Verkehr
Autofahrer werden sich an mobilen Blitzer gewöhnen müssen
Die Stadt Emden hat nach eigenen Angaben „durchweg positive Erfahrungen“ bei den Tests von mobilen Blitzern gemacht. Was Autofahrerinnen und Autofahrer künftig erwartet.
Emden - Autofahrerinnen und Autofahrer sollten künftig in Emden öfter mal den Fuß vom Gaspedal nehmen. Sie müssen sich darauf einstellen, häufiger geblitzt zu werden, und zwar an Stellen, an denen sie zunächst nicht damit rechnen. Die Stadt ist jetzt fest entschlossen, nach erfolgreichen Tests im vergangen halben Jahr so schnell wie möglich einen mobilen Laser-Blitzer anzuschaffen. Die Kosten dafür liegen bei etwa 250.000 Euro, hieß es am Donnerstagabend im zuständigen Fachausschuss des Emder Rates.
Was und warum
Darum geht es: die Geschwindigkeitsüberwachung im Emder Stadtgebiet
Vor allem interessant für: alle Autofahrerinnen und Autofahrer, die im Emder Stadtgebiet unterwegs sind
Deshalb berichten wir: Im zuständigen Fachausschuss des Emder Rates hat die Straßenverkehrsbehörde während der Testphase von mobilen Blitzern berichtet. Unsere Redaktion hat die Sitzung verfolgt. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Die Straßenverkehrsbehörde hatte seit dem Sommer des vergangenen Jahres zwei solcher futuristisch anmutender Anlagen von verschiedenen Herstellern jeweils drei Monate lang versuchsweise an mehreren Standorten im Stadtgebiet eingesetzt. Vornehmlich standen sie vor Schulen, aber auch an anderen Stellen wie an der Auricher Straße, der Trogstrecke oder zuletzt an der Nordertorstraße.
Stadt geht es um mehr Sicherheit
„Die Erfahrungen damit sind durchweg positiv“, sagte Hinrich Post von der Straßenverkehrsbehörde im Ausschuss für öffentliche Sicherheit, Ordnung und Bürgerservice. Er sprach von einem „tollen Instrument für mehr Verkehrssicherheit“. Darum gehe es der Stadt. Geld verdienen wolle sie damit nicht, betonte der Mitarbeiter.
Detaillierte Ergebnisse der Geschwindigkeitsmessungen mit den mobilen Blitzern legte die Verwaltung bislang nicht vor. Nur so viel: Allein in der ersten Testphase seien im vergangenen Sommer an der Auricher Straße in Höhe des Fischgeschäftes Klaassen pro Tag im Schnitt 54 Fälle registriert worden, in denen die zulässige Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde überschritten wurde. In einem Fall sei ein Tempo von „weit über 100“ gemessen worden, so Post.
Geblitzt wird in beide Richtungen
Die Verkehrsexperten wollen dem Rat der Stadt die Anschaffung des Gerätes, das in der ersten Hälfte der Testphase in Emden erprobt wurde, empfehlen. Es handelt sich um den Typ Traffistar S 350 des Herstellers Jenooptik, der im Vergleich zu anderen Anlagen mehrere Vorteile hat. Der wohl größte davon: Mit zwei Kameras können beide Fahrtrichtungen auf jeweils zwei Spuren überwacht werden.
Für die von der Stadt favorisierte Anlage spricht zudem, dass sie sich an vielen Standorten bei einer Laufzeit von bis zu sieben Tagen ohne Personal flexibel einsetzen und leicht bedienen lasse. Eingesetzt werden kann die Messeinheit nicht nur auf einem Trailer, sondern auch mobil auf einem Stativ. Außerdem können die Kameras auch für die fest installierten Blitzer genutzt werden. „Wir können also mit der Messtechnik spielen“, sagte Post. Autofahrer könnten in solchen Fällen nicht erkennen, welche Anlage gerade „scharf“ gestellt sei.
Pannen-Blitzer aus dem Verkehr gezogen
Ein weiterer Vorteil: Wenn die Anlage auf dem Anhänger installiert sei, ließen sich die Kameras auch nicht „zustellen oder verbauen“, sagte der Mitarbeiter. Mit der alternativen Messeinrichtung hatte die Stadt hingegen andere Erfahrungen gemacht. Im Dezember hatten Unbekannte auf der Trogstrecke sie mit Warnbaken aus dem Baustellenbereich verstellt und so Tempomessungen vorübergehend verhindert.
Den Einsatz eines neuen und an verschiedenen Standorten einsetzbaren Blitzers hatte die Stadt angeschoben, nachdem ihr zuletzt verwendetes Gerät vom Typ XV3 des Herstellers Livetec im März des vergangenen Jahres bundesweit aus dem Verkehr gezogen worden war. Sachverständige hatten „unzulässige Messwertabweichungen“ bei diesem Gerät festgestellt.
Zahl der Tempoverstöße sinkt
Mit der neuen „Traffistar“ und den zehn vorhandenen stationären Blitzgeräten des Typs Traffi-Tower, die an den wichtigsten Einfallstraßen stehen, sei die Stadt hinsichtlich der Geschwindigkeitsüberwachung künftig „gut aufgestellt“, so Post. Allerdings müssten die vorhandenen Anlagen nach und nach auf lasergestützte Technik umgerüstet werden. Die sei „moderner, besser und wartungsfreier“.
Die Zahl der an den zehn stationären Blitzern registrierten Tempoverstöße ist nach Angaben des Verwaltungsmannes in den vergangenen fünf Jahren deutlich zurückgegangen. Sie sank von insgesamt 15.981 im Jahr 2017 auf 7.979 im vergangenen Jahr. Daran lasse sich ablesen, dass sich das Verhalten der Autofahrerinnen und Autofahrer verbessert hat. Entsprechend rückläufig sind auch die Einnahmen der Stadt aus dem Bußgeld. Die Gesamtsumme ist von knapp 464.000 Euro im Jahre 2017 auf rund 223.000 Euro zurückgegangen.
Auch Corona macht sich bemerkbar
In den Jahren 2020 und 2021 sei der Rückgang aber auch der Corona-Pandemie geschuldet gewesen. Das zeigte sich besonders an den beiden Blitzern an der Auricher Straße in Harsweg. Dort fuhren vor allem im ersten Krisenjahr weniger Temposünder in die Falle, weil es kaum Urlaubsverkehr an die Küste und zu den Inseln gab.
An diesen beiden Säulen sowie an dem Blitzer, der an der Petkumer Straße im Stadtteil Friesland stadtauswärts die Geschwindigkeit der Fahrzeuge misst, werden jährlich die meisten Verstöße registriert. An der Auricher Straße bewegen sie sich stadtauswärts zwischen 3.803 im Jahr 2017 und 2.185 im vorigen Jahr, in Friesland stadtauswärts zwischen 3.909 (2017) und 2.082 (2021).
Am wenigsten Überschreitungen der zulässigen Geschwindigkeit werden hingegen an den stationären Anlangen an beiden Seiten der Petkumer Straße in Borssum festgestellt. Im vergangenen Jahr waren es dort zusammen 45. Das könne aber auch mit längeren Wartungs- und Reparaturzeiten zusammenhängen, so Post.