Hamburg

Mickie Krause nach Krebsdiagnose: „Mir geht es wirklich sehr, sehr gut“

Berit Rasche
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Von Berit Rasche
| 09.02.2022 17:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 9 Minuten
„Mit beiden Beinen im Leben“. Mickie Krause will trotz Krebserkrankung der Alte bleiben. Foto: imago images/ Revierfoto
„Mit beiden Beinen im Leben“. Mickie Krause will trotz Krebserkrankung der Alte bleiben. Foto: imago images/ Revierfoto
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Er habe Glück im Unglück gehabt. Schlagerstar Mickie Krause zeigt sich im Interview optimistisch und ruft dazu auf, zur Krebsvorsorge zu gehen.

Anfang Januar wurde Mickie Krause, der sich in Mallorca mit dem Hit „Zehn nackte Friseusen“ bekannt machte, mit Blasenkrebs diagnostiziert. Im Interview mit unserer Redaktion sprach der Sänger vom anfänglichen Schock, seinem Optimismus und der Dringlichkeit, zum Urologen zu gehen.

Frage: Herr Krause, am 15. Februar sind Sie bei „Showtime of my life – Stars gegen Krebs zu sehen“, um auf das wichtige Thema Krebsvorsorge aufmerksam zu machen. Bei Instagram sprachen Sie im Dezember davon, dass Ihre Fans dort eine ernsthaftere Seite von Ihnen kennenlernen könnten. Es wurde dann ja sogar noch ernsthafter als angenommen – wie war das für Sie, während der Dreharbeiten mit der Diagnose Blasenkrebs konfrontiert zu werden?

Antwort: Es war im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung, die am achten Januar filmisch im Zusammenhang mit ‚Showtime of My Life – Stars gegen Krebs‘ begleitet wurde, da wurde bei mir beim Ultraschall ein bösartiger Tumor in der Blase entdeckt. Im ersten Moment war ich natürlich sprachlos und mit der ganzen Situation überfordert. Ich wollte ja eigentlich die Geschichte meines verstorbenen Freundes Pepe Maymó aus Mallorca erzählen, der dazu beigetragen hatte, dass ich meine Mallorca-Karriere in dieser Form starten konnte. Und plötzlich hatte ich meine eigene Geschichte – meine eigene Krebs-Geschichte. Das war schon grenzwertig.

Frage: Was war Ihr erster Gedanke nach der Diagnose? Der erste Mensch, an den Sie dann denken mussten?

Antwort: In dem Moment werden einem so viele Fragen gestellt, man hat da erst einmal gar keine Antworten drauf. Man denkt sich immer: Warum denn ich? Ich bin doch eigentlich nur bei diesem Format dabei, um auf Krebsvorsorge hinzuweisen. Ich bin nicht dabei, um selber festzustellen, dass ich Krebs habe. Aber man denkt natürlich zuerst an seine Familie.

Frage: Wie konnte Ihre Familie mit der Diagnose umgehen, was hat das für sie bedeutet? Sie waren vermutlich nicht vor Ort, da Sie ja beim Dreh waren.

Antwort: Am 6. Januar habe ich die Diagnose bekommen, das konnte ich dann natürlich auch erst einmal nur telefonisch mit meiner Familie besprechen – obwohl ich überlegt habe, zu warten, denn am 7. Januar kam meine Familie nach Berlin. Sie haben sich auch die Show im Admiralspalast angesehen. Es war also auch so geplant, dass wir dann ein schönes Wochenende in Berlin verbringen. Das Wochenende war sogar trotz der Diagnose schön. Aber dennoch ist es ein absoluter Schockmoment – auch weil wir noch nie im Leben innerhalb der Familie und der Verwandtschaft mit dem Thema Krebs großartig konfrontiert wurden.

Frage: Bei RTL haben Sie gesagt „Ich bin ein starker Mann. Ich komme da raus“. Sie haben ja bereits eine Operation hinter sich. Wie geht es Ihnen mittlerweile?

