Sicherheit

Corona auf Inseln: Wie kommen Infizierte zurück aufs Festland?

Imke Oltmanns
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Von Imke Oltmanns
| 11.02.2022 18:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Eine Langeoog-Fähre auf dem Weg zum Festland. Foto: Oltmanns
Eine Langeoog-Fähre auf dem Weg zum Festland. Foto: Oltmanns
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Wer Inselurlaub macht und positiv auf Corona getestet wird, will meist zurück nach Hause. Doch wie geht das? Die Fähren sind ein Nadelöhr. Die Inseln haben da ein paar interessante Möglichkeiten gefunden.

Inseln - Aktuell wird die Spiekeroog-Fähre etwa einmal pro Woche mit einem kleinen Sondercontainer beladen. Ein überschaubarer kleiner Kasten, der vor der Abfahrt leer an Bord gebracht wird. Er ist ausgestattet mit Bank, Fenster und Tür und dient dem Transport von Gästen. Reisen im Container? Doch Ärger, sagt Silvia Langner von der Spiekerooger Tourist-Info, gebe es deswegen nicht, im Gegenteil: „Die Gäste sind froh, dass es so unkompliziert geht.“ In dem Container reisen Touristen, die während ihres Inselaufenthalts positiv auf Corona getestet wurden. Zu Beginn der Pandemie, fügt Langner an, hätten die Gäste 14 Tage in Quarantäne auf der Insel bleiben müssen. Ob sie nun wollten oder nicht. Dann lieber eine halbe Stunde im Container.

Spiekeroog hält einen Container vor, in dem Infizierte aufs Festland transportiert werden können. Foto: Ohmes
Spiekeroog hält einen Container vor, in dem Infizierte aufs Festland transportiert werden können. Foto: Ohmes

Die rasant steigenden Infektionszahlen werfen die Frage auf, wie auf den Inseln damit umgegangen wird. Denn anders als andere Urlaubsregionen gehört zu ihnen der Fährverkehr, ein Reise-Nadelöhr und möglicher Ansteckungsherd, da die Schiffe nur begrenzten Raum bieten. Auf Spiekeroog gelten daher strenge Regeln für den Transport von positiv Getesteten, die Langner so schildert: Erst wird der Container rübergehoben, dann gehen die Infizierten an Bord und in den Container. Anschließend wird alles desinfiziert, was sie auf diesen Metern angefasst haben könnten. Erst danach folgen die restlichen Passagiere. Am Festlandhafen dann das Ganze retour. Erst die gesunden Kunden, dann die infizierten. Der Container reist mit zurück und wird gründlich desinfiziert, bereit für den nächsten Transport.

Langeoog und Juist

Auch auf der Insel Langeoog setzt man auf die Containerlösung, in etwas erweiterter Form: „Wenn das zuständige Gesundheitsamt anordnet, dass die infizierte Person an das Festland reisen soll, wird die Schifffahrt Langeoog informiert und der Transport organisiert“, schreibt Langeoogs Bürgermeisterin Heike Horn (parteilos) auf unsere Anfrage. Der Transport erfolge ohne Kontakt mit dem Personal auf einem der Frachtschiffe in einem gesonderten Transportcontainer oder im eigenen Auto. Das Auto werde mit dem Frachtschiff transportiert. Die Bürgermeisterin betont auch, dass es nicht im Ermessen des Gastes liege, was er mache. „Die Entscheidung, ob ein Gast reisen darf oder sich in seinem Feriendomizil aufhalten muss, trifft das zuständige Gesundheitsamt und nicht der Gast.“

Juist ist ebenso wie Langeoog und Spiekeroog eine autofreie Insel. Auch hier muss es also eine kreative Lösung geben, wie positiv getestete Gäste wieder ans Festland kommen. Anders als die beiden anderen Inseln betreibt Juist seine Schifffahrt allerdings nicht selbst. Die Reederei Frisia bedient die Strecke zwischen der Insel und Norddeich am Festland. Und hat den Vorteil, dass zu ihrem Unternehmen auch Flugzeuge gehören. „Wir nutzen die Inselflieger für den Transport von Infizierten“, erklärt Holger Eilers von der Reederei auf Nachfrage. Sowohl Pilot an auch Infizierter würden Schutzanzug und Maske tragen, der Flug dauere etwa fünf Minuten. Die Kosten müsse erstmal der Fluggast tragen, er könne sie sich aber erstatten lassen.

Norderney und Borkum

“Auf Norderney ist glücklicherweise Autoverkehr möglich“, so Eilers weiter. Müsse hier ein Infizierter ans Festland transportiert werden, gelte: Im Pkw auf die Fähre fahren und während der gesamten Überfahrt im Wagen bleiben. „Unsere Mitarbeiter haben natürlich ein Auge auf diese Reisenden“, sagt Eilers noch. Immerhin könnte es ihnen ja auch schlecht gehen. Wilhelm Loth, Geschäftsführer der Staatsbad Norderney GmbH, berichtet, dass im Falle eines auf der Insel positiv getesteten Gastes auch schon mal Angehörige zur Abholung mit dem Wagen anreisen müssten.

Auch für die Insel Borkum gilt: Wenn Gäste mit dem Wagen angereist sind und sich infiziert haben, können sie diesen nutzen, um wieder nach Hause zu fahren. Die Personen dürften in diesem Fall auf dem Schiff nicht aussteigen, betont Joachim Bakker, Leiter des dortigen Ordnungsamtes. Zusätzlich habe die Stadt Borkum im vergangenen Jahr ein Feuerwehrfahrzeug für den Transport infizierter Gäste hergerichtet. „Im vorigen Jahr wurden einige Gäste und Patienten der Kliniken damit zum Festland gefahren“, schreibt Bakker. Oft sei auch das Fahrzeug des infizierten Gastes in Emden/Eemshaven auf die Fähre Richtung Insel gesetzt worden, so dass der Gast dann mit seinem eigenen Pkw abreisen konnte. „Aufgrund der hohen Inzidenzzahlen bietet die Stadt Borkum den Transport mit dem Feuerwehrfahrzeug in diesem Jahr nicht mehr an“, heißt es weiter.

Außerdem, so berichten mehrere der Gesprächspartner, haben sich mittlerweile auch Inseltaxis auf Quarantäne/Corona-Transporte spezialisiert, private Unternehmer also, die Fahrten in kleineren Booten anbieten.

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