Serie „Wiesmoorer Köpfe“

Tischler und Tüftler sucht Freiheit über den Wolken

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 27.02.2022 09:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Klaus Wilken steht in einer seiner Produktionshallen in Wiesmoor. Das Unternehmen stellt unter anderem Fenster und Türen her. Foto: Wiggermann
Klaus Wilken steht in einer seiner Produktionshallen in Wiesmoor. Das Unternehmen stellt unter anderem Fenster und Türen her. Foto: Wiggermann
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Mit nicht mal 25 Jahren gründete Klaus Wilken ein Unternehmen. In seiner Freizeit geht er gerne in die Luft. Dennoch ist er bodenständig. Einmal wollte ihn eine Nachbargemeinde aus Wiesmoor weglocken.

Wiesmoor - Klaus Wilken betrachtet die Dinge gern von oben. Früher wollte der 49-Jährige mal Luft- und Raumfahrt studieren. Die Pläne zerschlugen sich, ein Überflieger wurde Wilken trotzdem. Im Wortsinn genoss und genießt er die Freiheit über den Wolken. Ob Nordkap oder Griechenland – seine nicht allzu üppig bemessene Freizeit verbringt der Unternehmer gern fliegend. Gut möglich, dass dieser Sport tatsächlich das Fundament für mutige und gleichwohl verantwortbare unternehmerische Entscheidungen abgibt.

Mit seinem Unternehmen für innovative Konstruktionen aus Kunststoff und Aluminium wurde Wilken zum Aushängeschild des heimischen Handwerks und zu einem starken Stück Wiesmoorer Wirtschaft. Mit nicht einmal 25 Jahren gründete er als frisch gebackener Tischlermeister seinen Betrieb. Mit solidem Fachwissen, dem Mut zu einem für ihn eigentlich neuen Material, einem gehörigen Quantum Selbstbewusstsein – und mit einem sehr stark ausgeprägten Bekenntnis zur Heimatstadt.

Bodenständigkeit als Erfolgsgarant

Von der Betriebsgründung am Dobben im Jahr 1997 über mehrere Erweiterungen bis hin zur heutigen Größe von mehr als drei Hektar sei sein Unternehmen stets sachlich und konstruktiv von der Stadt begleitet worden. Als ihm einmal in einer Nachbargemeinde eine Industriefläche deutlich günstiger als in Wiesmoor angeboten wurde, lehnte Wilken ab. Wenn er investiert, dann hier. Bodenständigkeit gehört zu seinem Erfolgsprinzip.

Regional denkt und handelt der Wiesmoorer Unternehmer auch, wenn es um die Zusammenarbeit mit besonders wichtigen Partnern geht: Mit einem Software-Haus in Leer verbindet ihn eine schon 20-jährige Kooperation, die beiden Seiten nutzt: Wilken konnte erfolgreich einen Innovationsschritt nach dem anderen gehen. Schon seit 2001 werden in seinen Hallen Alu- und Kunststoff-Profile automatisch geschnitten, gefräst und gebohrt. Im Laufe der Jahre wurden die computergesteuerten Maschinen immer ausgefeilter.

Er testet Software aus Leer

Wenn eine neue Maschine erdacht wurde, die die Herstellung von Fenstern, Türen, Vordächern oder Wintergärten perfektioniert, landet ein Prototyp bei Wilken in Wiesmoor. „Wollt ihr das testen?“, heißt es dann – und Wilken stellt sich fast immer gern zur Verfügung. „Obwohl ich beim Start oft gar nicht genau sagen kann, ob und wie das unsere Abläufe verbessert“, bekennt der 49-Jährige. Meistens aber passt es sehr gut – und der Wiesmoorer Tüftler ist und bleibt auf dem neuesten Stand seiner Branche.

Interessenten aus Frankreich, Belgien oder China kamen schon, schauten und gingen stets mit dem Gefühl, das Allerneueste der Branche erlebt zu haben. Das Risiko bei den Innovationsschritten ist für den Unternehmer stets überschaubar. „Ich könnte heute noch jedes Fenster, das wir hier in der automatisierten Halle herstellen, auch selber bauen“, versichert der Tischlermeister.

Trotzdem braucht er echte Menschen

Trotz aller Technik braucht Wilken immer noch richtige Handwerker, gelernte Tischler oder Konstruktionsmechaniker. Menschen mit solidem Können bleiben unerlässlich. Gut 40 sind es zurzeit, weitere wären willkommen, es wird kontinuierlich ausgebildet. Nie habe eine Innovationsschritt einen Arbeitsplatz gekostet, sagt Wilken. Im Gegenteil, es würden immer wieder neue geschaffen.

„Mir hat das immer Spaß gemacht“, fasst Wilken zusammen. Er meint damit, immer wieder neue Wege zu gehen; zu probieren, zu tüfteln, kreativ zu sein. Der Wiesmoorer ist eben wirklich gern Überflieger. Im übertragenen Sinn in Schule und Meisterschule, im Wortsinn für sein Hobby über den Wolken, und jetzt eben schon lange auch als Unternehmer und Chef. Denkt er schon über einen Nachfolger nach? Eigentlich möchte sich der 49-Jährige mit solchen Gedanken noch nicht belasten. Vielleicht eine der drei Töchter? Bestimmt würde es ihn freuen, aber klar ist: „Nie würde ich sie dazu zwingen!“

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