Mobilität

Teuer tanken – beim Fahren sparen

Karin Lüppen
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Von Karin Lüppen
| 18.02.2022 13:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Autofahren wird immer teurer. Da muss man nicht unnötig Sprit zum Auspuff rausjagen. Foto: Ortgies
Autofahren wird immer teurer. Da muss man nicht unnötig Sprit zum Auspuff rausjagen. Foto: Ortgies
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Die Fahrt zur Tankstelle ist momentan besonders deprimierend. Kraftstoff ist deutlich teurer geworden. Bei der Fahrt kann man jedoch sparen – dass heißt aber nicht, dass man im Kriechgang fahren muss.

Ostfriesland - Unlustige Zeiten für Auto- und Motorradfahrer, wenn sie an der Zapfsäule die Preisanzeige sehen: Sehr schnell gehen 50, 60 Euro flöten, bei einem großen Tank können es mehr als 100 Euro sein. Das tägliche Auf- und Ab bei den Literpreisen lassen die Autofahrer offenbar nicht an den Mitarbeitern der Tankstellen aus, wie eine Anfrage unserer Redaktion an mehreren Stellen ergab. „Die nehmen es hin und tanken trotzdem“, war eine gängige Antwort.

Was und warum

Darum geht es: Benzin und Diesel kosten mehr als je zuvor. Was kann man da machen?

Vor allem interessant für: Menschen, die Fahrzeuge mit Otto- oder Dieselmotor fahren

Deshalb berichten wir: Sparsam zu fahren, schont nicht nur den Kontostand, sondern auch die Umwelt.

Die Autorin erreichen Sie unter: k.lueppen@zgo.de

Mit entsprechenden Apps kann man verfolgen, wo man gerade am günstigsten Tanken kann. Allerdings verschenken viele Fahrer und Fahrerinnen bei der Fahrt bares Geld, denn Sparen kann man sogar während der Fahrt. Wir haben Martin Redenius, Teamleiter beim TÜV-Nord, und Hermann Diekhoff, Fahrtrainer der Verkehrswacht aus Moormerland, um ihre besten Tipps gebeten. Hier sind sie.

Sofort losfahren

Wer ins Auto steigt und gleich losfährt, spart von der ersten Sekunde an, sagt Martin Redenius. Der Motor muss nicht laufen, wenn noch nicht alle eingestiegen sind. „Im Leerlauf werden 0,8 bis 1,5 Liter Sprit pro Stunde verbraucht“, sagt der TÜV-Teamleiter. Das klingt nicht viel, aber übers Jahr gesehen kommt im Leerlauf einiges zusammen. Während der Fahrt wird der Motor zudem schneller warm als im Stand.

Martin Redenius ist beim TÜV Nord Teamleiter für die Region Weser-Ems. Wir haben ihn nach Strategien zum Spritsparten gefragt. Foto: Ortgies
Martin Redenius ist beim TÜV Nord Teamleiter für die Region Weser-Ems. Wir haben ihn nach Strategien zum Spritsparten gefragt. Foto: Ortgies

Schnell schalten

Zügig Gas geben, aber schnell hochschalten – je höher der eingelegte Gang ist, desto niedriger ist der Verbrauch. Am günstigsten fährt das Auto in einem Drehzahlbereich zwischen 1500 und 2500 Touren. „Ab 1500 Umdrehungen sollte man hochschalten“, sagt daher Hermann Diekhoff, der für die Verkehrswacht unter anderem Fahrtrainings zum sparsamen Fahren durchführt. Den Motor sehr hoch zu drehen, sei weit verbreitet, koste aber viel Sprit.

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Sprit sparen leicht gemacht
24.11.2021

Wenn beim Überholen doch mal mehr Drehzahl erforderlich ist, kann man beim Hochschalten die Gänge „überspringen“, sagt Redenius, also zum Beispiel vom dritten gleich in den fünften Gang schalten. Moderne Automatikgetriebe arbeiten im Prinzip von alleine so. „Im Eco-Modus schaltet der Wagen von selbst früh hoch“, sagt Redenius, und bleibe bei konstanter Fahrt um 1000 bis 1500 Touren. Dennoch empfiehlt Diekhoff, beim Automatikwagen eher sanfter Gas zu geben, um gar nicht erst in hohe Drehzahlbereiche zu kommen.

