Zentralklinik
720 Millionen für die Klinik: „Noch nicht das Ende der Fahnenstange“
Die einen sprechen von einer überzeugenden Präsentation, die anderen warnen vor weiteren Kostensteigerungen: Das Thema Zentralklinik ruft ganz unterschiedliche Reaktionen hervor.
Aurich/Emden - Die einen sind überzeugt, die anderen erschrocken: Die öffentliche Präsentation von Zahlen, Daten und Fakten zur geplanten Zentralklinik am Freitagnachmittag in der Emder Nordseehalle hat bei Auricher Politikern und Aktivisten ganz unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Johannes Kleen (Wiesmoor) ist SPD-Fraktionschef im Kreistag und eines von sechs Mitgliedern in der Gesellschafterversammlung der Kliniken. Er lobt die ausführliche und professionelle Darstellung des Projektes. „Das war eine Forderung aus dem Aufsichtsrat, und die ist erfüllt worden.“
Die immense Kostensteigerung habe ihn nicht überrascht, sagt Kleen. Ihm werde auch nicht angst und bange vor den erwarteten Kosten von 720 Millionen Euro. „Wir haben die Klinik-Standorte Aurich und Norden in den vergangenen zehn Jahren mit 100 Millionen Euro bezuschusst.“ Er sei von Anfang an von der Zentralklinik überzeugt gewesen und sei es nach wie vor.
„Fünf Minuten lang die grausame Wirklichkeit“
CDU-Fraktionschef Sven Behrens (Berumbur) ist wie Kleen Mitglied der Gesellschafterversammlung. „Die Vorstellung der Geschäftsführung und der Projektleitung hat mir sehr gefallen“, sagt Behrens. Die Zentralklinik sei für den Landkreis Aurich ein Gewinn, das Konzept habe ihn überzeugt. Dennoch müsse man jetzt die Kosten im Blick behalten und sich die Wirtschaftlichkeitsberechnung „noch mal im Detail anschauen“. Das sei ja nur eine Folie in der Präsentation gewesen. Sofern die erhofften Fördermittel aus Hannover fließen, „können wir das finanziell stemmen“, meint Behrens.
Alles andere als überzeugt ist die Grünen-Kreistagsabgeordnete Gila Altmann. Die Auricherin ist als scharfzüngige Kritikerin des Projekts Zentralklinik und des Klinik-Geschäftsführers Claus Eppmann bekannt. Über die Veranstaltung am Freitag sagt sie: „Das war eine Präsentation der Superlative. Man hat den Eindruck, da entsteht ein Kurort.“ Zwei Stunden lang seien die Vorzüge der Klinik dargestellt worden „und fünf Minuten lang die grausame Wirklichkeit, was das alles kostet“. Die 720 Millionen Euro seien aus ihrer Sicht „noch lange nicht das Ende der Fahnenstange“. Das sei „das, was sie jetzt zugeben müssen“, so Altmann. Sogar eine Milliarde Euro sei nicht unrealistisch. Eppmann habe sich einen Persilschein für alle Kostensteigerungen geholt. „So zumindest klang das für mich.“ Aus ihrer Sicht müsse man „sich das wirklich noch mal ernsthaft überlegen, ob wir das stemmen können“.
„Notfallversorgung nicht sichergestellt“
„All diese schicken Dinge“, die in der Zentralklinik in Uthwerdum geplant seien, könnte man auch mit Anbauten und Modernisierungen an den jetzigen Standorten Aurich, Emden und Norden verwirklichen, meint Altmann. Dieser Ansicht ist auch das Aktionsbündnis für den Erhalt der wohnortnahen Krankenhäuser. Es hat mit dem Förderverein der Ubbo-Emmius-Klinik Norden und der Wählergemeinschaft „Gemeinsam für Emden“ beim Landkreis Aurich eine Stellungnahme zum Raumordnungsverfahren für die Zentralklinik abgegeben. „Grundlegende Risiken für die medizinische Versorgung, die mit dem Vorhaben der Schließung und Zentralisierung der Krankenhäuser in Aurich, Norden und Emden einhergehen“, seien nicht angemessen berücksichtigt worden, heißt es dort unter anderem.
Insbesondere sei „entgegen den bisher getroffenen Absichtserklärungen der Planer die zugesagte Notfallversorgung rund um die Uhr“ in Aurich, Emden und Norden „keinesfalls sichergestellt“, schreibt Helmut Hagemeister (Hage), einer von 52 Unterzeichnern der Stellungnahme.
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