Öffentlichkeit
Lieber Homepage statt Facebook
In der Krummhörn nutzen Verwaltung und Politik kaum die Möglichkeiten des Internets. Dabei wurde im Wahlkampf viel von Transparenz gesprochen.
Krummhörn/Hinte - Seitdem Hilke Looden (parteilos) Bürgermeisterin in der Krummhörn ist, fehlt ein freitägliches Ritual: Die Sprachnachricht per Whatsapp direkt aufs Handy. Diese hatte ihr Vorgänger Frank Baumann (SPD) mit hoher Regelmäßigkeit verschickt, um über die Corona-Lage, aber auch über aktuelle politische Geschehnisse zu berichten. Doch Looden will einen anderen Weg gehen. Sie sei nicht Frank Baumann, betont die Greetsielerin in diesem Zusammenhang immer wieder.
Dieser beschränkt sich allerdings vor allem auf eine regelmäßigere Nutzung der Homepage. Informationen über eine gemeindeeigene Seite bei Facebook, wie es ihr Amtskollege Uwe Redenius, parteiloser Bürgermeister der Gemeinde Hinte, macht, seien nicht geplant. Auch regelmäßige Vor-Ort-Termine mit den Bürgerinnen und Bürgern, also Bürgersprechstunden vor Ort oder ähnliches, plane Looden nicht, wie sie zuletzt auf dem Jahrespressegespräch betonte. Stattdessen wolle sie vor allem an Veranstaltungen in den Dörfern teilnehmen und dort Präsenz zeigen.
Geteiltes Echo
Die Einstellung der Sprachnachrichten stößt in der Bevölkerung auf ein geteiltes Echo, wie eine kurze Umfrage unserer Zeitung zeigt. Derk van der Werff aus Jennelt fand die Sprachnachrichten von Frank Baumann beispielsweise „nicht schlecht“, aber vermissen tut er sie nicht. Seiner Meinung nach kommen von Hilke Looden „wenig Infos rüber“, das wäre aus seiner Sicht noch verbesserungswürdig – und nennt als Beispiel explizit die sozialen Medien. Ähnlich sehen das die Freundinnen Janine Grünebast aus Pewsum und Hanni Kunze aus Eilsum: Sie fanden die Sprachnachrichten gut. „Es wäre schön, wenn es sie noch geben würde“, sind sich die beiden einig. Mireille Conrads aus Eilsum vermisst die Sprachnachrichten hingegen nicht und fühlt sich ausreichend informiert. Das politische Geschehen in der Krummhörn verfolge sie auf Facebook und tausche sich mit Bekannten aus. Uwe Mamminga aus Visquard vermisst die Sprachnachrichten von Baumann hingegen. „Die waren immer sehr informativ“, sagt er. Seiner Meinung nach könnte Looden das in ähnlicher Form machen, oder auch als Textnachricht auf der Homepage der Gemeinde.
Über das politische Geschehen, so sind sich die Befragten weitestgehend einig, informiere man sich am liebsten über das Internet und die lokale Presse.
Mehr soziale Netzwerke in der Nachbarschaft
So einen ähnlichen Weg will jetzt beispielsweise Uwe Redenius in Hinte verfolgen. Er hat damit angefangen auf seiner Bürgermeister-Seite auf Facebook monatlich eine Nachricht mit dem Titel „WWW – was war wichtig in unserer Gemeinde“ zu veröffentlichen. Hier will Redenius, so bestätigt er auf Nachfrage, immer das aus seiner Sicht wichtige Geschehen in Hinte rückblickend zusammenfassen. Die Gemeinde bespielt darüber hinaus noch eine weitere Facebook-Seite mit allgemeinen Infos aus der Verwaltung, beispielsweise zu Impfterminen oder für Nachrichten aus dem Rathaus.
In der Nachbarstadt Emden setzt man derweil stark auf die sozialen Medien. Sowohl Bürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) als auch die Verwaltung betreiben eigene Facebook-Seiten, die parallel zur Homepage mit Informationen versorgt werden.