Antwort: Mir ging es direkt nach der OP eigentlich gut. Es gab da einen kleinen Zwischenfall. Es hat sich ein Koagel in der Blase gebildet – also ein Blutgerinnsel – und das hinderte mich daran, Wasser zu lassen. Demzufolge wurde am 13. Januar dieses Koagel operativ entfernt, so dass ich dann, Gott sei Dank, am 14. Januar das Krankenhaus in Berlin verlassen konnte. Aber ich hatte zu keinem Moment Beschwerden, es ging mir zu keinem Moment wirklich schlecht, ich konnte zum Beispiel nach eineinhalb Wochen schon wieder ganz normal joggen gehen.

Frage: Haben Sie durch die Früherkennung den Krebs nun erstmal hinter sich? Konnte soweit alles entfernt werden?

Antwort: Das Thema Krebs wird mich jetzt natürlich ein Leben lang begleiten. Man kann nach den vier Wochen, die es ja nun ziemlich genau her ist, noch nicht von einer Heilung sprechen. Bei Krebs spricht man von einer Heilung, wenn er fünf Jahre lang nicht gestreut hat. Bei Blasenkrebs ist das Problem, dass er leider zu 50 Prozent wiederkommen kann. Das hängt davon ab, wie gut die Therapie anschlägt. Am 10. Januar war die erste OP und es erfolgt Ende Februar eine Nachresektion, das ist eine zweite Kontrolloperation. Da wird einfach geschaut, ob auch wirklich alles erfolgreich operiert wurde, ob man vielleicht auch noch etwas entdeckt hat, oder ob der Krebs vielleicht sogar in irgendeiner Form gestreut hat. Wenn alldem nicht so ist, würde im April für mich eine Erhaltungstherapie beginnen.

Frage: Und die würde wie ablaufen?

Antwort: Das ist eine BCG [Bacillus-Calmette-Guérin] -Therapie. Die besteht darin, dass ich zum Urologen vor Ort gehe, dort wird mir ein Einmal-Katheter gesetzt. Die Therapie simuliert eine Entzündung in der Blase und aktiviert dadurch lokal Abwehrzellen, die dann diesen Tumor angehen. Diese Therapie ist nicht ganz so heftig wie eine Chemotherapie, aber hat es trotzdem in sich.

Frage: Wie geht es Ihnen damit, dass der Krebs nun erst einmal Ihr Leben derart prägt?

Antwort: Damit komme ich eigentlich relativ gut klar, weil ich weiß, dass ich Glück im Unglück hatte. Ich bin noch rechtzeitig zur Vorsorge gegangen und ab und zu muss man einfach auch Glück haben. Und dieses Glück weiß ich sehr zu schätzen. Ich bin sehr dankbar, dass ich bei „Showtime of My Life“ mitmachen konnte, denn wenn ich bei diesem Format nicht mitgemacht hätte und ich wäre nicht zur Vorsorge zum Urologen gegangen – da hätten wir uns in einem halben bis dreiviertel Jahr vielleicht über andere Maßnahmen unterhalten. Ich gehe sachlich und auch gestärkt an die Sache ran. Also ich bin nicht jemand, der zu verkopft ist und sich täglich mit dem Thema Krebs auseinandersetzt. Dafür bin ich einfach zu sehr mit beiden Beinen im Leben.

Frage: War denn regelmäßige Krebsvorsorge für Sie zuvor schon ein Thema, oder kam es erst mit der Show in Ihr Leben? Waren Sie vorher schon einmal bei einer Vorsorge?

Antwort: Ich habe bislang immer nur diese typischen Check-Up-Untersuchungen bei meinem Hausarzt gemacht und ich hatte immer den Eindruck, es reicht, wenn ich Blut abnehme, eine Urinprobe abgebe und der Hausarzt bei seiner Routineuntersuchung entsprechend abtastet. Aber wie man im Nachhinein gesehen hat, ist es doch sinnvoller, wirklich noch einmal zum Urologen zu gehen und das werde ich natürlich in Zukunft immer machen. Und mein Aufruf, meine Botschaft, mein Appell ist: Geht bitte zur Vorsorge, geht zum Urologen und schaut, ob alles in Ordnung ist.

