Statistik

Droht am Arbeitsmarkt die nächste Krise?

Martin Alberts
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Von Martin Alberts
| 02.03.2022 14:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Hoffnungen der Gastronomie liegen auf einer Sommersaison möglichst ohne Beschränkungen. Foto: Arnold/DPA
Die Hoffnungen der Gastronomie liegen auf einer Sommersaison möglichst ohne Beschränkungen. Foto: Arnold/DPA
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Der Arbeitsmarkt hat das Schlimmste in der Corona-Pandemie offenbar überstanden. Auch in Ostfriesland ist man optimistisch. Doch der Ukraine-Krieg bringt neue Fragen und Unsicherheiten.

Leer/Nürnberg - Die Corona-Pandemie hinterlässt nur noch wenige Spuren auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Der Angriff Russlands auf die Ukraine bringt jedoch neue Unsicherheiten. Die Zahl der Arbeitslosen ist im Februar gesunken, ebenso die der Anzeigen auf Kurzarbeit. „Die Arbeitsmarktlage ist gut“, sagte der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, am Mittwoch in Nürnberg. „Allerdings ist in den aktuellen Indikatoren der Krieg in der Ukraine noch nicht abgebildet.“

Die möglichen Folgen seien im Moment nicht absehbar. Diese Einschätzung teilt auch Ronald Dupák, der Chef der Arbeitsagentur Emden-Leer: „Aktuell ist es noch schwierig, die tatsächlichen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt einzuschätzen“, wird er in einer Mitteilung vom Mittwoch zitiert.

Die Arbeitslosenquote ist in der Region stabil

Der ostfriesische Arbeitsmarkt zeigte sich im Februar demnach stabil: Insgesamt waren im Bezirk der Agentur Emden-Leer 15.701 Menschen arbeitslos gemeldet – 146 weniger als im Januar und 2929 weniger als im Februar vergangenen Jahres. Die Arbeitslosenquote blieb in der Region unverändert bei 6,3 Prozent. Bundesweit waren 2,428 Millionen Menschen im Februar arbeitslos – 34.000 weniger als im Januar und 476.000 weniger als im Februar 2021. Die Arbeitlosenquote sank um 0,1 Punkte auf 5,3 Prozent. Im Vergleich: Im Februar 2020, also vor Beginn der Corona-Krise, hatte die Zahl der Arbeitslosen um etwa 32.000 niedriger gelegen als heute.

Es sei nur noch ein geringer Corona-Effekt spürbar, sagte Scheele. Die Zahl der gemeldeten Stellen liege inzwischen in fast allen Branchen über dem Vor-Corona-Niveau von vor zwei Jahren. „Zwar lässt die Frühjahrsbelebung auf dem ostfriesischen Arbeitsmarkt noch ein wenig auf sich warten, nichtsdestotrotz zeigt der Vergleich zum Vorjahr erneut eine deutliche Erholung zum Niveau während der Krise“, so Dupák. Er rechne weiterhin mit einer positiven Entwicklung, da im März die Saison für das Hotel- und Gaststättengewerbe beginne und auch in Außenbereichen wieder gearbeitet werden könne. „Grundsätzlich stehen die Zeichen nach dem Pandemie-Winter auf wirtschaftliche Erholung“, so Dupák. „Allerdings bleibt abzuwarten, wie sich die Situation in der Ukraine entwickelt.“

Die Folgen des Ukraine-Krieges sind schwer abzuschätzen

Der Stichtag für die aktuellen Daten der Bundesagentur für Arbeit war der 14. Februar – also noch vor dem russischen Angriff auf die Ukraine. Dessen Auswirkungen könnten sich deshalb erst in der nächsten Monatsstatistik zeigen, erläuterte Scheele. Fachleute erwarten, dass der Krieg im Osten Europas die sich erholende Konjunktur in Deutschland ausbremsen wird.

Die Folgen der Sanktionen gegen Russland seien schwer abzuschätzen, sagte Scheele. Es könnte zum Beispiel zu Versorgungsengpässen bei Rohstoffen wie seltenen Erden und Aluminium kommen, was aber einzelne Branchen treffen werde. Es werde kein flächendeckendes Problem wie während der Corona-Pandemie oder der Finanzkrise. „Diesen Firmen können wir mit dem Kurzarbeitergeld helfen“, sagte Scheele. „Wir hoffen, dass sich das innerhalb weniger Monate relativiert.“

Offen ist nach Angaben von Scheele zurzeit, welche Unterstützung die Geflüchteten aus der Ukraine in Deutschland erhalten sollen – ob sie Grundsicherung oder Asylbewerberleistungen erhalten. Bisher seien kaum Menschen aus der Ukraine in Deutschland angekommen, sagte Scheele. Die Jobcenter und Arbeitsagenturen seien aber vorbereitet und könnten auf die Erfahrungen aus der Flüchtlingswelle in den Jahren 2015 und 2016 aufbauen.

Mit Material von DPA

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