Freizeit

Wiesmoor: Jugendplatz und neues Jugendzentrum sollen kommen

Jens Schönig
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Von Jens Schönig
| 01.03.2022 16:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Wiesmoorer Jugendumfrage ist laut Stadtjugendpfleger Michael Hofer ein voller Erfolg geworden. Jetzt sollen die Wünsche der Jugendlichen zügig umgesetzt werden. Foto: Cordsen/Archiv
Die Wiesmoorer Jugendumfrage ist laut Stadtjugendpfleger Michael Hofer ein voller Erfolg geworden. Jetzt sollen die Wünsche der Jugendlichen zügig umgesetzt werden. Foto: Cordsen/Archiv
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Die große Jugendumfrage der Stadt Wiesmoor ist abgeschlossen und ausgewertet. Die Verwaltung will zusammen mit den Jugendlichen jetzt in die Umsetzung der Ergebnisse einsteigen.

Wiesmoor - Wie die Jugendlichen in der Stadt ihre Freizeit verbringen und was sie sich künftig als Angebot wünschen: Das waren Kernfragen der großen Jugendumfrage, mit der die Stadt Wiesmoor ein Stimmungsbild ihrer rund 2000 Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen einfangen wollte. Etwa ein Drittel davon hat sich an der Umfrage beteiligt. Ihre Antworten sollen Grundlage für die weitere Planung der Stadt im Sinne der Jugendlichen sein. „Wir haben so die Möglichkeit, das Freizeitangebot auszubauen, ohne an den Jugendlichen vorbeizuplanen“, sagte Bürgermeister Sven Lübbers (parteilos) bei der Vorstellung der Ergebnisse am Dienstagvormittag.

Damit die Ergebnisse nicht diskret in der nächsten Schublade verschwinden, sollen sich in den kommenden Tagen Arbeitsgruppen aus Jugendlichen und Mitarbeitern der Verwaltung bilden. Die ersten Gruppen haben sich in den vergangenen Tagen bereits getroffen, erklärte Stadtjugendpfleger Michael Hofer dazu.

Jugendliche wollen wieder raus aus der Bude

Als eines der zentralen Ergebnisse der Befragung kristallisierte sich der Bedarf nach einem Jugendplatz und nach einem neuen Standort für das bestehende Jugendzentrum heraus. „Ein solcher Platz stünde stärker in der Eigenverantwortung der Jugendlichen als das Jugendzentrum, weil dort nicht jederzeit ein Jugendpfleger vor Ort sein könnte“, erklärte Hofer. 78 Prozent der befragten Jugendlichen wünschten sich genau so einen Platz, um Freunde zu treffen, sich sportlich und kreativ abzureagieren oder Konzerte zu besuchen. „Als mögliche Ausstattung haben die Jugendlichen vor allem eine Skateanlage und Möglichkeiten für Basketball und Street-Soccer sowie eine Kletterwand im Visier“, so Hofer. „Aber auch eine Graffitiwand und ein ‚Schreibtunnel‘, dessen Wände sie mit eigenen Gedanken und Texten vollschreiben können.“

Nahe der Sportanlagen könnte nach dem Wunsch der Stadt Wiesmoor ein neuer Jugendplatz entstehen. Grafik: Reil
Nahe der Sportanlagen könnte nach dem Wunsch der Stadt Wiesmoor ein neuer Jugendplatz entstehen. Grafik: Reil

Dass der Bedarf nach einem Treffpunkt im Freien sich so deutlich zeigen würde, überrascht Hofer nicht einmal. „Dazu muss man sich nur ihre Antworten auf die Fragen ansehen, wo sie sich jetzt treffen und was sie in ihrer Freizeit am häufigsten tun“, sagte er. Freunde treffen, Musik hören, Fernsehen, chillen und Computerspiele gaben die Jugendlichen als Freizeitbeschäftigung an. Als Örtlichkeiten kommen dafür vor allem das eigene Zuhause (78 Prozent) und das von Freunden (75 Prozent) in Frage. „Das zeigt auch stark, was zwei Jahre Pandemie bei vielen bewirkt haben“, so Hofer weiter. „Den Rückzug ins Private und Hobbys mit starkem Konsumcharakter. Und der starke Wunsch nach einem Jugendplatz zeigt, dass es den meisten mit dem Einigeln reicht.“ Die Stadt hat unterdessen bereits eine Idee, wo ein solcher Platz entstehen könnte: Neben den Beachvolleyball-Feldern an der Straße Am Stadion befindet sich derzeit ein Ablageplatz des Baubetriebshofs. Den möchte die Stadt gern zum Jugendplatz ausbauen.