Die Sache mit dem VA
In der Krummhörn führt eine andere, nicht vorhandene Öffentlichkeitsarbeit derweil regelmäßig zu Diskussionen: der Verwaltungsausschuss (VA). Dieser tagt immer nicht-öffentlich, was allerdings nicht bedeutet, dass alle Beschlüsse auch nicht-öffentlich sind. Tatsächlich gilt dies nur in bestimmten Fällen, in anderen sollte die Öffentlichkeit informiert werden. Dies geschieht in aller Regel in der Krummhörn allerdings nicht.
Hilke Looden will nun, so sagte sie auf dem Pressegespräch, prüfen, wie mit den VA-Beschlüssen künftig umgegangen werden soll. Bleiben die Parteien bei ihrer im Wahlkampf fast unisono ausgesprochenen Forderung nach mehr Transparenz, dürfte die Bürgermeisterin hier offene Türen einrennen. Andernorts gibt es beispielsweise nach den VA-Sitzungen immer eine kurze Pressekonferenz mit den Bürgermeistern oder zumindest eine E-Mail mit den wichtigsten Informationen für die Presse.
Was hingegen mittlerweile eingeführt wurde und auch funktioniert: Über das Bürgerinformationssystem werden Interessierte nun auch mit den Unterlagen zu den Ausschuss- und Ratssitzungen versorgt.
Auch Politik kaum digital
Im Wahlkampf wurde viel nach mehr Transparenz gerufen – und auch mehr Transparenz versprochen. Doch wie gut kommen die Parteien, die im Rat der Gemeinde Krummhörn vertreten sind, selbst dieser Forderung nach? Ein kurzer Check:
Homepages
Die Grünen, die mit zwei Personen im Gemeinderat vertreten sind, haben auf ihrer Homepage (www.gruene-krummhoern.de) die aktuellen Anträge, die gestellt worden sind, verzeichnet.
Bei der CDU hat sich auf der Internetseite des Gemeindeverbandes (www.cdu-krummhoern.de) seit der Vorstellung der Kandidaten für die Kommunalwahl im vergangenen Jahr nichts getan. Sogar die Liste der Ratsmitglieder wurde nicht aktualisiert.
Die Internetseite der Sozialen Wählergemeinschaft Krummhörn ist schon länger aus dem Internet verschwunden. Vor mehreren Wochen hieß es auf Nachfrage, dass man gerade an einem neuen Design und an einem Neustart der Internetseite arbeite.
Auf der Internetseite der SPD Krummhörn prangt unter „Aktuelles“ noch die Sommertour der Fraktion im Juli vergangenen Jahres. Wer aktuell für die Sozialdemokraten im Rat sitzt, ist beispielsweise auch nicht ersichtlich.
Die Freie Bürgerliste Krummhörn (FBL) hat auf ihrer Internetseite (fbl-krummhoern.de) die aktuellen Ratsmitglieder verzeichnet. Im vergangenen Jahr begann die Liste zudem mit „Aus dem Rathaus geplaudert“: Hier fanden sich Zusammenfassungen und Kommentare zu den Sitzungen und aktuellen Themen. Allerdings ist hier seit Dezember nichts mehr passiert.
Die AfD hat nur eine Internetseite für den Kreisverband Ostfriesland, deren Inhalt allerdings auch seit dem Wahlkampf nichts mehr mit Bezug auf die Region aufweist.
Keinen eigenen Facebook-Auftritt haben: die Grünen, die Soziale Wählergemeinschaft Krummhörn, die AfD.
Auf der Facebookseite der CDU für die Krummhörn herrscht seit dem Jahreswechsel Funkstille. Die zuvor bei Facebook sehr aktive SWK hat ihren Auftritt bei Facebook kurz nach der Wahl offline genommen. Auch der per E-Mail verschickte Newsletter der Wählergemeinschaft ist schon länger nicht erschienen.
Die SPD hat seit Dezember vergangenen Jahres keinen aktuellen Beitrag mehr bei Facebook veröffentlicht. Anders die FBL, hier ist regelmäßig Bewegung auf der Facebook-Seite, jedoch besteht diese oft nur aus hochgeladenen Zeitungsartikeln. Auch hier wurde bislang die „Geplaudert“-Reihe noch nicht fortgesetzt.
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