Osnabrück

Vater mit 58 Jahren: Wie viel Ferch steckt in „Nie zu spät“?

Frank Jürgens
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Von Frank Jürgens
| 22.02.2022 18:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Heino Ferch im Gespräch über seine Rolle in der ARD-Produktion „Nie zu spät“, die zufällige, aber erstaunliche Parallelen zu seinem Leben aufweist.

Heino Ferch gehört zu den gefragtesten Schauspielern Deutschlands. Besonders historische Stoffe scheinen ihn magisch anzuziehen. Ob in Kinofilmen wie „Comedian Harmonists“ oder in TV-Großprojekten wie „Ku’damm“ und zuletzt Uli Edels „Der Palast“ – seine Auftritte bleiben in Erinnerung.

Aber neben Großprojekten hat er auch Zeit für kleinere Produktionen wie den TV-Film „Nie zu spät“, den Das Erste am Samstagabend ausstrahlt. Darin spielt er den leicht stinkstiefeligen Flugkapitän Paul, der sich zwischen Beruf und Familie entscheiden muss. Was Paul, der in dritter Ehe noch einmal Vaterfreuden erleben darf, alles andere als leicht fällt. Zumal er kurz vor dem Ende seiner beruflichen Karriere ein Angebot bekommt, das er unmöglich ablehnen kann.

Was macht diese Rolle so attraktiv? „Gereizt hat mich natürlich dieses etwas noch in den 1980ern oder noch früher verhaftete Selbstbild des Mannes“, betont Ferch im Gespräch mit unserer Redaktion. „Dieser etwas aus der Zeit gefallene Mann, der sich als eine Art ‘König der Lüfte’ sieht ist jemand, der komplett in seinem Beruf aufgeht, der seinem Arbeitsleben alles unterordnet, was ja auch zum Schmunzeln anregt. Und natürlich ist es auch schwer ‘nein’ zu sagen, wenn einem zum Schluss der Karriere noch das attraktivste angeboten wird, was einem der Job bieten kann. Obwohl er seiner dritten Ehefrau ein Versprechen gegeben hat, das ihn auf einen ganz anderen Weg bringen sollte.“

Im Film gibt es einige überraschende Parallelen zwischen Ferchs Rolle und seinem wahrem Leben. Dass Ferch im vergangenen Sommer selber noch einmal Vater geworden ist, ist eine. „Ja, klar“, sagt er. „Das ist eine Parallele zum Film. Und dass mein Beruf viel mit weg sein zu tun hat, ist auch eine Parallele, die man ziehen kann. Aber ansonsten ist die Figur natürlich schon recht weit von mir entfernt.“

Trotzdem gibt es noch eine weitere, indirekte Parallele. In seiner Rolle ist er als Flugkapitän zu sehen. Im wahren Leben war sein Vater Kapitän zur See. „Das ist richtig, genau“, bestätigt Ferch. „Ich habe verrückter Weise im letzten Jahr auch bei Pantaleon Films in ‘Die Geschichte der Menschheit – Leicht gekürzt’, der im Juni in die Kinos kommen soll, den Captain Smith gespielt, der die Titanic an den Eisberg gelenkt hat. Das war quasi zweimal in memoriam meines Vaters. Einmal auf der Brücke, einmal in der Luft jeweils mit Streifen auf den Ärmeln und Schultern.“

Bleibt die Frage, wie der passionierte Schauspieler Ferch damit umgehen würde, wenn er sich zwischen Beruf oder Familie entscheiden müsste. Kann sich der Schauspieler Heino Ferch ein Leben ohne Rollen, ohne Schauspiel vorstellen? Was würde dieser Verzicht mit ihm machen?

„Ach, das weiß ich nicht, ganz ehrlich“, sagt Ferch. „Ich habe eine grosse Leidenschaft für meinen Beruf. Und ich habe viel zu tun, aber ich habe auch mal eine Zeitlang keine Dreharbeiten und kann mich da komplett um die Familie kümmern. Es ist eine sehr angenehme Abwechslung von volle Power im Beruf und dann wieder wochenlang volle Power mit den Kindern und der Familie, und das ist eine Supermischung!“

Demnächst wird wieder gedreht. Unter anderem steht er für die ambitionierte sechsteilige Serie „Seed – Die Saat“ vor der Kamera. „Da geht es um die Machenschaften der Saatguthersteller und die Verflechtungen aus Politik und Wirtschaft“, verrät er. „Die Dreharbeiten beginnen im Mai in Norwegen, Deutschland, in Brüssel. Das ist eine europäische Koproduktion und da spiele ich eine der Hauptrollen.“

Sendetermin: „Nie zu spät“. Das Erste, Samstag, 26. Februar 2022, 20.15 Uhr. Ab Freitag auch in der ARD-Mediathek verfügbar.

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