Rollen lassen

Eigentlich lernt man es schon in der Fahrschule: vorausschauend fahren. „Das kann viel Kraftstoff sparen“, sagt Redenius. Wer ausreichend Abstand zum Vorausfahrenden hält, muss nicht so oft bremsen und kann den Wagen rollen lassen, wenn zum Beispiel eine rote Ampel in Sicht kommt. Ständiges Abbremsen und Beschleunigen im Stadtverkehr kostet viel Geld. „Seit Jahrzehnten haben die Motoren eine Schubabschaltung“, sagt Diekhoff. Das bedeutet: Wenn der Motor mit eingelegtem Gang ausrollt, verbraucht er keinen Treibstoff.

Hermann Diekhoff gibt bei der Verkehrswacht Fahrtrainings, zum Beispiel für Senioren, aber auch zum Thema Kraftstoff sparen. Foto: Ortgies
Hermann Diekhoff gibt bei der Verkehrswacht Fahrtrainings, zum Beispiel für Senioren, aber auch zum Thema Kraftstoff sparen. Foto: Ortgies

Ballast abwerfen

Ebenfalls nichts neues: Jedes Kilogramm zusätzliches Gewicht kostet Treibstoff. Trotzdem fahren viele im Auto unnötigen Ballast mit sich herum. Die leere Getränkekiste müsse man nicht tagelang spazieren fahren, sondern sollte sie erst in den Kofferraum stellen, wenn man zum Einkaufen fährt, sagt Redenius. Das sollte man auch im Urlaub beachten, rät Diekhoff. Wer Fahrräder oder eine Dachbox ans Auto montiert, müsse sie am Urlaubsort nicht dauernd mit sich herumfahren.

Richtig Druck machen

Wenn die Reifen Luft verlieren, kostet das Treibstoff. Deshalb sollte man regelmäßig den Luftdruck in den Pneus kontrollieren. „Dabei können ruhig bis zu 0,3 bar mehr als angegeben aufgepumpt werden“, sagt Diekhoff. Damit verringere sich der Rollwiderstand und damit der Verbrauch.

Verbraucher ausschalten

Heizbare Heckscheibe, Spiegelheizung, Klimaanlage, Gebläse – die Elektrik im Auto verbraucht ebenfalls Energie. „Was man nicht braucht, sollte man abschalten“, raten beide Experten. Wer sehen wolle, wie viel Sprit die Klimaanlage verbraucht, solle den Bordcomputer auf „aktueller Verbrauch“ stellen und dann während der Fahrt die Klimaautomatik ein- und ausschalten. „Da sieht man den Unterschied sofort“, sagt Diekhoff. Er rät jedoch dazu, die Anlage im Winter zu benutzen, weil sie Nässe schnell vertreibt: „Aber bei 15 Grad ohne direkte Sonne brauche ich die Klimaanlage nicht.“

Motor aus

Ein viel diskutiertes Thema, aber beide Fachleute sagen eindeutig: „An der roten Ampel und vor den Bahnschranken den Motor ausmachen.“ Selbst wenige Sekunden senken den Treibstoffverbrauch, und dem Anlasser schade das – entgegen einer oft geäußerten Behauptung – nicht. „Moderne Autos haben eine Start-Stopp-Automatik, die das selbst erledigt“, sagt Redenius.

Verbrauch beobachten

Den Treibstoffverbrauch sollte man immer im Auge behalten, sagt Redenius. Steigt er auf einmal merklich in die Höhe, kann ein verstopfter Luftfilter oder ein technischer Defekt die Ursache sein. Dann sollte man zügig die Werkstatt aufsuchen, um den Fehler beheben zu lassen. Es gebe inzwischen Apps (zum Beispiel Spritmonitor), in die man die getankte Menge Benzin oder Diesel und die gefahrenen Kilometer eintragen kann. So behält man nicht nur den Verbrauch im Auge, sondern sieht auch, ob die sparsame Fahrweise Wirkung zeigt.

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