Umwelt

Ein extremer Monat: Februar brachte reichlich Sturm und Regen

Gordon Päschel
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Von Gordon Päschel
| 02.03.2022 18:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In Norddeich bläst der Sturm so stark, dass sich diese Spaziergänger kaum im Gleichgewicht halten könnten. Foto: Ortgies
In Norddeich bläst der Sturm so stark, dass sich diese Spaziergänger kaum im Gleichgewicht halten könnten. Foto: Ortgies
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Von Winter war in Ostfriesland im Februar nicht viel zu spüren. Statt eisiger Temperaturen und Schnee bekam die Region mehr als dreimal so viel Niederschlag wie gewöhnlich und eine heftige Sturmwoche.

Emden - Jörg Deuber ist beeindruckt: Der Mitarbeiter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) beobachtet seit Jahrzehnten die verschiedenen meteorologischen Daten in der Region. So etwas wie im Februar hat er selten gesehen: „Das ist schon ne echte Hausnummer“, sagt er angesichts einiger ungewöhnlicher Abweichungen vom langjährigen Mittel in der Wetteraufzeichnung für Ostfriesland.

In der Kurzfassung klingt seine Bilanz so: „Zu nass, zu warm und sehr windig.“ In der Einzelbetrachtung lassen ihn gleich mehrere Auffälligkeiten staunen, zum Beispiel der Regen: Mit 149 Liter auf den Quadratmeter fiel in Emden mehr als die dreifache Menge eines gewöhnlichen Februars im Vergleichszeitraum. Der Referenzwert der Jahre 1961 bis 1990 beschreibt 40,6 Liter. Besonders heftig prasselte es am Sonntag, 20., auf die Messstation des DWD in Emden ein. Alleine an diesem Tag fielen 31,2 Liter. „Das sind drei Eimer voll Wasser, die man vor die Haustür gekippt bekommt“, rechnet Deuber bildhaft um. Regnerisch war es aber auch an vielen anderen Tagen des vergangenen Monats. Lediglich an sechs Tagen blieben die Messbecher am Emder Flugplatz trocken.

Viel zu warm für einen Februar

Am wärmsten war es mit 12,2 Grad Celsius an einem Mittwoch. Es war der 16. Februar. Die relativ hohen Temperaturen dieses Tages trugen ihren Teil dazu bei, dass der Monat insgesamt deutlich zu warm war. Normal ist um diese Zeit ein Durchschnittswert von 1,8 Grad. Tatsächlich fiel das Monatsmittel mit 5,9 Grad um 4,1 höher aus. Die tiefsten Temperaturen wurden gegen Ende des Monats gemessen. Am Boden waren es minus 6,1 Grad, die Lufttemperatur, die in zwei Metern Höhe erfasst wird, zeigte minus 1,9 Grad an.

Was Jörg Deuber allerdings am meisten beschäftigt, ist der Wind. Vom 16. bis einschließlich 22. Februar verbuchten die Instrumente „eine ganze Woche mit Windstärken 8 bis 9“, staunt er. So etwas komme sehr selten vor, sagt er. Es waren die Tage, an denen rasch hintereinander drei Sturmgebiete über Ostfriesland hinwegzogen und massive Schäden hinterließen.

Norderney ist der Windspitzenreiter

„Spitzenreiter“ bei den vom DWD gemessenen Sturmböen in der Region war Norderney mit elf Beaufort, „knapp an der Zwölf vorbei“, so Deuber. Gerüchte und Berichte, nach denen Windgeschwindigkeiten von etwa 160 Stundenkilometern in Ostfriesland registriert wurden, kann er anhand der eigenen Messtechnik nicht bestätigen. 160 Kilometer pro Stunde würden in einer Beaufort-Skala einer 14 entsprechen. In Emden wurden dagegen maximal zehn Beaufort gemessen.

Das milde Wetter hat die Natur frühzeitig aus dem Winterschlaf geweckt. Deuber sieht viele Pflanzen, die „etwa zwei bis drei Wochen zu früh“ dran seien und nennt als Beispiel viele Knospen an Birnen-, Apfel- oder Kirschbäumen. Dass der Winter noch einmal zurückkommt, bezweifelt er. „Es ist nicht auszuschließen, dass wir noch Schnee bekommen“, sagt er. Aber vereiste Gewässer zum Schlittschuhlaufen werde es wohl nicht mehr geben.

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