Bildung

FCSO ist „heiß“ auf Südbrookmerland

Ole Cordsen
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Von Ole Cordsen
| 22.02.2022 17:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Vorstandssprecher Konrad Huismann (links) und Schulleiter Christian Hunsmann sind guter Dinge, dass es mit einer Ansiedlung in Südbrookmerland klappt. Foto: Cordsen
Vorstandssprecher Konrad Huismann (links) und Schulleiter Christian Hunsmann sind guter Dinge, dass es mit einer Ansiedlung in Südbrookmerland klappt. Foto: Cordsen
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Die Freie Christliche Schule Ostfriesland will ab 2023 eine Zweigstelle in Moordorf betreiben. Vorbereitungen dafür laufen, das Werben verstärkt sich – doch die Politik muss erst entscheiden.

Veenhusen/Moordorf - Rund 1250 Kinder und Jugendliche machen sich Schultag für Schultag teils aus ganz Ostfriesland auf, um zur Freien Christlichen Schule Ostfriesland (FCSO) nach Veenhusen zum Unterricht zu fahren. Teils kommen sie von weit her, aus Berumerfehn, aus Norden, Emden, von der Grenze zum Emsland bis zur Küste – und sogar ein Stück über Ostfriesland hinaus. Geht es nach den Verantwortlichen, kommt ab dem Sommer 2023 ein neuer Standort in Moordorf hinzu, in einem Teil der Haupt- und Realschule, die zum Sommer aufgelöst wird. Christian Hunsmann, Schulleiter der FCSO sagt, dass man grob schon darauf hoffe und damit rechne, drei Klassen pro Jahrgang an der neuen möglichen Zweigstelle füllen zu können. „Wir haben immer wieder Anfragen von Eltern gerade aus dem nördlichen Ostfriesland bekommen, ob wir nicht auch dort, im Landkreis Aurich, mit einer Schule präsent sein könnten“, sagt er.

„Eltern waren es auch, die uns auf die leer laufende Schule in Moordorf aufmerksam gemacht haben, woraufhin wir mit der Gemeinde in Kontakt getreten sind.“ Hunsmann brennt für die Idee, in Südbrookmerland einen ganz neuen Schulstandort aufzubauen. „Ich bin heiß“, sagte er am Dienstag bei einem Pressegespräch. Und weil in den vergangenen Monaten, in denen die FCSO ihr Interesse an einer Weiternutzung der Schulräume in Moordorf anklingen lassen hat, sich schon diverse Eltern von Viertklässlern in Veenhusen gemeldet haben, „denken wir konkret darüber nach, schon zum Sommer eine zusätzliche 5. Klasse nur mit Südbrookmerlandern einzurichten, die dann zunächst in Veenhusen beginnen und ab dem kommenden Jahr dann in Moordorf unterrichtet werden könnte“, sagt Hunsmann. Und Konrad Huismann, Vorstandssprecher der Schule sagt: „Es sind sehr viele Eltern von Viertklässlern an uns herangetreten, die gesagt haben, wir wissen nicht, was mit unseren Kindern passiert. Die Politik spürt den Druck. Wir wissen, was wir wollen. Der Raum ist da, aber ab Sommer keine Schule mehr.“

Rat soll bald entscheiden

Entschieden ist in der Sache bei allem noch nichts. Der Rat der Gemeinde Südbrookmerland müsste zunächst zustimmen, einen Teil der HRS Moordorf an die FCSO zu vermieten. In einem Trakt, das steht schon fest, wird eine Kita eingerichtet. Diese Entscheidung will die SPD-Fraktion im Gemeinderat schon in der für den 3. März angesetzten nächsten Ratssitzung herbeiführen. Sie wirbt massiv dafür, einer Ansiedlung zuzustimmen. Sie beantragt, die übrigen Gebäudeteile der Haupt- und Realschule „schnellstmöglich zur Verfügung zu stellen“. Denn: „Das Interesse in der Gemeinde ist erwartungsgemäß sehr groß.“ Zudem fordert die Fraktion die Gemeindeverwaltung „höflichst auf, entscheidende Beschlüsse zur Ermöglichung des Schulstarts der FCSO zum Schuljahr 2022/2023 mit der 5. Klasse in der kommenden Ratssitzung zu fassen“, schreiben Helga Gloger und Hange Ukena als Fraktionsvorsitzende.

