Osnabrück
Moral vor Geld: Wie sich die politische Macht des Sports entfaltet
Der Sport zeigt Flagge und Haltung: Solidarität mit der Ukraine und Distanz zu Russland sind das Gebot der Stunde, an der Basis, bei Aktiven und Fans, bei Profis und Hobbysportlern. Der Sport zeigt seine politische Kraft, meint unser Kommentator.
Es ist nicht der Zeitpunkt, Schalke 04 rückwirkend zu belehren, dass der russische Staatskonzern Gazprom schon immer ein fragwürdiger Partner war. Was jetzt zählt: Trotz seiner angespannten Finanzlage stellt einer der traditionsreichsten und beliebtesten deutschen Fußballclubs Moral und Haltung über Geld und Kommerz.
Damit reihen sich die Königsblauen ein in die stetig wachsende Liste der Verbände, Vereine und Einzelsportler, die sich mit klaren Statements, sportpolitischen Entscheidungen und vielfältigen Hilfsaktionen auf die Seite der Ukraine – und damit auch gegen den Aggressor Russland. Und zwar von der Spitze bis an die Basis.
Niemand darf das geringschätzen, als folgenloses Gutmenschentum oder bloße Symbolpolitik abwerten. Der Sport zeigte seine gesellschaftliche Kraft, schnell und mit einer Hoffnung machenden Geschlossenheit.
Nein, man kann jetzt nicht gegen russische Mannschaften antreten. Nein, man darf Russland nicht mehr die sportliche Bühne für Großereignisse bieten. Nein, man muss kein schmutziges Geld von russischen Sponsoren annehmen. Und: Ja, das alles sind Mosaiksteine im großen Bild gesellschaftlicher Solidarität.
Ausgelöst wurde diese Welle, weil das Unvorstellbare Wirklichkeit wurde: Ein Krieg mitten in Europa, ausgelöst von einem unfreien Regime, das den Sport missbraucht hat, um sich als Großmacht zu profilieren.
Das ist die größte Gefahr, der der kommerzgetriebene Showsport ausgesetzt ist: Im Angesicht des großen Geldes blind zu werden für soziale und gesellschaftliche Verantwortung. Die Fußball-WM gehört nicht nach Katar, die Olympischen Winterspiele in Peking waren der Beweis, dass eine Diktatur das Fest des Weltsports so knebeln kann, dass nur noch eine sterile Inszenierung übrig bleibt.
Der Sport und seine Führung müssen sich verabschieden vom Diktat des Geldes. Die Auswahl von Veranstaltern und Sponsoren darf sich künftig nicht nur danach richten, ob die Sportstätten modern genug sind. Sondern auch daran, ob Menschenrechte geachtet werden.
Erst die Moral, dann das Geld: Der Sport hätte sich das schon immer leisten können. Jetzt, im Angesicht des Krieges, ist er offenbar an vielen Stellen bereit dazu. Selbst die FIFA und das IOC konnten sich dieser Bewegung nicht entgegensetzen und verkündeten drastische Maßnahmen gegen Russland. Das ist eine Überraschung – und ein Zeichen, was innerhalb weniger Tage in Bewegung gekommen ist.