Keine Angst vor Klimawandel
Für ostfriesische Insel-Wohnungen wird jetzt noch mehr bezahlt
Sogar die hohen Wohnungspreise auf den Inseln werden noch höher. Aufgrund der explodierenden Immobilienpreise in Ostfriesland steigen auch die Mieten. Wird der Mietmarkt wenigstens transparenter?
Ostfriesland/Friesland - 2534 Wohnungen in Ostfriesland und Friesland haben im Jahr 2021 den Eigentümer gewechselt. Das geht aus dem neuen Grundstücksmarktbericht des Auricher Gutachterausschusses für Grundstückswerte hervor.
Die Zahl der Verträge ist ungefähr konstant geblieben – die Preise sind weiter gestiegen: Zehn Prozent waren es beim Weiterverkauf von Bestandswohnungen, wobei Verkäufe auf den Inseln und an der Küste in dieser Rechnung nicht einbezogen sind. Das heißt, die Preise haben sich seit dem Jahr 2010 verdoppelt. Vier Prozent kletterten sie zuletzt bei Neubauwohnungen.
Die Mieten in Ostfriesland und Friesland steigen – seit dem Jahr 2015 um 30 Prozent. Zum Vergrößern auf die Grafik klicken
Was kosten Ferienwohnungen?
Die Angst vor dem Klimawandel scheint sich auf den ostfriesischen Wohnungsmarkt noch nicht auszuwirken. An der Küste und auf den Inseln wird weiterhin viel Geld für Ferienwohnungen ausgegeben. In Norddeich wurden im vergangenen Jahr 4570 Euro pro Quadratmeter bezahlt – im Mittel. Auf Norderney waren es bis zu 24.900 Euro – und 11.400 Euro im Mittel. Am günstigsten waren Insel-Ferienwohnungen auf Baltrum: ab 5300 Euro pro Quadratmeter.
Zum Vergleich: Eine Bestandswohnung in Weener – keine Ferienwohnung – erzielte im Mittel 820 Euro pro Quadratmeter. Für „gebrauchte“ Wohnungen in Küstenbadeorten zahlt man mehr als zweieinhalbmal soviel wie im Jahr 2010.
Wie entwickelt sich das Wohnungsangebot?
Aufgrund der Preissteigerungen würden selbst in ländlichen Gemeinden zunehmend Mehrfamilienhäuser gebaut, berichtete Martin Homes, der Vorsitzende des Gutachterausschusses. Wenn eine Wohnung für 200.000 Euro zu haben sei, koste ein ähnlich großes Einfamilienhaus das Doppelte. Hinzu komme, dass manche älteren Menschen keinen Garten mehr pflegen wollten.
Folglich hätten die Flächenverkäufe für Geschosswohnungsbau zugenommen, heißt es im Grundstücksmarktbericht. Allerdings seien es immer noch so wenige, dass keine statistisch gesicherten Aussagen zur Preisentwicklung möglich seien. Im Jahr 2021 seien 13 solche Grundstücke verkauft worden.
Wie sehr sind die Mieten gestiegen?
Wenn Haus- und Wohnungspreise steigen, wirkt sich das auf die Mieten aus. Offenbar machen manche Vermieter aber Abstriche bei der Rendite. Denn die Wohnungsmieten in Friesland und Ostfriesland – ohne Inseln – stiegen „nur“ um 6,5 Prozent. Seit dem Jahr 2015 summieren sich die Mieterhöhungen allerdings auf 30 Prozent.
Neu ist der Mietspiegel für die Stadt Emden – und eine Ausnahme in Ostfriesland. Bisher hatten nur die Städte Aurich und Norden einen. In Mietspiegel fließen die Daten aus neu abgeschlossenen Mietverträgen und angepassten Bestandsmieten ein. Die Spiegel werde von den Städten im Einvernehmen mit Interessenvertretern von Mietern und Vermietern erstellt, erläutert der Gutachterausschuss.
Mehr Transparenz auf dem Mietmarkt?
Demnach bewegen sich die Mieten in Emden zwischen 3,65 Euro pro Quadratmeter (für eine Mehrfamilienhaus-Wohnung mit 120 Quadratmetern aus dem Jahr 1940) und 10,10 Euro pro Quadratmeter (für eine Mehrfamilienhaus-Wohnung mit 40 Quadratmetern aus dem Jahr 2015). In den Emder Mietspiegel sind Daten aus den Jahren 2015 bis 2020 eingeflossen. Damit ist er laut Grundstücksmarktbericht der aktuellste in Ostfriesland.
Wenn andere Städte nachziehen würden, so Martin Homes, würde das für „mehr Transparenz auf dem Mietmarkt sorgen“. Der Gutachterausschuss hat zwar – obwohl er es offenbar nicht müsste – „Mietübersichten“ für Wohnungen und Häuser in den Landkreisen Aurich, Leer und Wittmund erstellt sowie für Geschäfte und Praxen in den Städten Aurich, Emden, Esens, Leer, Norden und Wittmund. Allerdings ist die Datengrundlage eine andere als bei Mietspiegeln: Es fließen beispielsweise Mietangaben aus Fragebögen für Verkehrswertgutachten ein.
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