Betreuung
Ständiges Auf und Zu in Kindergärten im Landkreis Leer
In Moormerland sind Personalprobleme in den Kindergärten an der Tagesordnung. Immer wieder müssen Gruppen oder ganze Einrichtungen in den Notbetrieb. Solche Engpässe kennen auch andere Gemeinden.
Landkreis Leer - Vor einigen Wochen musste in Moormerland ein Kindergarten den Betrieb einstellen. Mehrere Erzieherinnen waren erkrankt, Springerkräfte waren nicht mehr verfügbar. „Die Lage hat sich kaum verbessert“, teilte jetzt Dezernent für Ordnung und Soziales, Timo Pistoor, im Sozialausschuss der Gemeinde mit. Immer wieder gingen einzelne Gruppen oder ganze Kitas in den Notbetrieb. Wir fragten nach, wie die Situation in anderen Gemeinden ist.
Was und warum
Darum geht es: Die Betreuung in den Kindertagesstätten ist derzeit nicht im gewohnten Umfang möglich.
Vor allem interessant für: Eltern
Deshalb berichten wir: In Moormerland wurde in einer Sitzung von anhaltenden Personalengpässen berichtet. Wir wollten wissen, ob das anderen Gemeinden genauso geht. Die Autorin erreichen Sie unter: k.lueppen@zgo.de
Die Reaktion ist gemischt. Personalprobleme in Kindertagesstätten scheinen aber keine Seltenheit zu sein. Das hat offenbar nicht nur mit Fällen von Covid-19 zu tun, sondern mit einer dünnen Personaldecke überhaupt. Davon berichtet Pistoor: „Wir haben alles erdenkliche getan, um Erziehrinnen zu bekommen.“ Auf die letzten Stellenausschreibungen habe es Bewerbungen gegeben, es habe aber schon Anzeigen ohne jede Resonanz gegeben.
„Domino-Effekt“ durch hohe Belastung
Pistoor spricht von einem „Domino-Effekt“: Durch die Krankheitsfälle sowie die mit der Corona-Pandemie verbundenen Einschränkungen sei das verbliebene Personal so belastet, dass es zu weiteren Krankmeldungen komme. Mittlerweile sei das Verständnis bei den Eltern größer geworden, es werde gesehen, dass das Kita-Personal „deutlich mehr arbeitet, und das tagtäglich“, so Pistoor.
„Wir befinden uns mitten im Fachkräftemangel“, sagt Ralf Möhlmann, Allgemeiner Vertreter der Samtgemeinde Jümme. Zwar habe die Personallage noch nicht zu Schließungen geführt, „aber es ist ein ständiges Jonglieren, um die Betreuung sicherzustellen“, so Möhlmann. Als Faktor nennt Möhlmann Änderungen in der Gesetzeslage. So müssen auch in kleinen Kindergartengruppen bis zehn Kinder sowie bei der Betreuung in Randzeiten nun jeweils zwei Betreuungskräfte anwesend sein, dabei ist mindestens für eine Kraft eine qualifizierte Ausbildung vorgeschrieben.
Besseres Angebot, mehr Personal
Vorher durften zum Beispiel in Randzeiten sowie in kleinen Gruppen sozialpädagogische Assistentinnen eingesetzt werden, auch alleine. Das ist nicht mehr möglich, was zu einem höheren Fachkräftebedarf geführt hat. In der Samtgemeinde Jümme sind laut Möhlmann derzeit 40 ausgebildete Erzieherinnen tätig. Dass die Gemeinden das Kindergartenangebot in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut haben, trägt ebenfalls dazu bei. Fast alle Städte und Gemeinden, mit denen wir gesprochen haben, haben aktuelle Stellenausschreibungen für Erzieher und Erzieherinnen auf ihren Internetseiten.
Obendrauf kommt die Corona-Pandemie. Nach Angaben des Heseler Samtgemeindebürgermeisters Uwe Themann befanden sich in dieser Woche in der evangelisch-lutherischen Kindertagesstätte Holtland fünf Mitarbeiterinnen in Quarantäne aufgrund der Pandemie, deshalb habe in einer Kita-Gruppe lediglich eine Notbetreuung angeboten werden können. „Dramatischer ist die Situation in der Krippe, die aufgrund personeller Ausfälle zwei Wochen geschlossen hat und hoffentlich ab Montag wieder ihre Arbeit aufnehmen kann“, teilte Themann mit.
Vertretungen im Dauereinsatz
In den Kindergärten, die von der Samtgemeinde Hesel in Hesel und Neukamperfehn betrieben werden, sowie bei den Krippen in Hesel herrsche ebenfalls eine „sehr angespannte Situation, bislang war es aber möglich, die Ausfälle durch unseren Vertretungspool aufzufangen“, so Themann. Die ständigen Vertretungskräfte seien im Dauereinsatz, genauso wie das Fachpersonal in den einzelnen Gruppen. „Nur durch die hohe Motivation und die Bereitschaft bis an die persönlichen Belastungsgrenzen tätig zu sein, konnten bislang die Personalausfälle durch Corona- wie auch andere Erkrankungen aufgefangen werden“, sagt Themann. Er zolle den Mitarbeitenden großer Dank und Respekt.
In der Gemeinde Uplengen musste nach Angaben des Allgemeinen Vertreters Malte van Mark bisher keine Einrichtung komplett geschlossen werden. Aufgrund von Corona-Fällen und einem allgemein sehr hohen Krankenstand des Fachpersonals mussten laut van Mark tageweise einzelne Gruppen geschlossen oder Notbetreuungen für berufstätige Eltern eingerichtet werden.
Schließung wegen Corona-Infektion
Wie in anderen Gemeinden auch, wurde in Uplengen aufgrund der Pandemie ein eingeschränkter Regelbetrieb angeordnet. Das bedeutet: Die Gruppen bleiben getrennt, Fachkräfte wechseln nicht in andere Gruppen. Damit sollen Ansteckungen eingegrenzt werden. Das Gesundheitsamt Leer habe aufgrund von Corona-Infektionen jedoch für einzelne Gruppen Absonderungsanordnungen erlassen; diese Gruppen mussten laut van Mark daraufhin ebenfalls für mehrere Tage geschlossen werden.
Dagegen berichtet die Stadt Weener zwar von krankheitsbedingten Ausfällen beim Personal, aber diese hätten nicht das „Ausmaß, dass Gruppen oder gar komplette Einrichtungen schließen mussten“, teilte Stadtsprecherin Kerstin Beier mit.
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