Platz für Jugendzentrum wird noch gesucht

Deutlich weniger konkret sieht es derzeit noch mit einem Jugendzentrum aus. Klar ist, dass das bestehende Jugendzentrum im Obergeschoss des Gebäudes der TG Wiesmoor am Stadion keine Zukunft mehr hat. „Zu Veranstaltungen oder Thementagen ist es noch ganz gut besucht“, sagte Michael Hofer. „Zu den freien Zeiten kommt so gut wie niemand mehr.“ Ein Jugendzentrum, so der mehrheitliche Wunsch der Jugendlichen in der Umfrage, sollte auch im Zentrum der Stadt liegen. 54 Prozent wünschten sich den Marktplatz als Standort, 40 Prozent die Kooperative Gesamtschule (KGS). Eine gemeinsame Arbeitsgruppe aus Vertretern der Jugendlichen und der Verwaltung soll einen geeigneten Standort finden. „Das ist noch eine Denksportaufgabe“, sagte Sven Lübbers. „Weil wir für das Jugendzentrum einfach noch keine zentrumsnahe Lösung parat haben. Derzeit sind wir in der Findungsphase, ob wir zum Beispiel Räumlichkeiten an der KGS organisieren können.“ Fest steht für den Bürgermeister, dass die Stadt mit Jugendzentrum und Jugendplatz parallel wird fahren müssen. „Es wird nicht das eine Angebot für die Jugendlichen geben.“

Das wäre auch im Sinne von Simke (14), Fenja (15) und Swana Röben (17). Die Wiesmoorer Schwestern haben ziemlich unterschiedliche Erwartungen daran, wie sie ihre Freizeit verbringen möchten. Simke hat als Klassensprecherin ihrer Klasse auch in den Schülervertretungen schon darüber gesprochen. „Da wünschen sich viele vor allem ein Café und einen Platz zum Skaten für den Schülerplatz“, erzählt sie. Der geplante Standort findet bei den Schülern auch Zustimmung. „Da könnte man sich gut treffen, weil es einigermaßen zentral ist“, sagt Simke. Für Swana steht unterdessen weder Platz noch Zentrum groß zur Diskussion. „Das ist eher was für die unteren Klassen“, sagt sie. „Bei uns wurde vor allem ein Raucherplatz oft angesprochen. Und viele wünschen sich einen McDonalds für Wiesmoor. Aber das wäre schon problematisch wegen des Mülls, der dann zu erwarten wäre.“ Fenja findet es richtig, dass das Freizeitangebot mit beiden Einrichtungen möglichst breit aufgestellt werden soll. „Wichtig ist, dass man mal wieder einen Ort zum Hingehen hat“, sagt sie. „Ein zentraler Ort entlastet ja auch die Freunde, bei denen man sich sonst immer treffen würde.“ Dass das jetzige Jugendzentrum inzwischen ein tristes Dasein fristet, wundert sie wenig. „Ich glaube, die Wenigsten kennen das Jugendzentrum richtig und ich habe den Eindruck, dass es bei den anderen auch keinen guten Ruf hat.“ Woran das konkret liegt, weiß sie aber nicht. „Da kommen wahrscheinlich viele Gründe zusammen“, sagt sie

Ganz kampflos wird Hofer das bisherige Jugendzentrum aber noch nicht aufgeben. „Wir werden es nach den Osterferien noch einmal mit den freien Zeiten probieren“, sagte er. „Immerhin haben wir ja mit der Umfrage jetzt eine gewisse Öffentlichkeit hergestellt. Wir haben dafür schon einen neuen Kicker gekauft, der jetzt noch aufgebaut wird. Außerdem haben wir die Räumlichkeiten neu eingerichtet und uns von den Möbeln getrennt, die traditionell immer in Jugendzentren entsorgt werden.“

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