Personal
Schock für Aurich: Wichtige Stelle erneut unbesetzt
Beim Thema Klimaschutz ist in Aurich der Wurm drin. Zum dritten Mal innerhalb von zwei Jahren verliert die Stadt eine Klimaschutzmanagerin. Mit dem geplanten Klimaschutzkonzept wird es nun „extremst eng“.
Aurich - Mit einer Personalnachricht hat die Auricher Stadtverwaltung am Dienstagabend die Politik schockiert: Klimaschutzmanagerin Dr. Katharina Heidtmann, die erst seit dem 1. Oktober vergangenen Jahres im Amt ist, hat zum Ende dieses Monats gekündigt, weil sie einen attraktiveren Job gefunden hat. Damit verliert die Stadt die dritte Klimaschutzmanagerin innerhalb von zwei Jahren – und das drei Monate vor der geplanten Fertigstellung des Integrierten Klimaschutzkonzeptes. Ein externes Büro soll nun in die Bresche springen. Das teilte Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß den Mitgliedern des Verkehrs- und Umweltausschusses mit. „Der Zeitplan ist extremst eng“, fügte sie hinzu.
Heidtmann, die an der Uni Oldenburg über Umweltpolitik promoviert hat, wechselt erneut nach Oldenburg. Dort werde sie eine Abteilung mit 21 Mitarbeitern leiten, wie Busch-Maaß berichtete. „Da konnte ich mir die Zunge abbrechen“, sagte die Stadtbaurätin, die selbst erst seit dem 1. Januar im Amt ist. Es sei ihr nicht gelungen, die Kollegin umzustimmen. „Ich habe wirklich alles gegeben.“ Sie bedauere diesen Verlust: „Frau Dr. Heidtmann war sehr engagiert. Sie hat sich sehr für den Klimaschutz eingesetzt.“
„Ich bin schockiert“
Die Politik reagierte mit Bestürzung. „Ich bin schockiert“, sagte Reinhold Mohr (Grüne). „Wir hatten alle das Gefühl, der Klimaschutz ist jetzt angekommen.“ Mit Heidtmanns Weggang werde das Thema Klimaschutz gebremst, so Mohrs Befürchtung. Die Klimaschutzmanagerin erarbeitet Vorschläge, wie Aurich den Ausstoß von Treibhausgasen verringern kann – ob im Verkehr, in privaten und öffentlichen Gebäuden oder in Unternehmen.
Heidtmann hatte die Auricher eingeladen, die klimafreundliche Zukunft der Stadt mitzugestalten. An einem Workshop zur klimafreundlichen Mobilität im Januar in der Stadthalle konnten coronabedingt nur 80 Personen teilnehmen. Es gab eine Warteliste, so groß war das Interesse. In einem weiteren Workshop im Februar ging es um den Umgang mit den Folgen des Klimawandels – etwa Starkregenvorsorge in Siedlungsgebieten.
Nicht die erste Kündigung
Aurich hat kein Glück mit Klimaschutzmanagern. Bereits im Juni 2019 hatte der Rat beschlossen, diese Stelle zu schaffen, deren Kosten zu zwei Dritteln vom Bundesumweltministerium getragen werden. Eine Kandidatin, die schon zugesagt hatte, sprang aus persönlichen Gründen kurzfristig ab. Auch der Ersatzkandidat machte in letzter Minute einen Rückzieher.
Daraufhin wurde die Stelle neu ausgeschrieben. Am 1. Dezember 2020 fing Evelyn Brudler aus Oldenburg an. Nach nur acht Monaten kündigte sie. Brudler ist mittlerweile Klimaschutzmanagerin in Rastede (Kreis Ammerland). Mit Heidtmann, zu Beginn ihrer Amtszeit 29 Jahre alt, sah sich die Stadt auf einem guten Weg, nicht nur fachlich. Im Unterschied zu ihrer Vorgängerin verlegte sie ihren Wohnsitz sogleich von Oldenburg nach Aurich.
Ein Grund liegt im Rathaus selbst
Die Stelle der Klimaschutzmanagerin ist bis zum 31. Januar 2023 befristet. Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) hatte aber bei der Vorstellung Heidtmanns im vergangenen November eine mögliche Verlängerung angedeutet. „Das Thema Klimaschutz wird im Januar 2023 nicht zu Ende sein“, hatte er gesagt. „Es gewinnt an Bedeutung.“
In der Ausschusssitzung am Dienstagabend wurden Stimmen laut, eine solche Stelle dürfe nicht befristet werden. So schrecke man qualifizierte Bewerber ab. „Hätten wir uns dazu entschlossen, sie unbefristet einzustellen, wäre das vielleicht anders ausgegangen“, sagte Reinhard Warmulla (Die Linke).
Stadtbaurätin Busch-Maaß nannte einen weiteren Grund: Die Räume im zweiten Obergeschoss des Rathauses seien nicht mehr zeitgemäß. In zwei Monaten werde ein Teil der Mitarbeiter vorübergehend umziehen, damit dieser Gebäudeteil entkernt und saniert werden könne. Man müsse die räumlichen Voraussetzungen schaffen, „um neue Mitarbeiter für die Stadt zu gewinnen“, so Busch-Maaß. „Mein Bestreben ist es, die Leute hier zu halten und zu binden.“ Ein gutes Klima im Rathaus – das ist auch für eine Klimaschutzmanagerin unerlässlich.