Gottesdienst
Aus Hinte direkt ins Radio
Der Deutschlandfunk überträgt am Sonntag den Gottesdienst der Hinteraner Pastorin Steffi Sander. Nicht nur für die Pastorin ist das etwas ganz Besonderes, sondern für die gesamte Gemeinde ist es das.
Hinte/Deutschland - Als Pastorin ist es Steffi Sander gewohnt, vor Menschen zu sprechen. Doch so viele wie am kommenden Sonntag waren es noch nie. Dabei wird kein Gläubiger in der Hinteraner Kirche dem Gottesdienst von Steffi Sander lauschen – dafür aber schätzungsweise 400.000 Menschen in Häusern und auch Autos in ganz Deutschland.
Was und warum
Darum geht es: Krieg und Frieden, darüber wird Pastorin Steffi Sander am Sonntag live im Deutschlandfunk einen Gottesdienst halten.
Vor allem interessant für: Menschen, die in der aktuellen Zeit Halt und Hilfe im Glauben suchen und finden.
Deshalb berichten wir: Wir wurden von der Kirchengemeinde über den besonderen Gottesdienst informiert. Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de
Denn: Am kommenden Sonntag, 6. März, wird der Gottesdienst von Steffi Sander über den Deutschlandfunk übertragen. „Und der Radiogottesdienst hat immer so 400.000 Zuhörer“, sagt Sander. Ist sie aufgeregt? „Ja, schon, etwas“, muss sie lachend gestehen.
Kein öffentlicher Gottesdienst
Die Aufregung werde aber etwas gelindert, weil „nicht nur Gott bei mir ist, sondern auch ein ganzes Team aus wunderbaren Menschen“, so Sander im Gespräch mit unserer Zeitung. Auch wenn es kein öffentlicher Gottesdienst ist, allein durch Helfer und Sendeteam werden es schon etwas mehr als 30 Personen sein, die der Predigt vor Ort lauschen werden.
Dennoch: Ohne die Interaktion mit den Gottesdienstbesuchern sei es schon „etwas ganz anderes“, so die Pastorin, die für die Orte Hinte, Westerhusen und Groß Midlum zuständig ist. Sonst könne sie den Menschen ins Gesicht sehen und bekäme dadurch direkte Rückmeldungen, wie ihre Predigt ankomme. „Dann kann ich auch mal etwas länger bei einem Punkt bleiben, weil ich merke, dass es die Menschen bewegt“, sagt Sander. Das sei beim Radiogottesdienst natürlich ganz anders.
„Es wird als Ehre empfunden“
Auch, weil am Sonntag jemand anderes noch ein Wörtchen mitzureden hat, wie der Gottesdienst läuft und vor allem, was wie lange dauern wird: die Sendeleitung. Das sei schon ungewohnt, gibt die Pastorin zu. Doch wie ist es überhaupt dazu gekommen, dass der Deutschlandfunk aus Hinte sendet? „Ich wurde angerufen und habe auch spontan zugesagt“, so Sander. Auch der Kirchenrat, der hier die letztendliche Entscheidung trifft und von Sander natürlich sofort angefragt wurde, habe freudig zugestimmt. „Es wird als Ehre empfunden, dass wir angefragt wurden“, so die Pastorin.
Eine Ehre, die sich auch in einem besonderen Gottesdienst widerspiegeln soll. Nicht nur tritt der Chor Hintermezzo unter der Leitung von Petra Burmester und begleitet von mehreren Musikern auf. Auch Brigitte Höhn, Kantorin und Organistin, wird, obwohl eigentlich im Ruhestand, mit dabei sein. „Außerdem war es mir wichtig, dass Menschen aus Hinte, Westerhusen und Groß Midlum mitwirken“, so Sander. Daher wird nicht nur Sanders Stimme am Sonntag im Radio zu hören sein, sondern auch die von Lektorin Imke Ringena (Groß Midlum), Kirchenratsvorsitzendem Martin Wegbünder (Hinte) und von „Plattproter“ Helmut Meyer (Westerhusen). „Und falls jemand ausfällt, steht Anna-Lena Carruthers als Ersatzsprecherin bereit“, sagt Sander. Und einer von Sanders Konfirmanden, Keno, habe auch spontan zugesagt, während des Gottesdienstes zu unterstützen. Den steten Überblick behalte zudem Marion Tamminga.
