Kolumne: Intern
Liveticker sind ein Fest für Journalisten
Während der Stürme des vergangenen Wochenendes konnten wir Journalisten zeigen, was wir können, und wir berichteten in Echtzeit in einem Liveticker. Dahinter steckt eine detaillierte Planung.
Drei Tage lang haben wir voriges Wochenende auf unserer Onlineseite über den Sturm berichtet. In Echtzeit berichteten wir, wo gerade was los war, wo der Sturm besonders wütete und welch unglaublichen Einsatz die Feuerwehren brachten, um für unser aller Sicherheit zu sorgen. Wir befüllten einen Liveticker. Das ist eine Software, die wir gemietet haben und auf unserer Webseite einbetten, und die es uns ermöglicht, mit wenig Aufwand, von allen möglichen Orten parallel an einem Artikel zu schreiben. Liveticker hatten wir bei der Kommunalwahl eingerichtet, Fußballfans kennen sie von den Spieltagen, und auch bei brisanten Stadtratsentscheidungen nutzen wir dieses „Helferlein“, das uns so aktuell macht, wie ein Radiosender.
Zur Person
Joachim Braun (56) ist Chefredakteur der Ostfriesen-Zeitung, des General-Anzeigers und der Borkumer Zeitung. Davor leitete er die Redaktionen der Frankfurter Neuen Presse und des Nordbayerischen Kurier in Bayreuth. 2012 wurde er von einer Fachjury zu Deutschlands „Regional-Chefredakteur des Jahres“gewählt.
Bei den Stürmen am Wochenende hat sich das gelohnt. Weit mehr als 60.000 Zugriffe hatten wir. Die Leser verbrachten auf dem Artikel 5000 Stunden, 20 Mal mehr als auf dem nächstplatzierten Artikel. Das hatte ganz viel damit zu tun, wie die Kollegen berichteten - ich darf das loben, ich war ja nicht beteiligt. Sie übermittelten nicht einfach neueste Nachrichten, sondern sie hatten auch einen Blick auf die kleinen Details und schrieben immer mit einem Augenzwinkern. Ich habe das als Leser sehr genossen.
Dahinter stand aber gewissenhafte Vorbereitung (wir wussten ja, dass die Stürme kommen). In jeder Lokalredaktion war mindestens ein Kollege zuständig für die Sturm-Berichterstattung, und die Digitalredaktion arbeitete in Doppelschichten. Carmen Leonhard, stellvertretende Chefredakteurin, leitete die Aktion. Sie hielt ständig Verbindung zu den Reportern und zur Onlineredaktion, die die Meldungen in den Ticker einpflegte. Sie alle kommunizierten parallel über die Software Slack, und sie standen voll unter Adrenalin. So macht Journalismus richtig Spaß. Da gab es auch keinen Redaktionsschluss. Alle Beteiligten arbeiten bis nach 1 Uhr nachts, auch wenn sie vormittags schon begonnen hatten. Meine Hochachtung und meinen Dank habe ich ihnen am nächsten Tag gleich übermittelt.
Kontakt: j.braun@zgo.de
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