Genf

Zensur? WMO-Generalsekretär will Jugend mit Klimabericht nicht zu viel Angst machen

Laura-Cäcilia Wolfert
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Von Laura-Cäcilia Wolfert
| 16.02.2022 06:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Foto: Laura-Cäcilia Wolfert
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Der Generalsekretär der Weltwetterorganisation WMO sorgt sich um die psychische Belastung von Jugendlichen. Man müsse besonders beim kommenden Klimabericht darauf achten, jungen Menschen nicht zu viel Angst machen. Was soll man davon halten?

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„Wir müssen vorsichtig sein, wie wir über die Ergebnisse der Wissenschaft berichten“, sagt Petteri Taalas. Der Generalsekretär der Weltwetterorganisation (WMO) fürchtet die Folgen „apokalyptischer Ängste“ für die psychische Gesundheit junger Leute. Taalas bezieht sich dabei auf den nächsten Bericht des Weltklimarats (IPCC), der am 28. Februar veröffentlicht werden soll.

Der Bericht befasst sich mit den Auswirkungen der Klimakrise auf die Psyche. Eine Zensur, wie man sie bei den Aussagen von Taalas vermuten könnte, wird es aber wohl nicht geben. Die Umweltorganisation WWF erwartet von dem neuen Bericht sogar eine ernüchternde und schonungslose Bilanz. Klimaschutzexpertin Viviane Raddatz sagte dazu in Berlin: „In vielen Teilen der Welt stehen Menschen und Ökosysteme heute schon mit dem Rücken zur Wand. Und auch vor unserer eigenen Haustür haben Dürresommer, Sturzfluten, Waldbrände, Hitzewellen und Hochwasserkatastrophen die Klimakrise so greifbar gemacht wie nie zuvor.“ Der Klimaschutz müsse ab sofort höchste Priorität haben. Deutschland müsse die G7-Präsidentschaft nutzen, um die Staatengemeinschaft auf Kurs zu bringen: „Heißt: Raus aus Kohle, Öl und Gas, und zwar so schnell wie möglich!“

Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) lobte das rigorose wissenschaftliche Fundament des Weltklimarats. „Die Berichte des Weltklimarats sind der Goldstandard“, sagte sie. Er gehe wohl stärker als vorherige Berichte auf die gesellschaftlichen Bedürfnisse ein.

Der Ko-Vorsitzende der IPCC-Arbeitsgruppe, Meeresbiologe Hans-Otto Pörtner vom Alfred-Wegener-Institut, rechnete mit einigen kontroversen Debatten, wie er im Vorfeld sagte. Etwa über die Risiken durch Nutzung fossiler Brennstoffe oder Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels in Dürreregionen. Länder, die am gleichen Fluss oder Gletscher liegen, hätten oft unterschiedliche Interessen.

Was bedeutet WMO? Die Weltorganisation für Meteorologie (World Meteorological Organization – WMO) ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Die WMO hat 193 Mitglieder, mit Sitz in Genf in der Schweiz. Ihre Aufgabe ist es, die internationalen Zusammenarbeit zu vereinfachen und Wetterstationen zu vernetzen, in denen Beobachtungen rund um das Klima und Wetter festgehalten werden. Gerhard Adrian ist der Präsident der WMO und Petteri Taalas der Generalsekretär. Was bedeutet IPCC? IPCC steht für „Intergovernmental Panel on Climate Change“ und wird im Deutschen oft als Weltklimarat bezeichnet. Ihre Aufgabe ist es, den weltweiten Forschungsstand über die Auswirkungen der Globalen Erwärmung zusammenzutragen und aus wissenschaftlicher Sicht zu bewerten. Die WMO hat den IPCC (Weltklimarat) 1988 zusammen mit dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) gegründet. Das IPCC-Sekretariat befindet sich ebenfalls bei der WMO in Genf.

Wer veröffentlicht den Bericht? In den nächsten zwei Wochen beraten Regierungen hinter verschlossenen Türen über eine etwa 30-seitige Zusammenfassung des zweiten Berichts für politische Entscheidungsträger. Weil der Weltklimarat ein UN-Gremium ist, muss dieses Papier im Konsens verabschiedet werden. Details aus dem Bericht werden bis dahin unter Verschluss gehalten.

Wer schreibt den Bericht? Der Zusammenfassung für die politischen Entscheidungsträger liegt ein wissenschaftlicher Bericht mit mehr als 1000 Seiten zugrunde. Zum Kernteam gehören 270 Autorinnen und Autoren aus 67 Ländern, darunter auch aus Deutschland. Sie haben die Ergebnisse von mehr als 34.000 Studien zusammengetragen.

Um was geht es in dem kommenden Bericht? Es ist der zweite von drei Teilen des neuen Sachstandsberichts, den der Weltklimarat seit 1988 etwa alle sieben Jahre veröffentlicht.  Der ersten Teil über die naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels erschien im August 2021. Darin heißt es, dass die globale Durchschnittstemperatur schon in den nächsten 20 Jahren den kritischen Wert von 1,5 Grad erreichen oder überschreiten könnte. Im dritten Teil, der Anfang April veröffentlicht wird, geht es um politische, wirtschaftliche und technologische Optionen zur Minderung des Klimawandels.

Mit Material der dpa

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