Gottesdienst mit starkem Gebetscharakter
Für die Pastorin ist es der erste Radiogottesdienst, allerdings hat sie schon einen ZDF-Fernsehgottesdienst abgehalten. Brigitte Höhn hat hingegen schon Radiogottesdienst-Erfahrung. Aber jedes Mal sei etwas ganz Besonderes – und der Hinteraner Gottesdienst ist laut Sander auch der einzige evangelisch-reformierte Gottesdienst, der in diesem Jahr vom Deutschlandfunk ausgestrahlt wird.
Und um was wird es im Gottesdienst gehen? „Das Thema ist ,Leben ins Gebet nehmen‘“, sagt die Pastorin. Angesichts des Krieges in der Ukraine werden Krieg und Frieden natürlich eine besondere Rolle spielen. „Der ganze Gottesdienst wird einen Gebetscharakter haben“, sagt Sander. Diese werden zum Teil auch gesungen. „Denn auch Musik ist eine Verkünderin und eine Trösterin“, sagt Brigitte Höhn.
Die digitale Kirchengemeinde
Auch wenn es für Pastorin Steffi Sander am Wochenende eine Radiogottesdienstpremiere ist: Ihre Stimme kommt öfters aus Lautsprechern – auf den Smartphones der Nutzer des „Hinternets“. Nicht zu verwechseln mit dem saarländischen saarländisches Punk- und New Wave-Fanzine, das 1994 das Licht der Welt erblickte, ist das kirchliche Hinternet aus der Not heraus geboren.
Mit Beginn der Pandemie, als Gottesdienste in Präsenz gar nicht möglich waren, entschied sich Steffi Sander dazu, das Internet zu nutzen. Im Mittelpunkt steht der Messengerdienst-Whatsapp, über den Sander mit den Mitgliedern ihrer Korchengemeinde in Kontakt bleibt.
Gebete für die Bettkante
Zumindest war das die ursprünglich angedachte Zielgruppe. „Mittlerweile gibt es aber Mitglieder aus ganz Deutschland“, sagt die Pastorin. Rund 500 seien es aktuell. Diesem Erfolg des Hinternets – und der „Gottesdienste für Zuhause“ – sei vielleicht auch der Anruf des Deutschlandfunkes zuzurechnen. Zumindest würde Marion Tamminga, Sekretärin der Kirchengemeinde, dies nicht ausschließen.
Für Steffi Sander ist das „Hinternet“ mittlerweile auch ein Ort der echten Seelsorge. Regelmäßig bekomme sie Reaktionen auf das, was sie über das Internet an ihre Zuhörer und Leser verschicke. Marion Tamminga erklärt sich die Beliebtheit auch dadurch, dass „man zum Beispiel die Bettkantengebete hören kann, wann man will“. Das passe ja auch gut in die heutige Zeit und die heutigen Gewohnheiten, so Sander.
Etwas Gutes im Schlechten
Was Bettkantengebete sind? Von Sander eingesprochene Gebete, die sie morgens verschickt. Nicht jeden Tag, aber „immer mal wieder“. Gerade seit Beginn der Ukraine-Krise und des begonnenden Krieges merke die Pastorin, dass der Bedarf hier auch gestiegen sei. Die Idee morgens, direkt zum Aufstehen, schon auf der Bettkante beten können. „Das zelebrieren wirklich viele“, so Sander.
Und wie wird es nach Corona weitergehen, wenn irgendwann wieder mehr Miteinander vor Ort sein wird? „Wir werden das Hinternet behalten“, ist sich Sander sicher. „Wir erreichen da auch ganz andere Menschen als mit den Gottesdiensten“, sagt die Pastorin. „Wir haben hier im Schlechten etwas Gutes geschaffen“, sagt sie. „Es wäre schlimm, wenn wir das nicht fortführen würden.“
Der Rundfunk-Gottesdienst aus der Evangelisch-reformierten Kirche Hinte wird an diesem Sonntag, 6. März, ab 10.05 Uhr im Deutschlandfunk übertragen.