Gewerbe

IT-Firmen sollen Leer zu neuem Reichtum verhelfen

Katja Mielcarek
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Von Katja Mielcarek
| 11.02.2022 09:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Geht es nach Bürgermeister Claus-Peter Horst, siedeln sich auf der Nesse neue IT-Firmen an. Foto: Ortgies
Geht es nach Bürgermeister Claus-Peter Horst, siedeln sich auf der Nesse neue IT-Firmen an. Foto: Ortgies
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Der Leeraner Bürgermeister Claus-Peter Horst hofft, dass IT-Unternehmen der Stadt dabei helfen, ihre Schulden abzubauen. Damit Unternehmen nach Leer kommen, muss aber was passieren.

Leer - Will die Stadt Leer in absehbarer Zeit ihre desolate finanzielle Lage nachhaltig verbessern, bleibt ihr fast nichts anderes, als auf kräftig sprudelnde Gewerbesteuern zu setzen – schon jetzt der größte Einnahmeposten im städtischen Haushalt. Allerdings fehlt es der Stadt an freien Gewerbeflächen. Lediglich im Industriegebiet Leer-Nord an der Ems gibt es Platz. Allerdings sind die Grundstücke dort Betrieben vorbehalten, die einen Gleisanschluss benötigen oder auf einen Emsanleger angewiesen sind.

Was und warum

Darum geht es: Auf der Nesse sollen sich IT-Firmen ansiedeln, wünscht sich Bürgermeister Claus-Peter Horst. Dort könnte ein „hippes“ Viertel entstehen.

Vor allem interessant für: diejenigen, die darunter leiden, dass die Stadt zu wenig Geld hat, und diejenigen, die sich über einen modernen Einschlag in der Innenstadt freuen würden.

Deshalb berichten wir: Der Bürgermeister hat in einem Gespräch mit der Redaktion erzählt, dass er zur Sanierung des Haushalts große Hoffnung in den IT-Sektor setzt.

Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de

Das Gewerbegebiet an der Benzstraße an der Autobahnauffahrt Leer-Nord soll erweitert werden – mit erheblichem finanziellen Aufwand, weil die Bodenverhältnisse kompliziert sind. Fünf Millionen Euro sind im Haushalt für das laufende Jahr dafür eingeplant.

Boomende Branche

Allerdings sei dieses Gelände längst nicht für jede Firma geeignet, die sich in Leer ansiedeln will – oder soll, sagt Bürgermeister Claus-Peter Horst (parteilos). Er setze große Hoffnung auf den IT-Sektor. „Diese Firmen könnten für Leer das werden, was einst die Reeder waren“, sagt er, „das ist eine boomende Branche“. Diese Firmen brauchten aber weniger die Nähe zur Autobahn, was an der Benzstraße gegeben ist. Sie schätzten vielmehr die Nähe zur Innenstadt mit deren Annehmlichkeiten für die Angestellten, nicht zuletzt die kurzen Wege vom Wohn- zum Arbeitsort. Seine Vorstellung sei, die Nesse als eine Art Kristallisationspunkt für IT-Firmen in Leer zu entwickeln.

Bürgermeister Horst setzt große Hoffnung in die IT-Branche. Im Bild ist der Hauptsitz von Orgadata auf der Nesse zu sehen. Foto: Ortgies
Bürgermeister Horst setzt große Hoffnung in die IT-Branche. Im Bild ist der Hauptsitz von Orgadata auf der Nesse zu sehen. Foto: Ortgies

Dort sitzt schon die Software-Firma Orgadata und fühlt sich äußerst wohl, wie deren Sprecher Andreas Meinders betont. Er bestätigt den Aufschwung, in dem sich der IT-Sektor befindet. „Das erkennt man schon an uns. Wir sind vor gut 20 Jahren mit fünf Mitarbeitern gestartet, heute haben wir zwischen 520 und 530.“ Die größte Herausforderung sei, gut ausgebildete Fachkräfte zu finden. Da sei ein attraktives, „hippes“ Umfeld sehr hilfreich. Ist Leer „hip“? Meinders überlegt: „Verglichen mit Städten wie München oder Berlin sicher nicht“, sagt er. „Aber hier in der Region steht die Stadt schon gut da.“

Unterstützung aus den Schulen

Wo die Region besser werden könne und aus seiner Sicht auch müsse, sei in der schulischen Vorbereitung der späteren Fachkräfte. „Das kommt heute noch zu kurz. Die meisten Abiturienten haben keine einzige Minute programmiert, wenn sie die Schule verlassen.“ Für die Firmen sei es aber wichtig, auch Talente vor Ort zu entdecken und frühzeitig einzubinden.

IT-Firmen siedeln ihre Computer-Arbeitsplätze gerne innenstadtnah an. Foto: Anspach/dpa
IT-Firmen siedeln ihre Computer-Arbeitsplätze gerne innenstadtnah an. Foto: Anspach/dpa

Für die IT-Firmen sei es nicht notwendig, aber schön, wenn sie in einem Viertel wie der Nesse konzentriert angesiedelt wären. „Theoretisch stehen wir in Konkurrenz zueinander, beispielsweise wenn es um die Anwerbung von Fachkräften geht“, sagt Meinders. „Aber hier in der Region haben wir uns entschieden, gemeinsam möglichst gute Bedingungen vor Ort zu schaffen und uns so gegenseitig zu unterstützen.“

Unternehmen arbeiten zusammen

Unter anderem deshalb habe sich das „Software-Netzwerk Leer“ gebildet. Die Software-Unternehmen, der Landkreis und die Stadt Leer suchen laut Homepage gemeinsam nach IT-Talenten, stellen rund 100 Ausbildungsplätze in den unterschiedlichsten IT-Berufen und bieten duale Studiengänge an. „Ich glaube, dass auch die Stadt von einer Konzentration von Software-Firmen auf engem Raum profitieren kann, wenn dort ein hippes Viertel entsteht“, sagt Meinders.

Von der Nesse aus, hat man einen guten Blick über den Hafen zum historischen Rathaus. Foto: Ortgies
Von der Nesse aus, hat man einen guten Blick über den Hafen zum historischen Rathaus. Foto: Ortgies

Bei aller Konzentration auf dem IT-Sektor, gehe die Suche nach Gewerbegrundstücke für andere Branchen natürlich weiter, betont Horst. Er hatte im Bürgermeister-Wahlkampf im Sommer 2021 angekündigt, womöglich einen bisher noch nicht diskutierten Platz für ein neues Gewerbegebiet präsentieren zu können. Er befinde sich in guten Gesprächen mit dem Eigentümer. Diese Gespräche liefen immer noch, so dass er noch nichts Genaueres sagen könne, sagte er nun auf Nachfrage der Redaktion.

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