Frage: Statistisch gesehen sind es besonders die Männer, die selten zur Krebsvorsorge gehen. Woran liegt das? Ist eine Darmspiegelung wirklich so unangenehm, oder das Thema womöglich mit zu viel Scham behaftet? Wie war das bei Ihnen, hatten Sie vielleicht auch Hemmungen, zum Urologen zu gehen?

Antwort: Nein, ich hatte keine Hemmung, zum Urologen zu gehen. 2016 war ich schon einmal beim Urologen, aber aus anderen Gründen – ich habe da nicht dieses Schamgefühl. Ich habe 20 Jahre Fußball gespielt, da ist nicht mehr so viel mit Schamgefühl. Aber ich glaube, bei vielen Männern ist es einfach auch Bequemlichkeit. Die Bequemlichkeit, überhaupt zum Hausarzt zu gehen und dann soll man noch den nächsten Schritt gehen und weiß, es ist eben nicht unbedingt angenehm, zum Urologen zu gehen. Aber ich sage ganz ehrlich, noch unangenehmer ist es, die Diagnose Krebs zu bekommen und nicht rechtzeitig zum Arzt gegangen zu sein. Wenn man rechtzeitig geht, kann man sich und vielen Familienangehörigen, oder auch Freunden und Bekannten viel Leid ersparen.

Frage: Meinen Sie, Sie werden sich jetzt auch vermehrt öffentlich mit dem Thema Krebs und Vorsorge auseinandersetzen? Haben Sie vor, sich dafür mehr einzusetzen?

Antwort: Auf jeden Fall. Ich werde jetzt natürlich nicht meine Bühne, auf der ich als Stimmungssänger Mickie Krause auftrete, das Thema Krebs ansprechen. Ich werde damit auch nicht hausieren gehen. Aber es wird sicherlich in den nächsten Wochen und Monaten immer wieder Einladungen zu Talkshows oder zu Veranstaltungen geben, die sich mit dem Thema Krebs auseinandersetzen. Da werde ich natürlich die Einladung auch annehmen und auch nutzen. Aber man wird mich, Mickie Krause, auf der Bühne so erleben, wie man mich vor der Krebsdiagnose gekannt hat und so wird das auch in Zukunft laufen.

Frage: Also Sie bleiben der Alte?

Antwort: Ich bleibe definitiv der Alte, ja.

Frage: Kann man auch im Sommer mit Ihnen auf den Bühnen rechnen, wenn das wieder möglich ist?

Antwort: Man kann auch schon ab Anfang März wieder mit mir rechnen, da habe ich die ersten Auftritte, wenn sie denn Corona-bedingt stattfinden. Wir warten ja alle darauf, dass am 16. Februar seitens der Bundesregierung neue Entscheidungen getroffen werden. Wenn die Möglichkeit besteht, werde ich auch im März schon wieder ganz normal auf der Bühne stehen. Ich könnte jetzt auch heute oder morgen direkt im Megapark auftreten, das wäre für mich gesundheitlich überhaupt kein Problem. Mir geht es wirklich sehr, sehr gut und mir ist auch wichtig, dass die Leute das wissen. Mir ist auch wichtig, dass die Leute sich nicht mehr Sorgen um mich machen, als ich es selbst mache. 

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Frage: Wie würden Sie es denn spontan für einen zimperlichen Partyliebhaber formulieren, der sich bisher davor gescheut hat, regelmäßig zum Arzt zu gehen und sich dort auszuziehen?

Antwort: Also wir bei „Showtime of My Life“ haben immer gesagt: Wenn wir gemeinsam vor einem Millionenpublikum blankziehen können, dann könnt ihr das auch beim Urologen. Und ich glaube, so intim ist dieser Moment beim Urologen nicht, weil der macht den ganzen Tag nichts anderes und von daher muss man da auch wirklich kein Schamgefühl haben. Es geht darum, Leben zu retten und man hat an meinem Beispiel festgestellt, es kann jeden erwischen, den Maurer, den Lehrer, den Stimmungssänger und daher ist es also wirklich wichtig, zur Vorsorge zu gehen und es ist auch egal, ob man 20, 30 oder 50 Jahre alt ist.

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