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Wetterdienst: Ostfriesischer Winter bisher ein „Komplettausfall“

Gordon Päschel
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Von Gordon Päschel
| 08.02.2022 17:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Eis und Schnee? War da etwas? Statt klirrender Kälte gab es im Januar viel zu milde Temperaturen: Der Monat fiel 3,9 Grad zu warm aus. Können Eis und Schnee noch kommen?

Emden - Das war es wohl mit dem Winter für dieses Jahr. Erwin Lachmann, Mitarbeiter des Deutschen Wetterdienstes (DWD), rechnet jedenfalls nicht mehr damit, dass es in Ostfriesland in den kommenden Wochen noch einmal richtig schneit und friert. „Ich nehme an, dass der Winter ein Komplettausfall wird für diese Region“, sagte er am Dienstag im Gespräch mit dieser Redaktion.

Im Januar hat es in diesem Jahr keinen einzigen sogenannten Eistag gegeben. Eistage sind nach Lesart in der Meteorologie Tage, an den die Temperaturen nicht über die Null-Grad-Marke steigen. Die Auswertung der Monatsdaten, die der DWD-Mitarbeiter stellvertretend für Ostfriesland am Flugplatz Emden erhoben hat, zeigt: Mit durchschnittlich 5,3 Grad war es viel zu mild. Die Abweichung vom üblichen Mittel beträgt 3,9 Grad. „Das ist schon richtig heftig“, sagt Lachmann.

Nur zwei Frosttage im Januar

Am wärmsten war es den Wetterdaten aus Emden zufolge mit 12,4 Grad gleich zu Beginn des Monats. Die tiefsten Temperaturen wurden mit -4,2 Grad am Dienstagmorgen, 11. Januar, gemessen. Lediglich an zwei Tagen sank die Thermometeranzeige unter den Gefrierpunkt.

Wie so oft im bisherigen Winter bestimmten Hochdruckgebiete über den britischen Inseln die Großwetterlage. Dadurch wurde feuchtwarme Luft nach Mitteleuropa geführt. Für Ostfriesland bedeutete das im Januar neben außergewöhnlich milden Tagen jede Menge Wolken und trübe Tage. Mit insgesamt 70,1 Liter auf den Quadratmeter fielen gut 7,5 Liter mehr Niederschlag als im Vergleichszeitraum der Jahre 1961 bis 1990.

Sonne ließ sich selten blicken

Dazu ließ sich die Sonne nur selten blicken. Im gesamten Januar waren es laut DWD-Daten gerade einmal 37,8 Stunden über dem Emder Flugplatz. In der ohnehin dunkelsten Zeit des Jahres waren es noch einmal gut fünf Stunden als erwartbar. „Bei vielen sind die Vitamin-D-Speicher leer“, sagt Lachmann. Die fehlende Sonne und der Mangel des Vitamins schlagen aufs Gemüt.

Zum Ende des Monats blies in Ostfriesland ein kräftiger Wind. Die Spitzenwerte wurden am Schulzeugnis-Ferienwochenende gemessen. Mit 25,1 Meter pro Sekunde war es am Sonnabend, 29. Januar, am stürmischsten. Das entspricht einer 10 auf der Beaufort-Skala oder übersetzt: „einer schweren Sturmböe kurz vor Orkan“, so Lachmann. Zwar gab es keinen klirrenden Frost, aber einen für die Region typischen Wintersturm bekamen die Ostfriesen trotzdem ab.

Beim Blick auf die nächsten Tage und Wochen rechnet der 63-Jährige aus Westoverledingen ab dem Wochenende mit weiterhin milden Temperaturen und vor allem reichlich Niederschlag. Es zeichnet sich ab, dass der Februar extrem nass werden dürfte. „Wir haben schon jetzt das Monatsmittel erreicht“, sagt Lachmann. Und das Gespräch fand am Dienstag, 7. Februar statt. Der Monat war da noch jung.

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