Bürgerservice

Viele Wege ins Online-Rathaus bleiben ungenutzt

Christine Schneider-Berents
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Von Christine Schneider-Berents
| 15.02.2022 09:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Lena Hildebrandt ist bei der Samtgemeinde Jümme für die Digitalisierung von Verwaltungsarbeiten zuständig. Foto: Ortgies
Lena Hildebrandt ist bei der Samtgemeinde Jümme für die Digitalisierung von Verwaltungsarbeiten zuständig. Foto: Ortgies
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Online eine Hose bestellen, das machen viele. Aber online eine Eheurkunde betragen? Bürger müssten dafür nicht persönlich ins Rathaus. Viele Dienstleistungen gibt es online. Werden die angenommen?

Landkreis Leer - Wer eine Eheurkunde beantragen, seine Firma abmelden oder seinen Hund anmelden möchte oder wer ein Führungszeugnis braucht, muss dafür längst nicht mehr ins Rathaus eilen. Bürgerinnen und Bürger könnten viele ihrer Anliegen auch online erledigen. Das tun sie jedoch nicht. „Die Resonanz ist bisher verhalten“, räumt Christoph Busboom, Samtgemeindebürgermeister von Jümme, ein. Er spricht von einem Prozess, der sich erst entwickeln müsse.

„Wir bieten das seit August vergangenen Jahres an“, sagt Lena Hildebrandt. Sie ist als Digitalisierungsbeauftragte der Samtgemeinde Jümme für die Aktualisierung des elektronischen Dienstleistungsangebotes zuständig. Je nachdem, um was es gehe, seien unterschiedliche Kolleginnen und Kollegen für die Bearbeitung der Bürgeranliegen verantwortlich. Am häufigsten würden Hunde online an- oder abgemeldet werden.

Kommune sind per Gesetz verpflichtet

„Die Digitalisierung der Verwaltungsprozesse dient der Bürgerfreundlichkeit und soll so manchen Gang ins Rathaus überflüssig machen“, sagt Christoph Busboom. Dazu sind die Kommunen allerdings auch angehalten. Das 2017 verabschiedete Onlinezugangsgesetz (OZG) verpflichtet den Bund, die Länder und die Gemeinden, bis Ende dieses Jahres 575 Verwaltungsleistungen elektronisch anzubieten.

„Zu den Dienstleistungen, die in Jümme bisher online aufgerufen werden können, zählen Aufgaben des Melde-, Standes- und Steueramtes“, listet Lena Hildebrandt auf. Die Leistungen würden kontinuierlich ausgebaut. Aktuell seien die Kindergartenanmeldungen hinzugekommen. „In einem weiteren Schritt soll es bald möglich sein, uns den Zählerstand für den Wasserverbrauch online mitzuteilen“, sagt Lena Hildebrandt.

Arbeit wird erleichtert

Die Gemeinde Uplengen eröffnete ihr Online-Rathaus Anfang Juli 2021. Seitdem wurde das Portal mehr als 10.000 Mal aufgerufen. Tatsächlich genutzt wurde es bedeutend weniger. „Es gab bisher 51 Vorgänge, die abgewickelt wurden“, teilt Manfred de Groot von der Verwaltung mit. Neben den positiven Effekten für die Bürger werde die Arbeit seiner Kolleginnen und Kollegen mittelfristig erleichtert. Die Formulare seien digital erfasst und könnten so schnell in die zugehörigen Verfahren integriert werden. Nichts müsse mehr extra abgeheftet werden.

Ganz vorn mit dabei ist die Stadt Leer. „Eine Liste unserer Online-Dienstleistungen kann man auf der Homepage der Stadt Leer unter dem Reiter OpenR@athaus finden“, teilt Stadtsprecherin Mara-Jantje Fuß mit. Das Bürgerportal verweise darüber hinaus auf die Dienstleistungen anderer Behörden. „Als Beispiel wären da die KFZ-Anmeldungen, -Ummeldungen und -Abmeldungen zu nennen, die bei der Straßenverkehrsbehörde des Landkreises Leer angesiedelt sind“, so Fuß.

Angebote werden ständig ergänzt

Des Weiteren seien auf der Homepage der Stadt Leer Online-Formulare zu finden. Diese könnten zum Teil direkt am PC ausgefüllt und abgeschickt werden, ein paar müssten jedoch immer noch ausgedruckt und zum Amt geschickt oder gebracht werden. Die digitalen Angebote würden kontinuierlich ergänzt. So könne man seit einigen Tagen nun auch den Ausweis für die Stadtbibliothek verlängern lassen oder sich für eine Ferienpassaktion anmelden.

Das komme vor allem den Bürgern und den Unternehmen zugute. Aber natürlich profitiere auch die Verwaltung, erklärt Mara-Jantje Fuß. Arbeitsprozesse könnten teilweise automatisiert und beschleunigt werden. Die Überwachung von Zahlungseingängen werde vereinfacht. Rückfragen eines Sachbearbeiters an den Bürger könnten digital über sein Bürgerkonto im OpenR@thaus erfolgen.

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