Verkehr

Bald wieder alles neu in der Emder Neutorstraße

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 11.02.2022 20:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Neutorstraße im Abschnitt zwischen Rathausplatz und Neutorarkaden soll im Frühjahr im Zuge des Verkehrsexperimentes zur Fahrradstraße erklärt werden. Grafik: Stadt Emden
Die Neutorstraße im Abschnitt zwischen Rathausplatz und Neutorarkaden soll im Frühjahr im Zuge des Verkehrsexperimentes zur Fahrradstraße erklärt werden. Grafik: Stadt Emden
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Autofahrer müssen sich in der Emder Innenstadt wieder auf neue Situationen einstellen. Wegen Tiefbauarbeiten wird die Neutorstraße demnächst zwei Wochen lang gesperrt. Das ist aber noch nicht alles.

Emden - Autofahrerinnen und Autofahrer müssen demnächst vorübergehend erneut gewohnte Wege in der Emder Innenstadt verlassen. Denn die Neutorstraße wird voraussichtlich im März oder April im Abschnitt zwischen der Straße Agterum und dem Rathausplatz für einen Zeitraum von etwa zwei Wochen für den Kraftverkehr in beiden Fahrtrichtungen gesperrt. Das kündigte Stadtbaurätin Irina Krantz am Donnerstag im Ausschuss des Rates für Stadtentwicklung an.

Was und warum

Darum geht es: In der Neutorstraße in Emden tut sich in den nächsten Monaten einiges.

Vor allem interessant für: Verkehrsteilnehmer in Emden und diejenigen, die sich für den Mobilitätswandel interessieren

Deshalb berichten wir: Stadtbaurätin Irina Krantz hat im zuständigen Fachausschuss des Emder Rates Neuigkeiten zur Neutorstraße verkündet, die viele in Emden betreffen.

Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de

Grund ist dieses Mal aber nicht das seit dem Sommer laufende und nach wie vor umstrittene Experiment zur Verkehrsberuhigung des Stadtzentrums. Vielmehr geht es um technische Dinge: Dringende Sanierungsarbeiten am Abwasserkanal vor dem Gebäude der Neutor-Arkaden machen es laut Krantz erforderlich, die Straße dichtzumachen. Die Leitung sei „sehr marode“ und durch den Bau des Hotel- und Geschäftscenters zusätzlich belastet worden. Diese Arbeiten werden jetzt ausgeschrieben.

Entlastung des Berufsverkehrs möglich

Die Stadtbaurätin rechnet damit, dass die Vollsperrung „in etwa sechs bis acht Wochen“ ansteht. Es werde aber nach Möglichkeiten gesucht, zumindest morgens zu Spitzenzeiten den Berufsverkehr durch die Neutorstraße fließen zu lassen.

Dennoch wird es wohl zu Behinderungen des Verkehrs in der Innenstadt kommen, zumal dann zeitgleich auch die Trogstrecke wegen der im Sommer 2020 begonnen Sanierungsarbeiten nicht befahrbar ist. Dieser Teil der Südumgehung wird vom kommenden Montag an wieder für den gesamten Verkehr gesperrt.

Stadt spricht mit Anliegerinitiative

Das wird sich auch auf die Friedrich-Ebert-Straße und die Nordertorstraße im Stadtteil Faldern auswirken, die viele Autofahrer als Ausweichstrecke nutzen. Anlieger klagen dort schon jetzt über ein zu hohes Verkehrsaufkommen, das durch die jetzt geltende Einbahnstraßenregelung in der Neutorstraße entsteht. Autofahrer können diese Verkehrsachse nur in Nord-Süd-Richtung passieren, also vom Knotenpunkt Agterum in Richtung Rathausplatz.

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Laut Krantz will die Stadtverwaltung jetzt den Dialog mit der Anliegerinitiative der Friedrich-Ebert-Straße suchen. Sie hat den Sprechern bereits einen Gesprächstermin angeboten, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen. An weiteren Runden sollen auch die Fraktionen des Rates beteiligt werden. Dafür hatten sich im Ausschuss FDP-Fraktionschef Erich Bolinius und Johannes „Urmel“ Meyering von der Gruppe Grüne feat. Urmel stark gemacht.

Neutorstraße wird zur Fahrradstraße

Unterdessen bereitet sich die Stadtverwaltung auf die dritte Stufe des Verkehrsexperiments in der Neutorstraße vor. Nach aktuellem Stand soll sie spätestens Ende Mai zu den Matjestagen gezündet werden. Dann soll die Straße im Abschnitt zwischen Agterum und Rathausplatz zur Fahrradstraße erklärt werden. Das heißt, dass Autos die Straße zwar nach wie vor in der Nord-Süd-Richtung passieren können, Radfahrer und Fußgänger aber Vorrang haben.

Angedacht war ursprünglich auch ein Shared Space, also ein Raum, den sich alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt teilen. „Das war uns aus Gründen der Sicherheit zu kritisch, weil es unübersichtlich werden kann“, sagte Krantz dieser Zeitung. Die Fahrradstraße sei „etwas klarer geregelt“.

Parklets sollen Aufenthaltsqualität erhöhen

Die Neutorstraße soll bei diesem „Szenario 3“, wie die Stadt diese Phase des Experiments nennt, auch zu einer Begegnungsstätte werden. Am Fahrbahnrand sollen sogenannte Parklets eingerichtet werden. Das sind mobile Holzdecks, die die Größe eines Autoeinstellplatzes haben. Solche Podeste sollen auch den in der Neutorstraße ansässigen Gastronomen gebührenfrei zur Verfügung gestellt werden.

Auf weiteren Parklets sollen moderne und farbige Sitzgelegenheiten und weitere Elemente wie Pflanzen, Blumenkästen und Fahrradabstellmöglichkeiten installiert werden, um die Aufenthaltsqualität in der Neutorstraße zu erhöhen. Solche Parklets gibt es vor allem in Großstädten. „Die Rückmeldungen von Gastronomen sind durchweg positiv“, sagte Krantz.

Der Abbau der alten Fahrradständer unter den Arkaden der Neutorstraße ist nach Angaben von Stadtplaner David Malzahn bislang noch nicht geplant. Es sollen zunächst weitere Fahrrad-Abstellplätze in der Neutorstraße, an der Straße Agterum und in der Pottgießer Straße installiert werden.