Osnabrück

Das nächste unrühmliche Kapitel eines Weltverbandes

Christoph Schillingmann
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Von Christoph Schillingmann
| 03.03.2022 15:13 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Die ukrainische Para-Biathletin Nataliia Thachenko während des Trainings vor dem Beginn der Paralympischen Spiele in Peking. Foto: imago/Bildbyran
Die ukrainische Para-Biathletin Nataliia Thachenko während des Trainings vor dem Beginn der Paralympischen Spiele in Peking. Foto: imago/Bildbyran
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Nun also doch: Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) schließt russische und belarussische Sportlerinnen und Sportler wegen des Ukraine-Krieges von den am 4. März 2022 beginnenden Paralympics in Peking aus. Das IPC hat sich dem am Ende zu groß gewordenen Druck ein Glück gebeugt.

Warum nicht gleich so? Diese Frage stellten sich wahrscheinlich viele, als das Komitee seinen Beschluss vom Mittwoch revidierte und nun doch russische und belarussische Sportlerinnen und Sportler wegen des Ukraine-Krieges von den Paralympischen Spielen in Peking ausschloss.

Man stelle sich nur vor, ein ukrainischer Para-Biathlet steht im entscheidenden letzten Schießen mit dem Gewehr neben einem russischen Athleten auf der Matte und kämpft um die Goldmedaille. Ein zynischeres und verstörenderisches Bild in Zeiten, in denen Ukrainer ihr Land gegen den russischen Aggressor verteidigen, in denen Ukrainer und um ihr Hab und Gut und, ja um ihr Leben kämpfen müssen, gibt es wohl kaum. Die Sanktionen müssen Russland in allen Bereichen treffen: in der Wirtschaft, in der Politik und eben im Sport.

Dass das IPC einen Tag zuvor Athletinnen und Athleten beider Nationen noch erlaubte unter neutraler Flagge teilzunehmen, zeigt aber einmal mehr, wie schwer sich die Weltverbände bei ihrer Entscheidungsfindung tun. Beispiel Fußball: Die beiden Verbände FIFA und UEFA bekleckerten sich ebenfalls nicht mit Ruhm, als sie sich scheibchenweise zu einem am Ende richtigen Komplettausschluss durchrangen. Die Entscheidung des IPC ist das auch. Traurig dabei ist nur, dass sie erst nach öffentlichem Druck und Boykottdrohungen von mehreren Verbänden, Teams und Athleten fiel.

Mit diesem Hin und her kommt nun ein weiteres unrühmliches Kapitel auf die ohnehin schon in einem schlechten Licht stehenden Paralympics hinzu: Zu den Menschenrechtsverletzungen in China, zur fehlenden Nachhaltigkeit, zum Gigantismus beim Bau der Wettkampfstätten, zu den starken Einschränkungen aufgrund der Corona-Lage und zu den fehlenden Zuschauern gesellt sich nun auch noch ein zaudernder Dachverband, der zumindest seine Spiele ein Stück weit gerettet hat.

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