Sicherheit

Sirenen-Alarm an Sturmtagen verunsichert Emder: Das war los

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 21.02.2022 16:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Während der Stürme in den vergangenen Tagen schlugen auch mehrfach die Sirenen Alarm. Bild: Büttner/dpa
Während der Stürme in den vergangenen Tagen schlugen auch mehrfach die Sirenen Alarm. Bild: Büttner/dpa
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Viermal erklangen an den Sturmtagen die Stadt-Sirenen in Emden. Das sorgte für Spekulationen in der Bevölkerung. Drohte der Katastrophenfall? Die Verunsicherung offenbart eine große Sicherheitslücke.

Emden - An den Sturmtagen sorgten sie in Emden für einige Verwirrung: die Stadt-Sirenen. Gleich viermal waren sie zu hören - unter anderem am Freitagmorgen - und führten zu Spekulationen insbesondere in den sozialen Medien. Ein Entwarnungston, ein einmütiger Dauerton, war nach den Alarmen nicht erklungen, hieß es unter anderem in einem Kommentar bei Facebook. Drohte also die Katastrophe?

Nein, denn der Alarm galt allein den Feuerwehrleuten und unterschied sich in der „Melodie“ von der Katastrophenwarnung. Der Feuerwehr-Alarm aber ist den Emderinnen und Emdern wohl am geläufigsten. Aus gutem Grund: Jeden zweiten Samstag erklingt zur Probe in der Seehafenstadt diese Tonabfolge, erklärt Uwe Weets, Brandmeister für die Freiwillige Feuerwehr Emden-Borssum. Das ist ein gleichbleibender Dauerton, der zweimal unterbrochen wird. Beim Katastrophenalarm ertönt hingegen ein auf- und abschwellender Ton.

Früher ertönte Feuer-Alarm ständig

Früher sei der Feuer-Alarm zu jedem Einsatz erklungen, so Weets. Heute würden die Einsatzkräfte digital über Notfallmelder oder Handys alarmiert - normalerweise. Bernd Lenz, Leiter der Hauptberuflichen Wachbereitschaft, erklärt auf Nachfrage dieser Zeitung über die Stadt-Pressestelle, dass es über die Sturmtage drei Sirenenalarme für die Einsatzkräfte im Stadtteil Wybelsum gegeben habe sowie einen für die Ortsfeuerwehren Widdelswehr/Petkum und Borssum. „In der Regel werden die Emder Feuerwehren über digitale Funkmeldeempfänger alarmiert“, schreibt auch er. Das sei ein sogenannter „stiller Alarm“. In Wybelsum aber gebe es „große Funklöcher“ und die stille Alarmierung funktioniere dort nur teilweise. „Daher wird neben der stillen Alarmierung auch immer die Sirene parallel ausgelöst. So werden möglichst viele Feuerwehrleute erreicht.“

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Auch bei dem Scheunenbrand in Petkum am Freitagmorgen seien die Ortsfeuerwehren Widdelswehr/Petkum und Borssum ebenfalls per Funkmeldeempfänger und Sirene alarmiert worden, so Lenz. Die Begründung hier: „Bei Tiefdruckwetterlagen wie am vergangenen Freitag zeigen sich immer wieder Funklöcher im Stadtgebiet.“ Um zu verhindern, dass dringend benötigte Einsatzkräfte womöglich eine „stille“ Alarmierung nicht erreicht, könne der Ortsbrandmeister „im Rahmen einer Einzelfallentscheidung die Leitstelle auffordern, neben den Funkmeldeempfängern parallel die Sirenen auszulösen“, erklärt Bernd Lenz.

Stadt will stärker über Sirenen aufklären

Die Bevölkerung wegen der Sirenen vorzuwarnen, um Verunsicherung zu verhindern, sei bei „diesen zeitkritischen Einsätzen unmöglich“, so Lenz. Und eine Entwarnung nicht nötig, da ja die Bevölkerung nicht gewarnt wurde. Die Stadt will aber noch stärker über die Sirenentöne und ihre Bedeutung sowie das dann richtige Verhalten der Bevölkerung aufklären. Denn: Es ist fraglich, ob viele Menschen am Sturmwochenende richtig gehandelt hätten, wenn tatsächlich Katastrophenalarm ausgelöst worden wäre. „Im Frühjahr wird die Stadt eine groß angelegte Bevölkerungsinformation zur Bedeutung der Sirenenalarme starten“, heißt es von der Stadtpressestelle.

Plakate und Hinweisschilder sollen im Stadtgebiet aufgestellt werden, zusätzlich sollen Informationsblätter verteilt werden. „Die Sirenen werden in Zukunft eine größere Bedeutung bekommen“, heißt es in der Mitteilung. Nicht zuletzt habe der Bund den Ausbau des Sirenennetzes mit rund 90 Millionen Euro gefördert. Der Schrecken, der die Überschwemmung im Ahrtal bei der Bevölkerung auch in Emden ausgelöst hat, habe für Naturkatastrophen sensibilisiert, meint Uwe Weets.

Emden: Stadt der Sirenen

Eine Recherche dieser Zeitung aus dem August 2020 hat ergeben, dass in Emden so oft ein Probealarm für den Katastrophenfall oder ein großes Schadensereignis ausgelöst wurde wie in keinem anderen ostfriesischem Ort. Demnach wird in Emden seit 2019 alle zwei Monate jeweils mittwochs um 10 Uhr ein Probealarm ausgelöst. Die insgesamt 20 Sirenen auf öffentlichen Gebäuden geben dann eine Minute lang einen auf- und abschwellenden Ton ab. Damit wird die Bevölkerung vor besonderen Gefahren wie etwa Unwetter, Sturmfluten, Großbrände oder Chemieunfälle gewarnt. Zehn Minuten später wird Entwarnung mit einem Dauerton von einer Minute gegeben. Außerhalb Emdens gibt es solche Probealarme für den Katastrophenfall kaum.

Immer mehr Kommunen setzen allein auf eine digitale Alarmierung. Weil das aber nicht immer alle Leute erreicht, melden auch wieder mehr Kommunen an, dass sie eine Sirene haben möchten - wie etwa in den Gemeinden Krummhörn und Hinte. Der erste bundesweite Warntag im September 2020 hatte offenbart, dass es im ganzen Land Lücken bei der Warnung der Bevölkerung gibt. Zum einen wurde deutlich, dass es vielerorts gar keine Sirenen mehr gibt, zum anderen kam die Meldung der Warn-Apps Nina und Katwarn erst mit einer guten halben Stunde Verspätung auf den Smartphones an. Wäre es ein Ernstfall gewesen, hätten viele Bürger nichts mitbekommen.

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