Debatte
Mögliches Kitesurf-Verbot in der Nordsee bleibt umstritten
Die neuen Regeln für Wassersportler auf der Nordsee und im Wattenmeer sind noch nicht festgelegt. Das Bundesverkehrsministerium arbeitet immer noch an dem Entwurf. Auf Borkum hat man eine klare Haltung.
Ostfriesische Inseln - An welche neuen Regeln sich Wassersportler in Zukunft auf der Nordsee und im Wattenmeer halten müssen, bleibt weiter offen. Das Bundesverkehrsministerium arbeitet immer noch an dem Entwurf für eine neue Verordnung zum Befahren der Gewässer. Die Verordnung regelt das Miteinander von Wassersport und Naturschutz.
Wie aus einer Antwort der niedersächsischen Landesregierung auf eine kleine Anfrage der FDP-Fraktion im Landtag hervorgeht, soll die Auswertung der Verbändeanhörung noch bis Ende März andauern. Wann das Verfahren abgeschlossen werden könnte, ist noch nicht absehbar.
Warum soll Kitesurfen verboten werden?
Besonders Paragraph 6 in dem bereits im August vergangenen Jahres veröffentlichten Entwurf ist umstritten. Darin heißt es, dass das Kiten in der Nordsee und im Wattenmeer generell verboten werden soll. Erlaubt sein soll es nur noch in ausgewiesenen Zonen, wo es laut Entwurf für die Natur weniger schädlich ist. Die FDP-Fraktion betonte nun im Landtag in Hannover, dass die Belange einzelner Interessengruppen, etwa der Kitesurf-Vereine, nicht ausreichend wahrgenommen würden. „Am Ende ist es wichtig, dass alle Interessen berücksichtigt werden – sowohl die des Naturschutzes als auch die touristische Entwicklung der Region“, sagte Hillgriet Eilers, Sprecherin für Häfen und Schifffahrt.
Borkums Bürgermeister Jürgen Akkermann (parteilos) sieht das als ein Zeichen der Kompromissbereitschaft an. „Mir scheint es, als würde man nun auch in Hannover die Bedeutung des Wassersports für die wirtschaftliche Entwicklung der Inseln erkannt haben“, sagt er. Als Akkermann vom ersten Entwurf zum Befahren der Gewässer erfahren hatte, trommelte er die Spitzen der anderen sechs Inseln zu einem virtuellen Treffen zusammen und schloss sich mit ihnen kurz. Wenig später reichten die Inseln eine gemeinsame Stellungnahme ein, in der unter anderem gefordert wurde, das Kitesurf-Verbot aus dem Entwurf zu streichen. Zu dieser Forderung steht Akkermann nach wie vor: „Ein generelles Kite-Verbot ist nicht verhältnismäßig. Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass das Kiten so schädlich für die Natur ist, dass es verboten werden muss.“ Die Zonen sollten stattdessen von den Inseln über freiwillige Vereinbarungen mit den Wassersportlern festgeschrieben werden.
„Seit 1972 gibt es auf Borkum Kitesurfer“
Ein weiterer Punkt, der Akkermann stört, ist der Wettbewerbsnachteil gegenüber dem Nationalpark in Schleswig-Holstein. „Es kann nicht sein, dass die Kitesurf-Zone vor Sankt-Peter-Ording größer wird, als alle Kitesurf-Zonen im ostfriesischen Wattenmeer zusammen. Es muss eine Gleichbehandlung her“, sagt er.
Auch Peter Lechner vom Borkumer Wassersportverein „Burkana“ hat wenig Verständnis für ein mögliches Kitesurf-Verbot. „Seit 1972 gibt es auf Borkum Kitesurfer und erst vor Kurzem wurde vermeldet, dass etwa die Bestände an Kegelrobben im Wattenmeer auf Rekordniveau sind. Wäre das möglich, wenn Kitesurfen für Säugetiere so schädlich wäre?“, sagt er. Generell verstehe er nicht, warum das Kitesurf-Verbot für das ganze Jahr gelten solle. „Wir können unsere Sportart nur ausüben, wenn der Wind stark genug ist. Das sind in der Hauptbrutzeit der Vögel im Mai und April in der Regel nur jeweils 15 Tage“, sagt er. Spaziergänger hingegen könnten mit ihren Hunden jeden Tag im Nationalpark Wattenmeer spazieren gehen, obwohl es wissenschaftlich bewiesen sei, dass Hunde die Störquelle Nummer 1 für Vögel sind.
Naturschützer ist gespaltener Meinung
Nicht nur Wassersportler hatten an dem Entwurf Kritik geübt, sondern auch viele Naturschutzverbände. Jürgen Hömberg vom Naturschutzbund (Nabu) Borkum, ist zwiegespalten. „Wenn der Mensch in die Natur eingreift, ist das immer schwierig. Allerdings muss man auch berücksichtigen, dass das Kitesurfen für Borkum wirtschaftlich wichtig ist. Man sollte da einen guten Kompromiss zwischen Naturschutz und Wirtschaft finden“, sagt er.
Problematisch seien für Bodenbrüter vor allem Strandbuggyfahrer. Säugetiere wie Kegelrobben und Seehunde hätten sich auf Borkum aber an Kitesurfer gewöhnt., glaubt Hömberg. Er hoffe nur, dass sich die Situation nicht verschlimmere, wenn die Forderungen der Inselkommunen und Wassersportler in die neue Befahrensverordnung aufgenommen werden. „Wir werden uns das einfach anschauen und gegebenenfalls reagieren, wenn es gravierende Auswirkungen auf das Wohl der Tiere hat“, so der Naturschützer.