Osnabrück
Freie Bahn für Inflation: Wo bleibt die EZB?
Der Ukraine-Krieg macht alle Hoffnungen auf eine Abschwächung der Inflation in Deutschland vorerst zunichte. Eigentlich wäre dies die Stunde der EZB. Doch die Hüter der Geldwertstabilität stecken selbst in der Klemme.
Krieg kennt viele Verlierer – auch Verbraucher und Anleger gehören dazu. Besonders spürbar ist das derzeit bei den Energiepreisen. Der letzte Tag im Februar war der teuerste Tag aller Zeiten an den Zapfsäulen. Sprit ist ohnehin schon teuer gewesen. Jetzt kommen auch noch die Effekte von Krieg und Sanktionen hinzu. Ein Ende der hohen Inflation ist nicht abzusehen.
Was nun? Der Staat packt Entlastungspakete, kann die Folgen der Teuerung aber nur mildern, keineswegs ausgleichen. Das würde ihn vollkommen überfordern. Außerdem ist und bleibt die Bekämpfung der Inflation die zentrale Aufgabe der Europäischen Zentralbank. Die aber steckt in einem Dilemma.
Um die Teuerung zu dämpfen, müsste die EZB als Hüterin der Geldwertstabilität die Zinsen spürbar anheben und so die Flut billigen Geldes eindämmen. Schon seit Langem wird sie bedrängt, endlich abzulassen von Null- und Negativzinsen. Allerdings könnte das die Zinslasten hochverschuldeter Euro-Staaten deutlich in die Höhe treiben und sie in Zahlungsschwierigkeiten bringen.. Das bedeutete ein erhebliches Risiko..
Jetzt, da neben Lieferengpässen und Corona-Nachwirkungen auch noch die Folgen von Krieg und Sanktionen das Wirtschaftswachstum in der Eurozone beeinträchtigen, dürfte die Kehrtwende der Notenbanker noch länger auf sich warten lassen. Die Inflation hat damit weiter freie Bahn. Und die Frage wird immer drängender, ob die Europäische Zentralbank ein Teil der Lösung ist – oder ein Teil des Problems.