Serie: Blick ins alte Emden

Auch Uwe Seeler und Loriot stehen in den Gästebüchern

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 14.02.2022 12:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das Heerens Hotel in Emden hat eine etwa 150 Jahre alte Geschichte. Foto: H. Müller
Das Heerens Hotel in Emden hat eine etwa 150 Jahre alte Geschichte. Foto: H. Müller
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Heerens Hotel in Emden, das jüngst von der Upstalsboom-Gruppe übernommen wurde, hat eine etwa 150-jährige Geschichte. Einige Details erinnern noch an die Zeit der Gründung.

Emden - Uwe Seeler war schon da, Rudi Carrell, Loriot und Jopie Heesters ebenfalls, und auch Gerhard Schröder hat dort schon geschlafen. Sie alle sowie weitere Promis waren schon Gäste von Heerens Hotel in Emden, das jüngst von der Upstalsboom-Gruppe übernommen wurde. Es soll im Herbst restauriert und zu einem Schulungs- und Seminarhotel umgebaut werden.

Das Haus an der Friedrich-Ebert-Straße hat eine lange Tradition. Es war schon immer eine der ersten Adressen in Emden, wenn es um gepflegte Gastlichkeit gehte. Heute steht das Gebäude unter Denkmalschutz.

Gastwirt aus Riepe war Gründer

Der aus Riepe stammende Gastronom Tjebbe Claasen Heeren hatte das Haus 1874 gebaut. In anderen Quellen wird 1870 als Baujahr genannt. Heeren hatte bereits Mitte des 19. Jahrhunderts einen Gasthof an der „Heerenporte“ - also am Heerentor - übernommen. Das Hotel, das den Zweiten Weltkrieg ohne große Schäden überstand, blieb über drei Generationen im Besitz der Familie.

In der Gründerzeit gehörten noch eigene Pferdeställe zum Haus. Damals brachten Kutschen die Gäste zum nahegelegenen Südbahnhof, dessen Bau die Ansiedlung mehrere Hotels, Bars und Gaststätten entlang der Friedrich-Ebert-Straße nach sich gezogen hatte. An die Zeit der Gründung erinnern heute noch einige Ringe an den Mauern von Heerens Hotel. Daran wurden früher die Pferde angebunden.

Haus überstand den Zweiten Weltkrieg

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Hotel von den Nazis genutzt. Die Kellerdecken und –wände wurden in dieser Zeit so verstärkt, dass sich der Kellergeschoss als Luftschutzbunker eignete. Den Zweiten Weltkrieg überstand das Gebäude ohne größere Schäden.

Im Jahr 1967 übernahm Matthias Arndt das Hotel von der Familie Heeren. Der gebürtige Bayer pachtete das Haus zunächst und kaufte es elf Jahre später. Bevor Arndt nach Emden kam, war er Geschäftsführer des Hotels Strandlust in Bremen-Vegesack. „Dadurch hatte ich schon viele Verbindungen zur maritimen Wirtschaft“, sagte er, bevor er sich vor 13 Jahren zur Ruhe setze.

Volle Auftragsbücher brachten Gäste

In den 43 Jahren, in denen er das Hotel gemeinsam mit seiner Frau Gitta Bekker-Arndt geführt hatte, erlebte er Höhen und Tiefen in der Entwicklung der Stadt. Davon zeugen auch die Eintragungen in den alten Gästebüchern, in denen unter anderem die Namen von Uwe Seeler, Rudi Carrell oder Loriot stehen.

Arndt, der heute 82 Jahre alt ist und noch in Emden lebt, erinnerte sich auch stets gerne an die Blütezeiten bei den Nordseewerken. Denn von den vollen Auftragsbüchern der Werft profitierten auch die Hotels der Stadt. „Damals war das Restaurant jeden Mittag voll“, sagte der Hotelier einmal. Die vielfach ausgezeichnete Küche seines Hauses hatte er schon zwei Jahre vor dem Eintritt in den Ruhestand aufgegeben.

Haus beherbergt auch ein Schlaflabor

Matthias Arndt und dessen Frau Gitta Bekker-Arndt verkauften das Hotel im Jahr 2009 an die Emderinnen Heike Schlenker und Janet Gehler-Schmäler, die den Betrieb mit 20 Zimmern bis zum Ende des vergangenen Jahres als Hotel garni weiterführten. Etwas später zog auch ein Schlaflabor in eines der obersten Geschosse ein. Die beiden Emderinnen verkauften das Hotel im Herbst schließlich an die Upstalsboom-Gruppe, deren Chefetage schon vor längerem mit einem Kauf geliebäugelt hatte.

Gegenwärtig gibt es in Emden mehr als zehn Hotels. Laut der städtischen Wirtschaftsförderung & Stadtmarketing GmbH verfügen sie über insgesamt rund 1200 Betten. Mit dem Hotel der Kette B&B, dem Hotel am Delft und dem Boardinghouse Quartier 96 hat sich die Bettenkapazität der Stadt innerhalb weniger Jahre etwa verdoppelt.

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