Berlin
Dienstwagen der Minister: Wer E-Auto fährt – und wer nicht
Die neue deutsche Bundesregierung setzt im Verkehrssektor auf Elektromobilität, die in den kommenden Jahren in der Autoindustrie vorangetrieben werden soll. Doch mit welchen Autos sind die Minister der Ampel-Koalition unterwegs?
15 Millionen Elektroautos sollen bis zum Jahr 2030 nach Plänen der Ampel-Regierung auf Deutschlands Straßen unterwegs sein. Bereits jetzt gibt es Zweifel, dass das Vorhaben in den kommenden acht Jahren ausreichen wird, um entsprechende CO2-Einsparziele zu erreichen, wie eine Analyse des Wuppertal Instituts im Auftrag der Umweltorganisation Greenpeace ergeben hat. Der Studie zufolge müssten sogar 20 Millionen Elektroautos zugelassen sein, um die angepeilten Werte zu erreichen.
Aktuell sind nach Daten des Kraftfahrt-Bundesamts rund 650.000 reine E-Autos auf deutschen Straßen unterwegs, bei einem Bestand von mehr als 48 Millionen Pkw. Wie es im Fuhrpark der neuen Bundesregierung mit klimafreundlichen Fahrzeugen aussieht, der man gewissermaßen ja auch eine Art Vorbildfunktion zuschreiben könnte, hat die „Automobilwoche“ untersucht. Die Fachzeitschrift hat die aktuellen Dienstwagen der Ministerinnen und Minister der Ampel-Koalition erfragt.
Außenministerin Annalena Baerbock hat sich dem Bericht zufolge für einen Mercedes-Benz EQS entschieden, der auch als Flaggschiff der deutschen Elektroautoindustrie gilt. Mit dem Modell war bereits die ehemalige Umweltministerin Svenja Schulz (SPD) unterwegs – es war das erste rein elektrisch angetriebene Fahrzeug im Fuhrpark der letzten Großen Koalition. Das Auto soll nun auch Schulz’ Nachfolgerin und neue Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Bündnis 90/Die Grünen) übernommen haben. Der grüne Landwirtschaftsminister Cem Özdemir habe sich für einen Audi E-Tron, den Elektro-SUV des Ingolstädter Automobilherstellers, entschieden. Seine Parteikollegin und Familienministerin Anne Spiegel wählte dem Bericht zufolge einen neuen BMW i4.
Damit wären bei Auslieferung der Fahrzeuge vier der fünf grünen Bundesminister mit einem vollelektrischen Dienstwagen unterwegs. Vizekanzler Robert Habeck durchbricht jedoch die grüne Entwicklung. Er sei in „einem sondergeschützten Fahrzeug des Bundeskriminalamts“ unterwegs, wie das Ministerium gegenüber der Zeitschrift mitteilte. Damit ist Habeck in einer vergleichbaren Fahrzeugklasse unterwegs wie Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), der mit dem S 680 Guard von Mercedes eines der vermutlich sichersten Autos der Welt als seinen Dienstwagen nennt. Aber auch bei Außenministerin Baerbock geht die Sicherheit vor. Je nach „Einschätzung der Gefahrenlage“ sei die Außenministerin auch mit einem entsprechend gesicherten Audi A8, einem Plug-in-Hybrid, unterwegs.
Finanzminister Christian Lindner (FDP), Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sowie dessen Parteikolleginnen Nancy Faeser (Innenministerium) und Christine Lambrecht (Verteidigungsministerium) seien mit besonderen Sicherheitsfahrzeugen unterwegs. Die Autos von Lambrecht seien geheim, wie die „Automobilwoche“ berichtet. Die teils mehreren Tonnen schweren Aufbauten nach Vorschriften des Bundeskriminalamts mit einem Elektroantrieb zu versehen, sei aus Sicht der Hersteller wenig sinnvoll. Daher finden sich die gepanzerten Sonderlimousinen auch nicht in dem von der Umwelthilfe durchführten „Dienstwagen-Check“ wieder, in dem bereits 15-mal die Fahrzeuge der deutschen führenden Politiker auf CO2-Emissionen untersucht wurden.
Noch unentschlossen sei Verkehrsminister Volker Wissing (FDP), dem anscheinend Angebote der drei deutschen Hersteller Mercedes-Benz, Audi und BMW vorlägen. Wie die „Automobilwoche“ berichtet, zeichne sich jedoch ab, dass Wissings Wahl des Dienstwagens auf ein elektrisches Fahrzeug fällt.
mit dpa