Berlin
Nackt-Shooting bei GNTM: „Promiflash“ stellt Paparazzo-Bilder ins Netz
Wieder einmal scheitert ProSieben daran, seine GNTM-Models vor Paparazzi zu schützen. Die „Promiflash“ zeigt die Bilder und zeigt sich gleichermaßen empört und erregt.
Bei „Germany’s Next Topmodel“ sind sie Angstprüfung und Staffel-Standard zugleich: die Nackt-Shootings. Auch in der aktuellen Staffel lässt Heidi Klum ihre Kandidatinnen nackt antreten. Diesmal posieren sie im goldenen Ganzkörper-Make-up, zum Teil kopfüber in einer riesigen Uhr baumelnd. Das weiß man nicht aus dem Fernsehen, wo die vorab aufgezeichnete Episode noch gar nicht ausgestrahlt wurde. Stattdessen zeigt jetzt „Promiflash.de“, wie die Frauen zwischen 18 und 68 unbekleidet aussehen. Die Website hat Paparazzo-Fotos der Session aufgetrieben; und die Berichterstattung darüber ist in jeder Hinsicht – erregt.
Mit den virtuosen Routinen des Boulevards werden alle Affekte auf einmal bedient: die gerechte Empörung über die „krassen Nacktbilder“. Und natürlich auch der Voyeurismus, den solche Fotos nun einmal befriedigen. Innerhalb von fünf Stunden bringt „Promiflash“ nicht weniger als vier Artikel zum Thema.
Im ersten Beitrag moniert das Blatt, dass die Models von ProSieben „nicht mal vor den Blicken der neugierigen Passanten geschützt“ wurden. Die „Promiflash“ selbst kann fünf verschiedene Bilder bringen! Gut, dass sie gleich selbst dazu sagt, wie ekelhaft so was ist! So was darf nicht passieren. Das findet auch Ex-GNTM-Juror Peyman Amin, der den Autoren sagt: Ein offenes Set ist bei Nacktfotos vollkommen unprofessionell.
In einem zweiten Text weist der ProSieben-Sprecher darauf hin, dass der Sender die Bilder vom Nackt-Shoot bei GNTM selbstverständlich verpixelt. „Das würden wir uns von allen Medien wünschen, die Paparazzifotos kaufen“, sagt er dazu. Die „Promiflash“ kann das ruhigen Gewissens zitieren. Immerhin hat sie selbst die Brustwarzen und den Schritt der Frauen mit sexy Sternchen kaschiert. Der dritte Beitrag ist eher lustlose Meta-Berichterstattung, die ein paar Social-Media-Reaktionen auf die eigene Empörung zusammenschustert: „GNTM-Nacktbilder geleakt: Show-Fans sind absolut fassungslos“. Ganz frisch dazugekommen sind zuletzt Stellungnahmen ehemaliger ProSieben-Models. Die sind auch schockiert.
Noch weiß man nicht, wie ProSieben die Foto-Session abbilden wird. Der Vergleich mit früheren Staffeln lässt aber vermuten: In all den „Promiflash“-Beiträgen dürften die Frauen wesentlich „nackter“ wirken. Die Paparazzo-Fotos sind schließlich nicht auf den Glamour inszeniert; statt der gekonnten Fashion-Pose zeigen sie die Kandidatinnen in Momente fehlender Selbstkontrolle: im Gespräch mit Heidi Klum, von Podesten herabsteigend, vornübergebeugt mit herausgestrecktem Hintern. Sternchen zwischen die Pobacken, und raus damit!
Die „Promiflash“ heuchelt sich ihre Spanner-Klicks schön. Aber auch der Sender kann kein reines Gewissen haben. ProSieben scheitert ja nicht zum ersten Mal daran, seine Laien-Models vor Voyeuristen zu schützen. 2016 etwa gelangte ein Foto in die „Bild“, auf dem die spätere GNTM-Siegerin Kim Hnizdo mit entblößter Brust zu sehen war - eine Szene, die in der Staffel dramaturgisch ausgebeutet wurde: Kim erfuhr damals im Telefonat von ihrem Freund Alexander Honey Keen, dass sie oben ohne in der „Bild“ ist. Seine unsensible Reaktion auf ihr Entsetzen gehörte zu den Top-Themen der Staffel - und machte auch ihn selbst zum Reality-Star. Honey schaffte es bis ins Dschungelcamp.