Hannover
Niedersachsen: Klingeln Impf-Teams demnächst an der Tür?
Das Land Niedersachsen will seiner eingeschlafenen Impfkampagne wieder auf die Beine helfen. Doch wie kann das gelingen?
In Niedersachsen lassen sich kaum noch Menschen gegen Corona impfen. „Das geht nicht brauchbar voran“, sagte Heiger Scholz, Leiter des Corona-Krisenstabs der Landesregierung, am Dienstag in Hannover. Derweil ist das Land laut Regierungssprecherin Anke Pörksen momentan dabei, seiner Impfkampagne nochmal auf die Beine zu helfen.
Erst kürzlich war bekannt geworden, dass das Land eine weitere Million Euro in die Hand nimmt, um für Corona-Schutzimpfungen zu werben. In einem ersten Schritt standen für die im Sommer vorigen Jahres gestartete Werbekampagne 3,9 Millionen Euro zur Verfügung. Nach den Worten Pörksens berät sich die Landesregierung derzeit mit einer Agentur darüber, wie das Geld möglichst effektiv in Impf-Werbung investiert werden kann. Details dazu sollen in Kürze bekanntgegeben werden, kündigte Pörksen an. Außerdem stehe das Land im Austausch mit den Kommunen und sei auf der Suche nach vorbildlichen Impf-Ideen, die sich möglicherweise auf das ganze Land übertragen lassen. Ein Ansatz: Die mobilen Impfteams gehen in Orts- oder Stadtteile mit geringer Impfquote, klingeln an den Türen und versuchen die Menschen per direkter Ansprache von einer Impfung zu überzeugen und diese auch gleich vorzunehmen.
Nach Angaben des Sozialministeriums wurden in der vergangenen Woche gerade einmal 126.000 Menschen in Niedersachsen gegen Corona geimpft. „Solche Zahlen hatten wir im Dezember an einem Tag“, machte Krisenstabsleiter Scholz das Dilemma deutlich. Gleichzeitig sagte Scholz, dass Niedersachsen für die kommende Woche eine Lieferung von 140.000 Novavax-Impfstoffdosen erwarte. „Auch diejenigen, die den bisher eingesetzten mRNA- und Vektorimpfstoffen skeptisch gegenüberstehen, haben nun eine Alternative. Alle zugelassenen Impfstoffe sind sicher und schützen zuverlässig vor schweren Krankheitsverläufen“, betonte Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) Anfang dieses Monats als zeitgleich eine Warteliste für Termine mit dem Proteinimpfstoff von Novavax eröffnet wurde. Allerdings haben sich laut Ministerium aktuell erst etwas mehr als 7800 Menschen für einen Novavax-Impftermin vormerken lassen. Scholz erneuerte daher den Aufruf: „Wer den bisherigen Impfstoffen nicht traut, kann sich mit Novavax impfen lassen. Es wird genügend Impfstoff zur Verfügung stehen“, versicherte der Leiter des Krisenstabs und stellte in diesem Zusammenhang fest: „Wir haben kein Informationsproblem, sondern wir brauchen deutlich vor dem nächsten Herbst eine allgemeine Impfpflicht.“
Novavax-Impftermine können vereinbart werden unter der Nummer (0800) 99 88 665. Weitere Informationen zur Schutzimpfung und den Impfangeboten in Niedersachsen gibt es unter www.impfen-schuetzen-testen.de. Im bundesweiten Vergleich hat Niedersachsen mit 78,1 Prozent der Einwohner mit mindestens einer Impfung, 76,8 Prozent mit Grundimmunisierung und 60,9 Prozent mit Auffrischungsimpfung bereits vergleichsweise hohe Impfquoten.
Unterdessen ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen nach einer leichten Entspannung zum Wochenstart am Dienstag wieder etwas gestiegen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 1123,3 nach 1107,6 am Montag. Die sogenannte Hospitalisierungsinzidenz sank dagegen von 10,7 auf 10,3. Der Wert gibt an, wie viele infizierten Patientinnen und Patienten pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche neu in Kliniken aufgenommen wurden. Die Auslastung der Intensivstationen mit Covid-19-Patienten stieg von 5,4 auf 5,9 Prozent.
Da das Gesundheitssystem angesichts dieser Werte nicht vor einer Überlastung stehe, hält das Land laut Regierungssprecherin Pörksen daran fest, ab diesem Donnerstag die ersten zwischen Bund und Ländern vereinbarten Corona-Lockerungen umzusetzen. In einem ersten Schritt sollen dann zumindest für Geimpfte und Genesene keine Kontaktbeschränkungen bei privaten Treffen mehr gelten. Bei Ungeimpften soll es zunächst dabei bleiben, dass sich nur ein Haushalt plus zwei weitere Personen aus einem anderen Haushalt treffen dürfen. Auch Großveranstaltungen mit bis zu 6000 Personen drinnen und maximal 25.000 Besuchern draußen sollen dann wieder möglich sein. „Wir brauchen keine Notbremse zu ziehen und können in die Lockerungen einsteigen“, sagte Pörksen, rief die Menschen aber gleichzeitig dazu auf, weiter aufzupassen. Es gelte, weiter achtsam zu bleiben und nicht leichtfertig zu werden, um die Auslastung der Kliniken im Griff zu behalten und weitere Lockerungsschritte nicht zu gefährden. Die neue Corona-Verordnung des Landes soll an diesem Mittwoch vorgestellt werden und am Donnerstag in Kraft treten.