organisieren das Lernen selbst und stecken sich eigene Ziele. Lehrkräfte heißen dort Lernbegleiter.

Schablonen sollen aufgebrochen werden

Das freie Lernen funktioniere viel besser, hatte Heike Buß vom Trägerverein „Raum für natürliches Lernen“ vor der Eröffnung der Schule 2018 gesagt. Kleinkindern werde das freie Lernen zugestanden, aber in der Schule lege man dann die Schablone an. „Das wollen wir aufbrechen.“ Nur zur Vorbereitung auf den Schulabschluss sei teilweise auch herkömmlicher Unterricht vorgesehen.

Doch so weit ist die Schule noch nicht. Die ältesten Kinder sind jetzt in der 5. Klasse. Die Freie Schule Ostfriesland hat derzeit 40 Schüler. Sie ist im Gebäude der ehemaligen Förderschule untergebracht und wächst von Jahr zu Jahr. „Wir lieben es hier in Großheide“, sagte Schulleiterin Korneli am Freitag im Gespräch mit der Redaktion. „Aber der Platz reicht nicht mehr.“ Daher wolle man einen Umzug nach Moordorf zumindest prüfen. Denn der wäre einfacher und schneller zu bewerkstelligen als etwa ein Neubau in Großheide. „Das ist aber alles noch ganz frisch“, sagte Korneli. Es seien noch viele organisatorische Fragen zu klären.

„Wir brauchen ja nicht das ganze Gebäude“

Als sie und ihr Kollegium erfahren hätten, „wie groß und leer das Schulgebäude in Moordorf ist“, seien sie auf die Idee gekommen, zumindest einmal nachzufragen, so die Schulleiterin. Man sehe sich nicht als Konkurrenz zur FCSO, betonte Korneli. „Wir brauchen ja nicht das ganze riesige Gebäude.“

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Zwei Schulen unter einem Dach? Das schließt Bürgermeister Erdwiens aus. In dem Gebäude sei nicht genug Platz für beide Schulen. „Das funktioniert nicht.“ Die FCSO plane eine Dreizügigkeit und beanspruche das ganze Gebäude – abgesehen von dem Part, der von August an als Kindertagesstätte genutzt wird. Laut Erdwiens ist zu dem Thema auch noch eine Elternbefragung geplant.

Wie bei allen Privatschulen müssen die Eltern auch bei der Freien Schule Ostfriesland Schulgeld zahlen. Es beträgt 160 Euro pro Monat. Geschwisterkinder bekommen 20 Euro Rabatt. Der Transport wird mit Sammeltaxis organisiert. Die Schule ist offen für Kinder aus ganz Ostfriesland. Die meisten kommen nach Angaben Kornelis aus dem Raum Aurich/Norden. Für sie würde der Standort Südbrookmerland gut passen.