Im Rathaus der Gemeinde Südbrookmerland in Victorbur ist man ein Stück weit zwiegespalten. „Grundsätzlich ist das Thema von der Politik ja wohlwollend positiv aufgenommen worden – und von Eltern, wie sich abzeichnet, ebenfalls“, sagt Vize-Verwaltungschef Wilfried Müller. „Und eine gute und vielfältige Schul-Landschaft zu haben, ist natürlich im Interesse der Gemeinde. Zugleich bedeutet jede neue Schule natürlich eine Konkurrenz zu den bestehenden Schulen. Wie groß der Einfluss auf die IGS Marienhafe-Moorhusen sein wird, wie viele Schüler künftig dann stattdessen ein mögliches Angebot der FCSO in Moordorf nutzen würden: Das ist für uns aktuell noch unmöglich abzuschätzen, aber gerade in Moorhusen haben wir selbst ja kürzlich erst kräftig investiert und unter anderem eine neue Mensa angebaut“, sagt er. Bedenken an der Stelle gebe es durchaus. Die Sorge dabei ist, die FCSO könnte den Regelschulen zu viele Schüler abziehen. Das Thema sei auch auf der Agenda der Arbeitsgemeinschaft IGS Marienhafe-Moorhusen an diesem Dienstag gewesen. Die Unterstufe der IGS ist in Südbrookmerland angesiedelt, die höheren Klassen in Marienhafe (Brookmerland). Auch dort ist von Skepsis mit Blick auf die Ansiedlung der Moormerländer zu hören.

„Wir wollen die eierlegende Wollmilchsau sein“

Die FCSO ist eine Schule in privater Trägerschaft mit zwei Standorten in Veenhusen: Dort gibt es eine dreizügige Grundschule (250 bis 300 Kinder) sowie eine fünfzügige Sekundarstufe 1 mit einer gymnasialen Oberstufe (rund 1000 Schüler). Träger der Schule ist der Verein für Evangelische Schulerziehung in Ostfriesland (VES), in dem sich Eltern und Förderer aus verschiedenen Kirchen, Freikirchen und Gemeinschaften zusammengeschlossen haben. Der Besuch der Schule kostet Eltern 132 Euro pro Monat fürs erste Kind, 80 fürs zweite, 55 fürs dritte und 35 fürs vierte. Hinzu kommen Transportkosten für die Kinder, da die Landkreise in der Regel nur die Busfahrt bis zur nächstgelegenen öffentlichen Schule übernehmen.

FCSO-Leiter Christian Hunsmann sagt: „Unsere Schule ist in ihrem Konzept in Norddeutschland einzigartig: Wir verfolgen zwar auch ein Gesamtschulkonzept, aber eins, bei dem gleichzeitig die Klassen zusammenbleiben, aber in den wichtigen Hauptfächern nach Hauptschule, Realschule und Gymnasium differenziert unterrichtet werden. Trotzdem müssen Schüler so keine Sorge haben wie in einem dreigliedrigen System, dass sie ihre Klasse verlassen und ihre Freunde verlieren, wenn die Noten nicht reichen sollten.“ Seine Privatschule könne sich „das nehmen, was es noch nicht gibt, und das ist für uns die eierlegende Wollmilchsau, die wir sein wollen“, so Hunsmann. „So gibt man den Jugendlichen aber die Chance, sich zu entwickeln, ohne sie direkt aus einer Gruppe zu reißen.“

Ziel: Gespräch mit Skeptikern

Bibel-Unterricht sei an der FCSO zwar ebenso verpflichtend wie fünfminütige Morgenandachten, werde aber nicht bewertet, und die kritische Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben sei ausdrücklich willkommen. „Wir sind für alle Weltanschauungen und Glaubensrichtungen offen“, versichert der Schulleiter.

Mit den Skeptikern wolle man ins Gespräch kommen, biete auch jedem eine Schulführung in Veenhusen an, um sich zu erklären und das Angebot kennenzulernen. „Wir verstehen uns auch nicht in Konkurrenz, sondern in Ergänzung zu den öffentlichen Schulen“, sagt Hunsmann – auch wenn die Schulen ja dieselben Kinder und Jugendlichen als Zielgruppe haben.

Auch sei noch nicht entschieden, ob man – falls die Politik, wie es sich abzeichnet, der Ansiedlung in Moordorf zustimmt – dort einen eigenen Gymnasialzweig aufbaue, oder diesen nur in Veenhusen belasse.

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