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Lidl-Pläne für Wolthusen in Geheimabstimmung vorangebracht

Gordon Päschel
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Von Gordon Päschel
| 22.02.2022 13:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Lidl-Markt an der Folkmar-Allena-Straße entspricht nicht mehr den neuesten Ansprüchen. Der Konzern möchte erweitern und modernisieren, am liebsten mit einem Neubau in Wolthusen. Foto: F. Doden
Der Lidl-Markt an der Folkmar-Allena-Straße entspricht nicht mehr den neuesten Ansprüchen. Der Konzern möchte erweitern und modernisieren, am liebsten mit einem Neubau in Wolthusen. Foto: F. Doden
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Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurden die Weichen für einen Lidl-Umzug im Emder Stadtteil Wolthusen gestellt. Die Pläne sind weitreichend – und umstritten. Es geht um mehr als einen Supermarkt.

Emden - Der Supermarkt-Discounter ist seinem Ziel für einen Neubau im Emder Stadtteil einen Schritt näher gekommen: Nach mehrmonatiger Bedenkzeit haben sich die Fraktionen des Emder Rates in der vergangenen Woche mehrheitlich für einen Umzug auf die grüne Wiese ausgesprochen. Die Entscheidung fiel hinter geschlossener Tür im nicht-öffentlich tagenden Verwaltungsausschuss (VA).

Was und warum

Darum geht es: Vordergründig um den Umzugswunsch von Lidl in Wolthusen. Die Pläne führen allerdings zu einer heiklen Grundsatzdebatte.

Vor allem interessant für: diejenigen, die gerne bei Lidl in Wolthusen einkaufen, die auf der Suche nach Bauland sind oder die im Spannungsfeld zwischen Naturschutz und Stadtentwicklung stehen.

Deshalb berichten wir: Der Verwaltungausschuss hat in nicht-öffentlicher Sitzung eine erste Grundsatzentscheidung getroffen.

Den Autor erreichen Sie unter: g.paeschel@zgo.de

Die Lidl-Pläne sehen vor, einen bestehenden Markt in einer Wohnsiedlung aufzugeben. Dafür hat der Konzern in der Nähe 2,7 Hektar weitgehend unbebautes Grünland gekauft. Die Flächen liegen nur einen Steinwurf vom alten Standort entfernt zwischen der Uphuser Straße und dem Ems-Jade-Kanal.

Attraktives Bauland am Wasser

Die Lage ist attraktiv. Vorgesehen ist deswegen eine Zweiteilung des Gebietes: Im nördlichen Teil – zur Hauptstraße hin – soll ein neuer, größerer Supermarkt inklusive Parkplätzen entstehen. Zum Wasser hin können neue Wohnbaugrundstücke erschlossen werden. Allerdings ist für eine Umsetzung das letzte Wort noch lange nicht gesprochen. Das planungsrechtliche Verfahren nimmt gerade erst Fahrt auf.

Sowohl der angedachte Umzug als auch der mehr oder weniger heimlich getroffene Grundsatzbeschluss sind nicht unumstritten. Kritik kommt von der CDU und der Ratsfraktion „Grüne feat. Urmel“. Beide haben im VA nach eigenen Angaben gegen die Vorlage der Verwaltung gestimmt. Die ungleichen Partner einen dabei Umweltargumente. „Die Emder CDU bekennt sich zum Ziel der Stadt, bis 2050 klimaneutral zu sein“, heißt es in der Stellungnahme des Kreisverbandsvorsitzenden Wilke Held. Konsequenterweise könne man dann aber nicht alles so weiterführen, wie bisher. Die CDU tut sich nach eigenem Bekunden schwer mit neuen Baugebieten abseits des geplanten Mega-Baugebietes Conrebbi-West.

„Knackpunkt“ Umweltschutz

Als „Knackpunkt“ in den Plänen bezeichnet Christian Nützel (Bündnis 90/Die Grünen), dass die von Lidl angepeilte Versiegelung naturschutzrechtlich sensible Flächen betrifft. Zum 1. Januar 2021 wurde das Gebiet als „mesophiles Grünland“ deklariert. Wer ein solches Biotop als Bauland nutzen will, muss seinen Schritt gut begründen und einen Ausgleich schaffen. Nur dann gibt es eine Ausnahmegenehmigung.

Aus Sicht der Stadt und auch aus Sicht der stimmenstärksten Fraktion im Rat, der SPD, sind diese Gründe hinreichend gegeben. Zum einen befinden sich die Flächen innerhalb des Stadtautobahnringes und grenzen an die bestehende Wohnbebauung in Wolthusen an. Damit erfüllen sie eine wichtige Voraussetzung, zu den Zielen der Stadtentwicklung zu passen, heißt es. Zum anderen, argumentieren die Befürworter der Lidl-Pläne, könne sich der Konzern am alten Standort im Wohngebiet nicht zukunftsfähig aufstellen. Man habe auch deswegen zugestimmt, weil „eine Erweiterung der Verkaufsflächen von Lidl an der jetzigen Stelle nicht möglich ist und wir einen größeren Nahversorger im Bereich Wolthusen auf Dauer brauchen“, so FDP-Fraktionschef Erich Bolinius, dessen Fraktion im VA ebenfalls grünes Licht für den Lidl-Deal gab.

Zweifel an der Notwendigkeit

Aber ist das wirklich so? Kann sich Lidl an der Folkmar-Allena-Straße tatsächlich nicht zukunftsfest aufstellen? Zumindest die CDU-Fraktion um ihren Vorsitzenden Gerold Verlee hat daran so ihre Zweifel: „Wir glauben, dass es am jetzigen Standort noch Potenzial gibt“, sagt er. Er verweist auf einen leer stehenden Gebäudeteil im jetzigen Lidl-Markt, der in seinen Augen für eine Erweiterung der Verkaufsfläche genutzt werden könnte. Außerdem will er von Verhandlungen über mögliche Grundstückszukäufe gehört haben.

Fakt ist: Sofern es Lidl gelingt, sich am alten Standort zu entwickeln, entfiele der wichtigste Grund für den Umzug und für die Versiegelung des mesophilen Grünlands. Gleichzeitig könnte damit ein lukrativer Immobiliendeal obsolet werden. Denn ohne die endgültige Zustimmung des Emder Rates für die Ausweisung neuen Baulands würde auch die Wohnbebauung am Kanal verhindert werden.

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