Bundespräsidentenwahl
Ein Lob der Kontinuität
Frank-Walter Steinmeier steht nicht für Aufbruch und schon gar nicht für Umbruch. Warum gerade das für eine zweite Amtszeit spricht.
Frank-Walter Steinmeier gilt manchen als langweiliger Präsident. Die eine große Rede sei von ihm nicht gehalten worden. Nach der Regel, wonach ein Bundespräsident durch die Kraft des Wortes seine Bedeutung erlangt, wäre Steinmeier also eher zweite Wahl. Allein: Diese Beurteilung würde seinem bisherigen Wirken nicht gerecht. An seine zweite Amtszeit darf man trotzdem neue Erwartungen haben.
Seine Wiederwahl ist ein Signal für Kontinuität, das gerade jetzt kein schlechtes ist. Steinmeier ist es gelungen, ein überparteilicher Bundespräsident zu werden, der jetzt von einer übergroßen Mehrheit in eine zweite Amtszeit gewählt wurde. Die Zeit für eine Frau, für ein neues, vielleicht überraschendes Gesicht im Amt des Staatsoberhauptes wird kommen, aber sie ist nicht jetzt.
Steinmeier ist ein erfahrener Politiker, in der Welt bekannt und bei vielen geschätzt ist. Auch in den aktuellen Krisen in der Welt kann die Kontinuität durch Steinmeier, der auch schon Außenminister war, hilfreich sein.
Er muss jetzt eine neue Rolle finden neben Bundeskanzler Olaf Scholz, der bisher nicht Mann der großen Worte ist. Das bietet dem Bundespräsidenten eine größere Bühne. Seine erste Rede nach der Wiederwahl an die Adresse Putins war klarer als vieles, was bisher von der Bundesregierung zu hören war.
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