Kolumne: Artikel 1, GG
Leihmütter in der Ukraine
Sechsmal in der Woche veröffentlichen wir auf unserem Internet-Auftritt eine Kolumne. Mittwochs geht es um die Vielfalt in unserer Gesellschaft.
Was wissen Sie über Leihmütter? Genauer: über Leihmutterschaft in der Ukraine? Noch genauer: Über die Abgründe dieses Geschäftsmodells? Bis gestern wusste ich nicht viel über Leihmutterschaft und gar nichts über das florierende Geschäft damit in der Ukraine – erst der Tweet einer türkischen Journalistin machte mich auf eben dieses Thema aufmerksam. Ihre wenigen Zeilen aus Istanbul beziehen sich auf einen Bericht über ein australisches Ehepaar, das in der Ukraine sein Baby von einer Leihmutter hat austragen lassen. Nun ist das Baby, das Alba heißt, auf der Welt und die Eltern können es in Odessa nicht abholen.
Alba ist eines von tausenden Leihmutter-Babys, die jährlich – um es pathetisch auszudrücken – das Licht der Welt erblicken. Die Frauen, die neun Monate lang den Nachwuchs von unbekannten Paaren austragen, müssen sich zuvor mit Hormonen behandeln lassen, damit sie ihrem „Job“ machen können und für den sie an die 15.000 Euro bekommen. Das habe ich inzwischen über Recherchen im Internet erfahren.
Ein florierender Wirtschaftszweig
Und auch, dass Leihmutterschaft in der Ukraine bisher ein florierender Wirtschaftszweig war, dass Frauen unter 35 Jahren aus finanzieller Not damit den Lebensunterhalt ihrer Familien sicherten. Ich finde es schrecklich und ganz furchtbar, dass Babys zu Waren werden; dass kinderlose Paare ihr Kind von einer Leihmutter austragen zu lassen, mag dazu führen, dass sich ihr Wunsch erfüllt und ihr Problem gelöst wird. Die ethischen Fragen bleiben aber offen.
Dass ich mich bisher mit Leihmutterschaft nicht intensiv beschäftigt habe, hängt wohl damit zusammenhängen, dass ich jemand bin, die nicht alles, was die medizinische Forschung ermöglicht auch für gut und sinnvoll erachtet. Manche wenden möglicherweise ein, dass doch jetzt nicht der richtige Zeitpunkt ist, eine Debatte über Leihmutterschaft anzuzetteln. Wann wäre denn der richtige?
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